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Ausgabe 90-2/2002

LOST AND DELIRIOUS

Produktion: Cité-Amerique Dummett Film; Kanada 2001 – Regie: Léa Pool – Buch: Judith Thompson – Kamera: Pierre Gill – Schnitt: Gaétan Huot – Musik: Yves Chamberland – Darsteller: Piper Pearbo, Jessica Paré, Mischa Barton, Jackie Burroughs – Länge: 100 Min. – Farbe – Weltvertrieb: TF1 International, 125, rue Jean-Jacques Rousseau, F-92138 Issy-les-Moulineaux, Tel. 0033-4141 1504, Fax 0033-4141 3144 – Altersempfehlung: ab 16 J.

Teenager Mary hat den Tod ihrer Mutter immer noch nicht verarbeitet, als ihr Vater und seine "Neue" sie auf ein renommiertes Mädcheninternat schicken. Hier fühlt sie sich zunächst einmal verloren, schließt jedoch bald Freundschaft mit ihren Zimmergenossinnen Paulie und Tory. Paulie ist ein ungebärdiges punkiges Mädchen, während Tory schon fast wie eine weltgewandte junge Frau wirkt. Und sie sind ein Liebespaar, wie Mary alsbald feststellen muss. Doch was für die vielleicht wirklich lesbische Paulie die große Liebe ist, ist für Tory eher ein Abenteuer. Und als sie sich zwischen ihren Eltern (und damit einer vor allem auch materiell gesicherten Zukunft) und Paulie entscheiden muss, lässt sie Paulie mit der ganzen Kaltherzigkeit, zu der junge Menschen fähig sind, links liegen. Diese Trennung zerstört Paulie. Sie ergeht sich in wilden Rachephantasien, spioniert ihrer Geliebten hinterher und fordert am Ende sogar deren neuen Freund zum Duell mit echten Degen. Das kann nicht gut enden: Schließlich begeht sie vor aller Augen Selbstmord und verwandelt sich beim Sturz vom Dach (vielleicht ja auch nur in Marys Augen) in eine Eule und schwebt davon.

Léa Pools Film ist eine intensiv gespielte, letztlich aber unbefriedigende Studie einer lesbischen Liebe. So mutig und offen, wie sie diese (auch sexuelle) Beziehung schildert, so unentschieden der Fokus ihrer Geschichte. Es beginnt als Marys Geschichte und wird plötzlich zu der von Paulie und Tory, wobei Mary nur noch den Part der Beobachterin spielt. Dabei dringt sie durchaus unterschiedlich tief in ihre Figuren ein. Mary ist mehr Statistin in diesem Geschehen, Tory hat die Rolle der kaltherzigen Karrieristin, die nicht bereit ist, ihre Liebe zu leben und für sie zu kämpfen; wenn ihre Kaltherzigkeit auch durch ihre Jugend entschuldigt ist und sie vielleicht wirklich nicht weiß, was sie ihrer Freundin antut. Einzig über Paulis Charakter erfahren wir mehr. All das wird jedoch durch den letztlich etwas schwachsinnigen Schluss getrübt. Denn dass jetzt auf einmal magische Elemente in die bis dahin streng realistische Geschichte einfließen, ist weder hergeleitet noch nachvollziehbar und zerstört, was der Film so lange aufgebaut hat.

Schade, denn intensive und dabei stimmige Filme über jugendliche Homosexuelle (zudem auch noch junge Frauen) sind wirklich rar gesät im Kino unserer ach so aufgeklärten Tage. Dabei hat der Film gerade in der Schilderung dieser innigen Liebe seine stärksten Momente.

Lutz Gräfe

 

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KJK-Ausgabe 90/2002

 

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