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Ausgabe 49-1/1992

MEIN VATER, DER HELD

MON PERE, LE HEROS

Produktion: Film Par Film / D. D. Production / Orly Films / Paravision International / TF1 Films Production, Frankreich 1991 – Regie und Drehbuch: Gérard Lauzier – Kamera: Patrick Blossier – Schnitt: Georges Klotz – Musik: François Bernheim – Darsteller: Gérard Depardieu (André), Marie Gillain (Véronique), Patrick Mille (Benjamin) u. a. – Laufzeit: 103 Min. – Farbe – Verleih: Tobis-Filmkunst – Altersempfehlung: ab 16 J.

"Alle Jahre wieder" heißt es für André, den geschiedenen Vater in den besten Jahren. Denn die Weihnachtsferien verbringt er immer mit seiner inzwischen knapp 15-jährigen Tochter Vero. Diesmal geht's nach Mauritius, einem paradiesischen Eiland zum Ausruhen, Entspannen und sich Amüsieren. Daraus wird leider nichts. Denn Vero wirkt verändert. Ihre Laune wechselt ständig, in hautengen Kleidern zieht sie die Aufmerksamkeit der alten und jungen Männer im Feriendorf auf sich, flirtet auf Teufel komm raus. André verfolgt jede Annäherung eifersüchtig, kann er doch nicht verstehen, dass aus dem Kind ein attraktiver und abenteuerlustiger Teenager geworden ist und eigene Erfahrungen machen möchte.

Es kommt, wie es kommen muss: Vero verliebt sich bis über beide Ohren in den 20-jährigen Jüngling Benjamin. Um sich interessant zu machen, erzählt sie ihm hanebüchene Storys: André sei ihr Liebhaber, habe eine dunkle Vergangenheit als Spion und Söldner hinter sich, sie sei ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Dieses Gerücht empört die anderen Urlauber, sehen sie doch in André einen alternden Lüstling, der junge Mädchen ausbeutet. Da das Lügengebäude einzustürzen droht (Benjamin fordert ein Gespräch "von Mann zu Mann"), beichtet Vero ihrem ahnungslosen Vater die Geschichte, ohne jedoch Einzelheiten preiszugeben. Etwas widerwillig gibt André ihrer Bitte nach, das Spiel kurzfristig mitzumachen, damit sie nicht ihr Gesicht verliert. Daraus ergeben sich die skurrilsten Situationen. Erst als bei einem Badeunfall Vero zur Rettung des "Papas" um Hilfe ruft, ist das Versteckspiel vorbei. Die beiden jungen Leute finden zueinander, mit dem "Segen" des Papas. Dennoch fällt es André schwer, seine Tochter loszulassen. Und ihre Abreise zum gemeinsamen Segeltörn mit Benjamin erträgt er nur mit einer großen Portion Melancholie und Selbstironie.

Was zum Klamauk und Kitsch hätte ausarten können, hat Gérard Lauzier zu einer heiter-wehmütigen Betrachtung über den Prozess des Erwachsenwerdens aus der Sicht des Vaters inszeniert, der den drohenden Verlust des "Kindes" spürt, die Zeit der vordergründigen Unbeschwertheit aber noch festhalten möchte. Auf der einen Seite ist er stolz auf sein Töchterlein, das allen den Kopf verdreht, wacht aber zugleich mit Argusaugen darüber, dass ihr niemand zu nahe kommt; teilweise aus väterlicher "Eifersucht", vielleicht aber auch, weil er die Tochter schützen möchte, weiß er doch aus seinem eigenen Leben, wie verletzlich derjenige ist, der Liebe spürt und zeigt. Und gerade diese erste Enttäuschung, diesen Schmerz möchte er für seine Tochter noch hinauszögern. Diese Ambivalenz der Gefühle bringt Gérard Depardieu souverän zum Ausdruck.

Manchmal übertreibt Lauzier mit der Komik (auch die Musik erinnert nicht selten an rosaroten, zuckrigen Klangbrei), aber bevor der Film in Klamauk oder zu große Sentimentalität abgleitet, schafft er wieder die Wende zur augenzwinkernden Ehrlichkeit. Das Spielerische überwiegt, ohne sich nur in Oberflächlichkeiten zu erschöpfen. Da wird nicht schwermütig über die Schwierigkeit des Flüggewerdens philosophiert, sondern Erwachsenwerden heißt hier auch einfach neugierig zu sein, Abenteuer zu wagen, den Alltag provozieren, Unabhängigkeit proben. Gérard Depardieu und seine junge Kollegin Marie Gillain sind ein Bilderbuch-Paar. Wenn sie noch ungeübt die Erfahrene spielt oder ihre Stacheln ausfährt, im nächsten Moment aber hilflos ihrer eigenen Courage gegenüber steht, wirkt das echt und aus dem Leben gegriffen. Alles in allem eine zärtliche und liebevolle Komödie, in der sich Väter und Töchter gerne wiederfinden.

Margret Köhler

 

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