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Ausgabe 58-2/1994

SANDRA, C'EST LA VIE

Produktion: Télévision Suisse / GAUMONT Télévision, Schweiz / Frankreich 1992 – Regie: Dominique Othenin-Girard – Buch: Denise Fusco – Kamera: Jacky Mahrer – Schnitt: Michel Kharat – Musik: Béatrice Lapp – Darsteller: Lisa Fusco, Imogen Stubbs, Jean-Philippe Ecoffey u. a. – Länge: 100 Min. – Farbe – Weltvertrieb: GAUMONT TV, Paris – Altersempfehlung: ab 14 J.

Die 16-jährige Sandra wartet am Ende des Schuljahres vergeblich auf ihre Mutter, die zur Abschlussparty kommen sollte. Aus Trotz flüchtet sie mit ihrem gleichaltrigen Kameraden Marcel, der ebenfalls am Down-Syndrom leidet, aus dem Internat. Ein freundlicher Maler, den sie auf einem nahe gelegenen Hausboot kennen lernen, bringt sie nach kurzer Zeit zurück. Dennoch muss das Mädchen das Internat, in dem sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat, nun endgültig verlassen. Sandra soll bei ihrer 32-jährigen Mutter Marie leben, die sich jedoch nicht zu ihr bekennen will. Seit der ungewollten Schwangerschaft mit 16 Jahren wird Marie von Schuldgefühlen geplagt, weil sie das behinderte Kind in die Obhut ihrer Mutter abgeschoben hat. Ihrem Lebensgefährten Fred gegenüber gibt sie Sandra kurzerhand als Schwester aus. Weil Marie ihr verbietet, die Wohnung zu verlassen oder ans Telefon zu gehen, sehnt sich Sandra schnell wieder zur vertrauten Schule zurück. Die latenten Konflikte eskalieren, als der jähzornige Fred sie mehrmals beleidigt und schließlich misshandelt. Als dann auch Marie eines Nachts die Nerven verliert, reißt das verzweifelte Mädchen aus.

Zuflucht findet sie bei dem Maler, der sich rührend um sie kümmert und damit seine sensible Verlobte verärgert. Doch Sandra überwindet mit ihrem naiven Charme deren Widerstand und löst eine befreiende Aussprache des Paares aus. Die beunruhigte Marie wird sich unterdessen bei der Suche nach der Tochter bewusst, wie oberflächlich ihre Beziehung zu Fred ist. Nach einem handgreiflichen Streit wirft sie ihn aus der Wohnung und trifft nach einem Anruf des Malers endlich auch Sandra wieder.

Beim 11. Essener Kinderfilmfestival wurde der Film des Schweizer Regisseurs Dominique Othenin-Girard im Herbst 1993 gleich doppelt ausgezeichnet. Von der Erwachsenenjury erhielt er den Kinderfilmpreis der Stadt Essen und von der Schulklassenjury den Europapreis für Völkerverständigung. Die jungen Juroren lobten vor allem, dass man sich durch die "sehr glaubwürdig erzählte Geschichte sehr gut in die Probleme einer Außenseiterin hineinversetzen" kann. Die Erwachsenen fanden insbesondere die schauspielerische Leistung von Lisa Fusco überzeugend, "die die Rolle der Sandra anrührend und humorvoll gestaltet".

Das Drehbuch schrieb die Amerikanerin Denise Fusco, die mit dem Regisseur verheiratet ist. Sie hat darin autobiografische Erfahrungen verarbeitet; schließlich ist die Hauptdarstellerin, die selbst unter dem Down-Syndrom leidet, ihre Schwester. Die Autorin legte gerade deshalb nach eigenen Angaben großen Wert darauf, die häufigen Klischees vom bedauernswerten Opfer einer schrecklichen Behinderung möglichst zu vermeiden. Das ist ihr auch im Großen und Ganzen gelungen. Sandra zum Beispiel besitzt neben Stärken auch Schwächen wie jedes andere Mädchen auch. Als Fred sie etwa mit dem Geschirrspülen beauftragt, macht sie sich erst nur widerwillig an die Arbeit und lässt dann auch noch Essensreste auf Tellern und Messern.

Weniger geglückt ist dagegen die Figur des Fred, der zu eindimensional als rücksichtsloser und brutaler Macho charakterisiert wird. Etwas unvermittelt wirkt auch die Bekehrung der zunächst so egoistisch wirkenden Marie. Trotz solcher Mängel und einer stellenweise zu hektischen Kameraführung hat es die schweizerisch-französische Koproduktion allemal verdient, einen deutschen Verleiher zu finden. Gerade "in Zeiten der Gewalt gegenüber Minderheiten" erhält ein Film, der "die Botschaft von Toleranz und Humanismus vermittelt", wie die Essener Erwachsenenjuroren erklärten, besonderes Gewicht.

Reinhard Kleber

 

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