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Ausgabe 83-3/2000

"Die Grundidee war, einen schönen realen Märchenfilm zu drehen"

Gespräch mit Elena Schatalowa und Boris Seyfarth

(Interview zum Film VASILISA)

Elena Schatalowa und Boris Seyfarth sind ein Team, geschäftlich und privat. Sie ist die Regisseurin, er der Produzent, der Film "Vasilisa" ist ihr gemeinsames Werk.

KJK: Warum fiel die Wahl auf das russische Märchen 'Wassilissa, die Schöne"?
Elena Schatalowa: "Wassilissa ist eine Art Bestseller in Russland. So populär wie in Deutschland 'Aschenbrödel'. Da ich aus Moskau komme und einen Stoff für Kinder gesucht habe – zeitgemäß gemacht, das mögen Kinder, dachte ich – kann es klappen mit Wassilissa ..."
Boris Seyfarth: "Ich selbst bin ein großer Märchenfan, der als Kind mit Zeichentrick nicht viel anfangen konnte. Es ist noch immer so. Wir wollten einfach etwas im Kinderfilmbereich machen, einen Gegenpol zum Zeichentrickfilm. Die Grundidee war, einen schönen realen Märchenfilm zu drehen."

"Vasilisa" ist ein schräger Film, einerseits ausgeflippt – 'Rocky Horror Picture Show' lässt grüßen – andererseits von märchenhafter Naivität. Wie haben Sie Popstar Nina Hagen für die Rolle der Hexe gewonnen?
Elena Schatalowa: "Ich habe sie gefragt – sie sagte, warum nicht, schicke mir das Drehbuch. Nach einer Woche hatten wir ihre Zusage. Sie kam mit ihrem jüngsten Sohn, einem Kindermädchen und vielen Koffern voll mit Hexenutensilien zu den Dreharbeiten angereist. Eine absolut professionelle Schauspielerin, die auch gern improvisiert."

Die Kostüme im Film sind einfallsreich und opulent, bei welchen Opernhäusern wurden sie entliehen?
Elena Schatalowa: "Alle Kostüme sind original für diesen Film von zwei Kostümdesignerinnen entworfen, die zu den besten Russlands gehören, und von acht Schneiderinnen genäht. Eigentlich wollte ich nur eine der Designerinnen, aber sie arbeiten nur zusammen. Ich sagte, dass mein Budget nicht für zwei ausreicht, das war kein Problem für sie. Wir einigten uns so, dass alle zufrieden waren."
Boris Seyfarth: "Wir sind damals zu Sussmanns am Bahnhof gegangen und haben für dreihundert Mark einen Stapel von Haute-Couture-Zeitschriften gekauft, um zu sehen, was denn zurzeit so angesagt ist in diesem Bereich. Die brachten wir mit nach Moskau, eigene Ideen der Designerinnen kamen dazu, wurden aufs Papier gebracht."

Hatten Sie selbst konkrete Vorstellungen von den Kostümen?
Elena Schatalowa: "Ja, es sind Kostüme quer durch die Zeiten, quer durch die Stile, wunderbare Kostüme, die ich gerne ausstellen würde. Die Kostüme der drei Prinzen unterscheiden sich voneinander, haben europäische, asiatische und jüdische Elemente, ein eklektischer Stil, von jedem ein bisschen – was in zweitausend Jahren getragen wurde, haben wir zusammengepackt."

Die Musik spielt eine wesentliche Rolle im Film, die Choreografie, der Rhythmus. Waren das von Anfang an Ihre Intentionen?
Elena Schatalowa: "Während des Drehens war die Musik immer im Kopf. Der Choreograf war immer dabei, manchmal hat er beim Drehen sogar den Takt geklatscht. Der Rhythmus war immer da. Die Stilrichtung stand also fest, als der Komponist hinzukam."

Immerhin zeichnet Klaus Doldinger für die Musik. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Boris Seyfarth: "Ich wollte ihn für den Film haben, weil der Mann sein Geschäft versteht und wir etwas ganz Spezielles brauchten. Viele sagten, der macht das nie – warten wir ab, auch bei Nina Hagen hatten uns das viele gesagt. Die Musik soll die Handlung vorantreiben, unterstützen, aber nicht zu viel. Klaus Doldinger hat uns auch ein bisschen eingebremst."

War es schwierig, den Film zu finanzieren?
Boris Seyfarth: "Es ging relativ zügig, in einem halben Jahr hatten wir das Geld (3,5 Millionen Mark) beisammen. Erst jetzt, wo ich von Kollegen höre, wie schwer das normalerweise ist, bin ich doch überrascht, wie uns das so schnell gelungen ist."

Wie viele Drehtage brauchte "Vasilisa"?
Elena Schatalowa: "Wir drehten 44 Tage, die Hälfte in Moskau, meistens in dem Fürstenpalast, die andere Zeit in den Höhlen auf der Krim und im Innern der Muschel, in der Nina Hagen residierte."

An welche Altersgruppe haben Sie bei Ihrem Film gedacht?
Boris Seyfarth: "Wir wollten uns an das MTV-Publikum anschließen, das sind alle, ganz Kleine, Teenager und Erwachsene. Unser Film ist ohne Altersbegrenzung freigegeben worden."

Von wem oder was sind Sie geprägt worden?
Elena Schatalowa: "Schon als Zehnjährige wollte ich Regisseur werden – wie Billy Wilder. Ich liebe amerikanische Filme, bin mehr kosmopolitisch eingestellt. Mit Propaganda und dem Regime konnte ich nie etwas anfangen. Gott sei Dank bin ich in einer Zeit aufgewachsen, als Literatur nicht mehr verboten und Filme nicht mehr in Regalen weggeschlossen waren."

Simon Verhoeven spielt den Prinzen Alexander, einen passiven Helden, der Hilfe braucht und sie auch bekommt, weil er nett ist, ein gutes Herz hat und auch noch gut aussieht. Eine ideale Rolle für den Sohn des Künstlerehepaars Senta Berger und Michael Verhoeven. Von ihm wollten wir wissen, wie es ist, mit Elena Schatalowa zu arbeiten, eine Frage, die Simon Verhoeven anlässlich der deutschen Premiere beim Kinderfilmfest München Ende Juni 2000 so beantwortete:
"Vor dem Beginn der Dreharbeiten lernte ich eine sehr junge herzliche, offene, interessante, schnelle und kreative Regisseurin kennen, die mit Leidenschaft und Höflichkeit an die Dinge heranging. Während des Drehens dann hat sie es geschafft, auch bei krassesten Verhältnissen – in den Höhlen zum Beispiel war es kälter als minus 20 Grad – das Projekt mit entschlossenem Kopf und harten Händen durchzuboxen. Jetzt nach Gelingen des Projekts ist sie wieder sehr sehr nett."

Interview: Gudrun Lukasz-Aden und Christel Strobel

 

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