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Ausgabe 62-2/1990

FINIST – HELLER FALKE

FINIST – JASNI SOKOL

UdSSR 1975 – Produktion: Zentrales Studio für Kinder- und Jugendfilme Maxim Gorki, Moskau – Regie: Gennadi Wassiljew – Buch: Alexander Rou, Lew Potjomkin – Kamera: Wladimir Okunew, Juri Malinowski – Musik: Wladimir Schainski – Darsteller: Wjatscheslaw Wokressenski (Finist), Swetlana Orlowa (Aljonuschka), Michail Pugowkin (Woiwode), Michail Kononow (Joschka), Lew Potjomkin (Kartáus Spinnewitsch Rotbart) – 75 Min. – Farbe – CinemaScope – FSK: ab 6 J.

Es war einmal im schönen Lande Rus, gelegen an einem kleinen Fluss: Hier liegt ein Bollwerk des Woiwoden, das die nahe gelegene Stadt vor den Überfällen des finsteren Kartáus Spinnewitsch Rotbart schützen soll, der schon lange die schöne weiße Stadt erobern will. Vor das Bollwerk tritt nun ein altes Mütterchen und erzählt die Geschichte vom tapferen Recken Finist: Blond und blauäugig pflügt er das Feld, als er Zeuge eines gemeinen Überfalls der finsteren Horden wird. Flugs geht er dazwischen, vertreibt die Unholde und rettet so die schöne Aljonuschka. Kartáus sinnt auf eine List, um Finist auszuschalten; denn er allein kann ihn davon abhalten, das Land zu erobern. Er nutzt seine Hilfsbereitschaft aus und verwandelt ihn in ein zotteliges Untier, das die Bewohner in Schrecken fliehen lässt. Nun sind die Dorfbewohner eingekreist: Im Wald zwischen ihnen und der Stadt lauert das Ungeheuer und im Osten die Horden des Kartáus. Da schickt der Woiwode seinen Schreiber, Finist zur Rettung herbeizuholen und auch Aljonuschka macht sich auf die Suche nach ihrem Liebsten. Im Wald treffen sie den alten Agafon und dessen zänkisches Weib Anfissa. Zu ihnen stößt ein altes Zauberweib, das verdächtig der Erzählerin ähnelt. Sie schenkt Anfissa einen Zauberzweig. Diese verwünscht aus Versehen ihren Ehemann unter die Erde, um dann mit dem gefesselten Jaschka ins Bollwerk zu ziehen. Dort ist auch ein Spion des Kartáus angekommen, der jedoch von den singenden "lustigen Weibern" entlarvt und in den Kerker gesteckt wird.

Nun überschlagen sich die Ereignisse: Die gehörnten Krieger des Kartáus überfallen das Bollwerk und mit ihnen erscheint Finist in seiner Gestalt als Untier. Einzig Aljonuschka erkennt ihn und gelobt ihn zu heiraten, worauf er sich wieder in den blonden Recken verwandelt und die bösen Krieger verjagt. Der Spion des Kartáus jedoch gibt nicht auf. Er verspricht Anfissa, ihr ihren Ehemann wiederzugeben, wenn sie dafür Finist mit einem Zauberkamm lähmt. Der Plan funktioniert und Finist wird in den Kerker geworfen und soll hingerichtet werden, wenn er nicht zum Gefolgsmann des Kartáus wird. Erneut müssen Aljonuschka und Jaschka den Recken befreien, der ein für allemal den bösen Kartáus besiegt und so das Land Rus vor seinen Feinden rettet. Dafür wird er ewig in der Erinnerung des Volkes leben: "Denn jeder, der seine Heimat verteidigt und eintritt für Gerechtigkeit, der lebt ewig."

Gennadi Wassiljew widmete diesen Film dem Altmeister des Genres Alexander Rou, der auch das Szenario schrieb, aber vor Beginn der Dreharbeiten verstarb. Leider erweist sich der junge Regisseur als wenig kongenialer Nachfolger des großen Meisters. Denn unter seiner durchaus inspirierten Regie, die geradezu modern wirkende symbolische Bilder und Montagesequenzen zu bieten hat, wurde daraus ein höchst erbaulicher Film, der sich allzu oft hart an der Grenze zum nationalen (wenn nicht gar nationalistischen) Kitsch bewegt und diese manchmal auch überschreitet. Das liegt sicherlich auch in der Vorlage begründet, die sich auf russische Legenden aus dem 12. und 13. Jahrhundert beziehen, als Teile des Landes immer wieder von den Enkeln Dschingis Khans bedroht und angegriffen wurden.

Dennoch verstört der Film durch eine zuweilen allzu platte Dramaturgie – vor allem in der Schauplatzwahl: So wird die schöne weiße Stadt des Landes Rus kontrastiert durch den finsteren dunklen Palast des Kartáus. Dem blonden und blauäugigen Recken stehen stets finster gekleidete, tartarisch wirkende Bösewichte gegenüber, die dieser fast ohne Probleme in die Flucht schlägt. Hinzu kommt, dass sich die Geschichte zu oft in allzu viel (auch gesungener) Folklore verliert und es ihr dadurch an Überzeugungskraft mangelt. Gelungen ist der Film dagegen vor allem in der Gestaltung der Nebenfiguren, wie etwa dem Paar Agafon und Anfissa, oder dem Schreiber Jaschka. Hier verlässt sich Wassiljew ganz auf das Szenario Alexander Rous und die Darstellungskünste der in Russland bekannten Komiker Georgi Wizin, Ljudmilla Chitjajewa sowie Michail Kononow. Ergänzt wird dieses komische Ensemble durch zwei Stammkomiker Rous: Michail Pugowkin und Georgi Milljar als Kastrjuk, der Spion des Kartáus. Was bleibt, sind ein paar schöne Momente in einem Film, der zwar stark an die "Blinas" eines Rou oder Ptushko erinnert, aber zu oft zum nationalen Kitsch wird und der statt auf eine Geschichte mehr auf einzelne, stark folkloristische geprägte Episoden setzt.

Lutz Gräfe

 

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