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Ausgabe 58-2/1994

DER GEHEIME GARTEN

THE SECRET GARDEN

DER GEHEIME GARTEN

Produktion: American Zoetrope, USA 1993 – Regie: Agnieszka Holland – Buch: Caroline Thompson, nach dem Roman "The Secret Garden" von Frances Hodgson Burnett – Kamera: Roger Deakins – Schnitt: Isabelle Lorente – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Kate Maberly (Mary Lennox), Heydon Prowse (Colin Craven), Andrew Knott (Dickon), Maggie Smith (Mrs. Medlock), Laura Crossley (Martha), John Lynch (Lord Craven) u. a. – Länge: 101 Min. – Farbe – Verleih: Warner Bros. (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Mary Lennox, ein hübsches, verwöhntes Kind, streckt die Arme von sich, lässt sich unbewegten Gesichts von Dienstboten ankleiden, gibt Befehle, und findet das ganz normal. Die ersten Filmszenen geben Einblick in das luxuriöse Leben reicher Engländer in Indien Anfang dieses Jahrhunderts. Marys Eltern haben mit dem gesellschaftlichen Leben unter englischen Kolonialoffizieren offensichtlich mehr zu tun als mit ihrer kleinen Tochter. Mary versteckt sich unter einem Bett, beobachtet das Treiben der Erwachsenen und das ihrer Eltern, die ineinander verliebt sind. Und dann bebt die Erde. Schnitt. Ein Ozeandampfer stampft durch graue, sturmgepeitschte Wellen Richtung England, mit an Bord die durch die Naturkatastrophe zu Waisen gewordenen Kinder, die von ihren englischen Verwandten sehnsuchts- wie liebevoll beim Anlegen in Empfang genommen werden. Nicht Mary. Einsam sitzt sie in der düsteren Halle und wartet, bis eine ältliche, hartherzige Frau auf sie zukommt: Mrs. Medlock, Wirtschafterin von Marys Onkel, die sie mitnimmt auf ein riesengroßes, ungastliches Herrenhaus im englischen Hochmoor. Den Onkel, Lord Craven, bekommt das Kind nicht zu Gesicht. Ihr wird ein verlassenes, geräumiges Zimmer zugewiesen – und kein Personal ... Sie muss sich allein ankleiden, hat niemanden an ihrer Seite. Bis sie Martha, ein junges Dienstmädchen, kennen lernt, die sich über Marys Herrschaftsallüren eher amüsiert als ärgert. Mary fasst Vertrauen zu Martha, lässt sich einweisen in das dunkle Gemäuer, das sie furchtlos betrachtet. Sie wandert trotz Verbots durch die Räume, durch die Landschaft, die das Haus umgibt, und entdeckt verborgen hinter Hecken einen verwilderten Garten, findet auch den Schlüssel dazu. Marthas Bruder Dickon, ein naturverbundener Junge, der die Tiere kennt wie die Pflanzen, wird ihr Komplize und Spielgefährte. Sie bringen Leben in den geheimen Garten.

Abends hört Mary immer wieder klagende Laute, die durch das Gemäuer anschwellen und wieder abebben. Neugierig geht sie ihnen nach, kommt in ein verdunkeltes Zimmer, in dem sich ein Junge ihres Alters voller Pein im Bett windet. Mary erfährt, dass es ihr kranker Cousin Colin ist, der nicht laufen kann, nicht ans Licht darf und überhaupt hypersensibel reagiert auf alles, was von außen kommt. Sie akzeptiert seine Empfindlichkeit nicht, setzt sich über alle Verbote hinweg und nimmt ihn mit hinaus in den Garten. Mittlerweile ist der Onkel eingetroffen, ein langhaariger, verzweifelter, wunderlicher Mensch, der Mary nur einmal kurz anschaut, um sich dann schmerzgebeugt abzuwenden, erinnert sie ihn doch zu sehr an seine verstorbene Frau, der Schwester von Marys Mutter. Die drei Kinder werden Freunde, verbringen den Tag in dem verwunschenen Garten, der ebenso erblüht wie der blasse Colin. Das Geheimnis dieses gemiedenen Ortes hat Mary durch Stöbern in den Fotoalben gelüftet: Hier war der Onkel mit seiner Frau unendlich glücklich. Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Der rastlose Onkel kommt erneut zurück, findet seinen angeblich unheilbar kranken Sohn glückstrahlend mit Mary und Dickon im geheimen Garten. Sein Herz wird weich und liebevoll, ebenso das von Mrs. Medlock. Und das Leben wird wieder schön.

Agnieszka Holland, eigenwillige polnische Regisseurin, hat diese märchenhafte Geschichte unheilvoll wie farbenprächtig inszeniert, mit dramatischer, oft in den Vordergrund drängender Musik, mit Kamerafahrten, die an "Shining" erinnern, jedenfalls den erwachsenen Zuschauer, der eigentlich immer darauf gefasst ist, dass der Film in das Horror-Genre gleitet. Tut er aber nicht. Er bleibt konsequent bei Mary (die zehnjährige Kate Maberly verkörpert, was sie spielt) und den anderen Kindern, die sich vom Unheimlichen nicht lähmen lassen, sondern im Gegenteil daraus Stärke und Kraft entwickeln, die durch ihre Freundschaft die düstere und leidvolle Welt der Erwachsenen verändern. Zusätzlich wird die Kraft der Natur beschworen, des toten Gartens, der im Frühling zu einem Paradies erblüht, der Vögelchen und Lämmlein, Häschen und Eichhörnchen, die mit den Kindern zu kommunizieren scheinen. Im Mitarbeiterstab waren für diese Elemente bekannte Spezialisten für Flora und Fauna engagiert, die schon in "Greystoke", "Indiana Jones" und "Gorillas im Nebel" ihr Bestes auf diesem Gebiet gegeben haben.

Alles in allem ein ungewöhnlicher Film, der Kinder wie Erwachsene in seinen Bann zieht und der wohl eher die Erwachsenen etwas verwirrt entlässt als die Kinder.

P.S.: Es ist übrigens die dritte Verfilmung des 1911 erschienenen Buches "The Secret Garden". Die erste stammt aus dem Jahr 1949 (Regie: Fred M. Wilcox), 1987 entstand (unter der Regie von Alan Grint) eine TV-Version des Stoffes.

Gudrun Lukasz-Aden

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DER GEHEIME GARTEN im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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