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Ausgabe 135-3/2013

"Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte"

Ideen für die pädagogische Arbeit

(Hintergrund zum Film DAS MÄRCHEN VON DER PRINZESSIN, DIE UNBEDINGT IN EINEM MÄRCHEN VORKOMMEN WOLLTE)

- Ein tautologischer Ansatz im Filmtitel, der schon im gleichnamigen Buch von Susanne Straßer seinen Ausgangspunkt hat. Erzählt wird von Clara, die jüngere zweier Schwestern in einem kleinen Märchenkönigreich mit
* kleinerer Krone
* mit ungelenkem Auftreten und
* keinen königlichen Talenten, wie sie die ältere Schwester Quendolin als anerkannte Thronfolgerin besitzt.
Clara ist die nicht beachtete Außenseiterin auf dem Königshof, was den Vorteil hat, dass sie sich ab und zu unbemerkt hinausschleichen kann, um barfüßig die Natur zu entdecken und um sich allein mit ihrem einzigen Freund, dem Hofnarren Michel, zu unterhalten. Trotzdem ist sie unglücklich und rennt dem Klischee "Märchenprinzessin" hinterher. Sie wird auf dem Dachboden in einem vergessenen Märchenbuch fündig – eine für sie reale Abenteuerreise in die Bücherwelt bekannter Grimmscher Märchen beginnt. Der liebevoll ausgestattete Kinderfilm von Steffen Zacke ist für die jüngsten Filmzuschauer bis 9 Jahre gedacht.

Die Protagonistin Clara strahlt Unvollkommenheit und Normalität aus, so dass sich viele Kinder mit ihr identifizieren können, auch wenn das Spiel der Hauptdarstellerin einige Wünsche offen lässt. Clara ist auf der Suche nach ihrer Bestimmung, will den üblichen Erwartungen entsprechen. Sie erkennt erst nach und nach, was und wie sie eigentlich sein und von ihrer Umgebung akzeptiert werden möchte. Im Hofnarren Michel hat sie einen treuen, aber nicht bedingungslos ergebenen erwachsenen Freund mit kindlicher Seele.

Einfache Animationen unterstützen die kurz erzählten Märchen wie die Geschichten vom Froschkönig, Rotkäppchen, Rapunzel, Dornröschen oder Hänsel und Gretel. Der naive Einstieg ermöglicht, Symboliken des Genres Märchen zu entdecken bzw. Alltagsbezogenheit herzustellen. Wenn Clara, die Märchenfilmheldin zum Beispiel allerhand Frösche küsst und meint, damit einen Prinzen zu finden, erlebt sie nicht nur, dass da manchmal ein verzaubertes Huhn herauskommt, sondern es offensichtlich eine Sackgasse ist und andere Hürden zu überwinden sind, den Richtigen zu finden. Es reicht auch nicht, einen langen Zopf aus einem Fenster hängen zu lassen. Clara fehlt das Schicksal von Rapunzel. So wird das lange Haar nicht zum Symbol eines Auswegs, sondern verhilft Michel nur ungewollt zur Glatze.

Die Sequenzen zum Märchen "Rotkäppchen und der Wolf" lösen durch ihre Bild- und Tongestaltung eine besondere dramatische Stimmung aus und entsprechen der emotionalen Erwartungshaltung, die Kinder in jüngerem Alter mit diesem Märchen verbinden, ohne das Gruseln zu lehren. Der einfache Aufbau der Geschichten, die episodenhafte, bilderbuchartige Erzählweise mit kurzen Handlungssträngen, die der Buchvorlage folgen, kommt den angesprochenen Zuschauern entgegen. Das klassische Genre Märchenbuch wird in geeigneter medialer Form vorgestellt.

Ideen für die pädagogische Arbeit
Eine Anregung zur Vorbereitung auf den Kinobesuch:
Mit den Ohren Märchen entdecken und spielen (Märchentexte lesen, den Sinn erfassen, in Gesten und Bewegungen umsetzen und/oder mit Zeichnungen bebildern)
1. Den Beginn eines ausgewählten Märchentextes vorlesen.
2. Den Text zum zweiten Mal lesen; jedes Kind merkt sich nur drei Worte, die besonders ansprechen.
3. Den Märchentext zum dritten Mal lesen und dazu Gesten und Bewegungen überlegen und vorstellen.
Beispiel: Froschkönig oder Der eiserne Heinrich
"In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die jüngste war so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien …“ (Grimms Hausmärchen)
Drei Worte zur Textstelle: Wünschen, König, schön
Umschreibung möglicher Gesten und Bewegungen: schreiten, verwundert sein, sich sonnen, sich als Schöne bewegen usw.
1. Bilder, die die Situation widerspiegeln, zeichnen und ausstellen.
2. Aus den gesammelten Gesten, Bewegungen und visuellen Ideen in Kleingruppen kleine Szenen entwickeln und präsentieren.
Jede Gruppe wird feststellen, dass sie mit dem gleichen Ausgangsmaterial unterschiedliche Darstellungen entwickelt hat. Jeder Mensch hat seine unverwechselbare Wahrnehmung auf Dinge und Ereignisse – alles ist möglich.
Die Leseprobe auf der Homepage zum Film ist zum Vergleichen von Buchvorlage und Filminterpretation ebenfalls sehr nützlich.

Der digital animierte Schmetterling, der Clara immer dann begleitet, wenn sie ihre Freiheit von allem Prinzessinnenkram sucht, lädt die jungen Zuschauer ein, diese Sequenzen in allen Details zu betrachten und aufzunehmen – auf diese Weise wird konkret-bildhaftes Denken angeregt.
Impulsfragen sind als Gesprächseinstieg nach dem Kinobesuch denkbar und erhöhen die Aufmerksamkeit beim Sehen, zum Beispiel:
Was entdeckt Clara alles am Bach?
Welche anderen Orte liebt Clara besonders?
Was möchte sie mit den Fröschen machen, die ihr Vater zum Essen gern hat?
Wie groß ist das Königreich, in dem Clara lebt? Was ist davon als Filmbild zu sehen?
Welche Rolle spielt der Schmetterling für Clara?

Der Film ist für die pädagogische Arbeit in der Vor- und Grundschule trotz einiger Schwächen in der Spielführung und Dramaturgie durchaus zu empfehlen und erschöpft sich nicht nur darin, den Begriff Slapstick zu erklären. Er bietet für das Erlernen filmsprachlicher Begriffe Einblicke in Kameraperspektiven und Bildeinstellungen. Genügend Filmstills für die Bildbetrachtung stehen auf der Homepage zum Film www.prinzessin-film.de als Download zur Verfügung. Den jüngsten Zuschauern wird außerdem gezeigt, wie die musikalische Begleitung im Film bestimmte Emotionen weckt. Das Lied von Maite Kelly im gestalteten Abspann mit Filmbildern unterstreicht die Botschaft des Films (Sei du selbst!).
Informationen und weitere Materialien des Verleihs: www.prinzessin-film.de

Regine Jabin

 

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