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Ausgabe 17-1/1984

"Doktor Dolittle und seine Tiere"

Vom Buch zum Film

(Hintergrund zum Film DR. DOLITTLE)

Eigentlich braucht man ihn nicht vorzustellen, denn die ganze Welt kennt und liebt ihn: Doktor Johann Dolittle aus der englischen Kleinstadt Puddleby, der seine Praxis als Menschenarzt aufgab, um nur noch Tierarzt zu sein. Den Doktor samt den vielen lustig-tiefsinnigen Geschichten hat Hugh Lofting erfunden. Zur Altersstufe bemerkt der Verfasser: "Allen Kindern, Kindern den Jahren und Kindern dem Herzen nach, widme ich dieses Buch."

Lotte Reiniger kannte Lofting und sie liebte seine Geschichten mit den gezeichneten Illustrationen. Die Umrisse des kleinen rundlichen Doktors mit dem Zylinderhut, seiner Tiere, des Segelschiffes usw. übernimmt sie für ihren Film. Es macht Spaß, dies alles im Einzelnen zu vergleichen und es leuchtet ein, dass Lotte Reiniger mit dem Doktor und den Hauptakteuren unter seinen Tieren eine ganze Filmserie plante. Finanzielle Gründe machten diesen für die 20er-Jahre kühnen Plan zunichte. Es blieb bei den heute noch verfügbaren drei Teilen.

Die drei Dolittle-Filme

1. Abenteuer: DIE REISE NACH AFRIKA

In einem Haus an der Küste lebt der Doktor Dolittle zusammen mit einem Affen, einem Hündchen, einem Schweinchen, einem Krokodil, einer Ente und einem Papagei. Er kennt die Sprache der Tiere und kuriert ein Pferd auf seine Weise. Aber mit einem Schlag verändert sich das geruhsam-friedliche Zusammenleben. Eine Schwalbe berichtet von einer schlimmen Affenkrankheit im fernen Afrika. Was tun? Wie hinkommen? Auf einem Spaziergang spielt ihm der Zufall ein Segelschiff zu. Mit Sack und Pack und allen Tieren besteigt der Doktor das Schiff, und es beginnt die abenteuerlich-lustige Überfahrt nach Afrika. Zuguterletzt kommt ein Seesturm auf und das Schiff zerschellt an Afrikas Klippen. Aber nur keine Angst: Alle überstehen die Katastrophe und retten sich aufs Land – sogar des Doktors Zylinderhut.

2. Abenteuer: DR. DOLITTLE IN GEFAHR

Unterwegs ins Land der Affen erlebt der Doktor mit seinen Tieren eine böse Überraschung. Eingeborene nehmen sie gefangen und bringen sie hinter Schloss und Riegel. Nur der Papagei kann entkommen. In hinterlistiger Absicht lässt er sich mit dem Häuptlingssohn auf ein Tennisspiel ein und verhilft den Eingesperrten zur Flucht. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Am Abgrund einer tiefen Schlucht scheint plötzlich alles verloren. Aber da sind im richtigen Augenblick die Affen zur Stelle, die eine lebende Hängebrücke über die Schlucht bilden. So kann der Doktor mit seinen Tieren entkommen.

3. Abenteuer: IN DER HÖHLE DES LÖWEN

Endlich sind sie im Land der Affen, wo Tausende von Gorillas, Orang-Utans, Paviane und Klammeraffen auf ärztliche Hilfe warten. Aber wie soll ein einzelner Doktor das schaffen? Ein Glück, dass die Tiere der Wüste tatkräftig mithelfen wollen. Genau das missfällt dem Löwen, dem König der Tiere, der seinen Schwanz majestätisch als Schleppe trägt. Laut brüllend verscheucht er die Helfer. Erst als das Löwenkind sich einen Dorn in den Fuß tritt und ärztlicher Hilfe bedarf, wendet sich alles zum Guten. Der Löwe wird zum ergebensten Diener und Helfer des Doktors. Alle Tiere kehren an die Arbeit zurück und rücken der Affenkrankheit zu Leibe. Das Hilfswerk gelingt. Die Tiere führen Freudentänze auf.

Was man vor oder nach dem Film machen kann

Die Dolittle-Filme sind so schön und voller Bildwitz, dass man sie vor allem ein zweites und drittes Mal ansehen sollte. Dies führt zu immer tieferem Verstehen und zu sich steigerndem Vergnügen. Es ist schon eindrucksvoll, wie sich die eigene Wahrnehmung fortlaufend erweitert. Immer neue Details werden entdeckt und spannungsvoll erwartet.

Weiter bietet sich der Vergleich mit dem Buch an. Welche Geschichten und Illustrationen hat Lotte Reiniger ausgewählt? Inwieweit und warum hat sie diese abgewandelt? Ergänzendes Lesen und Erzählen kann schließlich hinführen zum Erfinden eigener Fortsetzungsgeschichten ...

Schließlich ist noch der große Problemkreis des Umgangs mit Tieren. Aufgrund eigener Erfahrungen kann man ins Gespräch kommen über die Bedeutung der Tiere für uns, über die mögliche Verständigung mit ihnen usw. Ein Besuch im Zoo könnte dies ergänzen: Wie verhalten sich diese Tiere? Wie bewegen sie sich? Und damit wären die Zuschauer in der Position Lotte Reinigers, die unermüdlich Tierstudien betrieben hat.

Ewald Heller

Nachdruck aus: Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz 1/84 – Projekt "Zur Wiederentdeckung der Silhouettenfilme von Lotte Reiniger"

 

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