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Ausgabe 88-4/2001

"Tainah – Ein Abenteuer am Amazonas"

(Hintergrund zum Film TAINAH – EIN ABENTEUER AM AMAZONAS)

Dokumentation der Filmvorführung am 30.06.2001 auf dem 19. Kinderfilmfest München

Inhalt

Tainah, ein achtjähriges Indianermädchen, lebt zusammen mit ihrem Großvater inmitten des Amazonasgebietes. Doch die anfängliche, für europäische Augen fremdartige und faszinierende Naturidylle wird schnell durch Wildfänger gestört, die in Tainahs Umgebung Jagd auf exotische und seltene Tierarten machen. Als Tainah mehrfach die Fallen der Jäger zerstört und ein gefangenes Äffchen befreit, entkommt sie nur knapp ihren Häschern. Nachdem die finster dreinschauenden aber äußerst trotteligen Wildfänger ihre Arbeit auch sonst nicht zufriedenstellend erfüllen, entschließt sich deren Auftraggeberin Miss Meg, zusammen mit ihrem Assistenten das sterile Tierforschungslabor zu verlassen, um in die unerschlossenen Weiten des Amazonas aufzubrechen.

Tainah dagegen muss den Tod des Großvaters erleben, dessen Seele nach ihrem Stammesglauben jedoch auf die Tiere und Pflanzen des Urwaldes übergeht. Durchdrungen von dieser Erkenntnis, die ihr Mut und Sicherheit gibt und begleitet von dem kleinen Äffchen, macht sich Tainah auf, den Urwald und seine Tiere vor der skrupellosen Miss Meg und ihren Gehilfen zu verteidigen. Beistand erhält Tainah von Rudi, einem Wasserflugzeugpiloten, der Wissenschaftlerin Isabel und deren Sohn Joninho. Mit Tainahs Hilfe überwindet Joninho seine Abneigungen und Ängstlichkeiten gegenüber der unberührten Natur und gemeinsam durchbrechen sie nicht nur einmal ihre eigenen Grenzen, um den profitgierigen Wilddieben das Handwerk zu legen ...

Reaktionen der Kinder während der Vorführung

Der Film, der die Kinder von Beginn an mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen in eine für sie fremde Umgebung mitnimmt, hat sie schnell verzaubert. Besonders die hervorragenden Tieraufnahmen rufen immer wieder begeisterte Reaktionen hervor.

Auch Tainahs anfängliche Wege durch den Urwald begleiten die Kinder im Kino gespannt und als sie von den Wildfängern verfolgt wird, zeigen sich viele Kinder sehr aufgeregt.

Die Tollpatschigkeit der Jäger, die stark überzeichnet ist und von vielen Slapsticks und witzigen Dialogen untermauert wird, ist auch immer wieder Anlass für Gelächter. Nach den ersten 45 Minuten verliert die Geschichte ein wenig an Tempo und so kehrt im Publikum vorwiegend Ruhe ein.

Als sich der Film dann langsam dem Showdown nähert, gehen die Kinder wieder sehr stark mit der Erzählung mit und sind besonders von dem Jungen fasziniert, der das Wasserflugzeug fliegt.

Obwohl der Film teilweise sehr absehbare Gags einbaut, kommen die Kinder voll auf ihre Kosten und sind nach der Vorstellung sehr heiter gestimmt. Die meisten waren von der Tainah-Darstellerin stark beeindruckt.

Verwendbarkeit des Films für die Kinderkulturarbeit

Obwohl sich der Film in einigen Kategorien sehr stark an den Zutaten des amerikanischen Massenkinos bedient, schafft er es letztlich doch, so manches Anliegen glaubwürdig zu vermitteln. So sind vor allem die Charaktere der beiden Kinder (Tainah und Joninho) differenziert und nachvollziehbar dargestellt. Dies liegt nicht zuletzt auch an der großartigen Darstellerin Eunice Baia als Tainah, die einen von Beginn an mitzureißen weiß. So wird den beiden auch Raum für Unsicherheiten und Angst gegeben, die sie mit Mut und Zusammenhalt überwinden können. Dagegen bleiben die anderen Charaktere, vor allem die der Wildfänger, sehr flach und wirken oftmals ein wenig zu überzeichnet. Daraus lassen sich zwar viele Gags ableiten, dies ist aber auf Dauer nicht ganz so einfallsreich.

Die Geschichte ist im Hinblick auf die Motive der beiden Forscherinnen Miss Meg und Isabel, die beide einen Impfstoff für Affen suchen, etwas undurchsichtig, was aber dem gesamten Verlauf und der Aufmerksamkeit des Publikums keinen Abbruch tut.

Überzeugen kann der Film im Gesamten durch die vielen Aspekte, die er ernsthaft und gleichzeitig spielerisch anspricht. So steht neben dem Kennen lernen fremder Kulturen und Landschaften vor allem die Natur und deren Ausbeutung im Blickfeld von "Tainah". Man kann den Film also durchaus als Umweltabenteuerfilm bezeichnen, der sich anhand der Freundschaft zweier Kinder mit dem Thema beschäftigt, ohne dabei belehrend und aufgesetzt zu wirken.

Hervorzuheben sind auf jeden Fall die Landschafts- und Tieraufnahmen, die durch ihre Einbettung in den Erzählfluss der Geschichte besondere Wirkung erzielen und ausgezeichnet fotografiert sind.

So ist "Tainah" ein heiter gestimmter Abenteuerfilm, der trotz einiger Voraussehbarkeit gute Unterhaltung bietet und dabei auch ernsthaft existierende Probleme anspricht und sicherlich zum Nachdenken über eine globale Umweltproblematik anregt. Dass daraus für junge Zuschauer keine Existenzangst erwächst, zeigten die Reaktionen nach dem Film, die durchweg positiv waren. Sicherlich trug dazu auch das versöhnliche und freudige Ende bei, das aber auch einige Kleinigkeiten offen ließ.

Bei der Abstimmung über den Film stimmten 75 Prozent der Besucher mit sehr gut ab und 25 Prozent mit gut.

Emanuel Socher-Jukic

 

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