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Ausgabe 135-3/2013

"Kinderfilme in Deutschland – Wohin geht die Reise?"

Hintergrund

"Der Ruf nach dem besonderen Kinderfilm ist in der Branche angekommen", fasste Margret Albers, Vorstandssprecherin des Fördervereins Deutscher Kinderfilm, das Ergebnis der Ausschreibung für die Initiative "Der besondere Kinderfilm" zusammen, das im Rahmen des Filmfest München 2013 vorgestellt wurde. Und Peter Dinges (FFA) fügte hinzu: "Mit so einer Resonanz hatten wir nicht gerechnet." Statt der erwarteten 35 Stoff-Vorschläge gingen 108 Bewerbungen ein. Die Initiative, mit der Filmförderer des Bundes und der Länder, öffentlich-rechtliche Fernsehsender sowie Politik und Filmwirtschaft das Ziel verfolgen, anspruchsvolle originäre Kinderfilme ins Kino zu bringen (mit FSK 6), die nicht auf Marken oder Literatur basieren, lockte Kandidaten aus allen Teilen Deutschlands an, zumeist  mit Stoffen, "die auf Augenhöhe ihrer jungen Protagonisten sind und die den Zuschauern Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen", so Albers. Sechs Projekte können mit einem Zuschuss für den Autor von bis zu 20.000 Euro für eine erste Drehbuchfassung plus 5.000 Euro Entwicklungsförderung für den Produzenten rechnen.  Das breite Spektrum ohne pädagogischen Zeigefinger reicht von Themen wie Familie und Freundschaft bis hin zum Umgang mit dem Tod. Bis zur Berlinale 2014 sollen nicht nur "die zwei zur Produktion ausgewählten Projekte gefunden, sondern auch weitere Detailfragen wie die Finanzierung geklärt" werden, stellte Dinges in Aussicht. Und dann sollte der Produktion der bis dahin zu einem Drehbuch entwickelten Filmstoffe nichts mehr im Wege stehen.

Im Anschluss an die Präsentation ging es in einem vom Förderverein Deutscher Kinderfilm initiierten Fachgespräch um "Kinderfilme in Deutschland – Wohin geht die Reise?". Kinobetreiber Matthias Helwig (AG Kino/Gilde) brachte es auf den Punkt: "Es gibt ein Publikum für den Kinderfilm. Aber neben der Großproduktion, die eine Million Euro in die Werbung steckt, wird ein deutscher Film mit nur 25.000 Euro Verleihförderung floppen. Es muss viel Geld in die Hand genommen werden." Das Interesse ist da, aber es fehlen die Mittel, so der Konsens auf dem Panel. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie findet der besondere Kinderfilm seine Zuschauer, wie können Produktion und Kinoauswertung effektiver gestaltet werden? Unter der Moderation von Produzent Philipp Budweg (Deutscher Filmpreis für "Wintertochter") rückte schnell die Vermarktung in den Fokus, die müsse schon in der Drehbuchphase geplant werden. Dazu passt der von der MDM und Telepool ausgelobte Preis für das beste Marketingkonzept in Höhe von 5.000 Euro, der dazu dienen soll, dass frühzeitig Produzenten und Marketingexperten ein Konzept entwickeln können. In der Produktion gebe es kein Patentrezept, konstatierte Tania Reichert-Facilides (bei der Senator Filmproduktion für den Kinder- und Jugendfilmbereich zuständig), wichtig seien ein "Kreativpackage" und eine frühe Vermarktungsstrategie. Tobias Hauke (KiKa), der darauf hinwies, dass es für den prominenten Sendeplatz am Freitagabend an deutschen Kinderfilmen mangele und durch den besonderen Kinderfilm eine  Änderung erwartet, signalisierte aktive Mithilfe wie Einsatz von Trailern oder Geschichten rund um die Dreharbeiten zum Starttermin, um das Interesse wach zu halten. Dinges (FFA) riet, die vorgezogene Verleihförderung zu nutzen, die der Produzent wie einen Gutschein auf den Verleih übertragen könne und die auch mit der vorgezogenen Verleihförderung der MDM zu kombinieren sei, die – so sein Wunsch – auch bei anderen Länderförderungen Berücksichtigung finden sollte. Die FFA arbeite an einem Konzept zur Unterstützung der Verleiher bei dem Herausbringen von Kinderfilmen. Moniert wurde unisono das lange Prozedere bei der Filmförderung, gewünscht wird u. a. eine Bündelung der Gelder und eine nationale Kinderfilmförderung. Oft hakt es in der Praxis an Kleinigkeiten wie zu späte Trailerlieferung oder Schwierigkeiten bei der Vorführplanung. Nach Helwig läuft Seniorenkino um 16.00 Uhr besser als Kinderkino. Bei Schulkinowochen setzten die Lehrer oft auf das Bewährte und Bekannte, das Besondere und Innovative finde kaum Beachtung. Moderator Budweg bemerkte dennoch, es gebe "… Rückenwind. Wir wollen, dass Kinderfilme erfolgreich ins Kino kommen".

Fazit der Veranstaltung: Die Initiative habe etwas ins Rollen gebracht, es gebe einen Schulterschluss zu Sender und Förderung und ein großes Potenzial an Autoren für Original-Stoffe, die Qualität und Unterhaltung verbinden. Über die Vielfalt dürfe man nicht wirtschaftlichen Erfolg und Kontinuität vergessen. Auf keinen Fall dürfe man das eine gegen das andere ausspielen. Denn im deutschen Kinderfilm habe beides seinen Platz – der originäre Kinderfilm und Literaturverfilmungen.
Weitere Informationen: www.der-besondere-kinderfilm.de

Margret Köhler

Die "besonderen Kinderfilme 2013/14"
Vorstellung der sechs Projekte, die von einer elfköpfigen Jury aus 108 Bewerbungen für die Förderinitiative "Der besondere Kinderfilm" ausgewählt und im Rahmen eines Pressegesprächs am 3. Juli beim Filmfest München bekannt gegeben wurden, siehe Website der Initiative.

Pressekontakt/Information: Katja Imhof-Staßny
c/o Förderverein Deutscher Kinderfilm e.V.
Anger 37, 99084 Erfurt, Tel. 0361-6638618
presse@der-besondere-kinderfilm.de

 

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