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Ausgabe 91-3/2002

LILO & STITCH

Produktion: Walt Disney Animation; USA 2002 – Regie und Buch: Chris Sanders, Dean Deblois – Musik: Alan Silvestri – Länge: 84 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Buena Vista (35mm) – Alterseignung: ab 10 J.

Es beginnt in einer fernen Galaxis. Bei einer Gerichtsverhandlung soll geklärt werden, was für ein genmanipuliertes Wesen der verrückte Professor erzeugt hat. In der Tat ist sein Experiment 626 ein übermäßig starkes, nahezu unzerstörbares und vor allem böses Wesen. Einzig gegen Wasser ist es nicht gefeit. Dieses blaue Vieh, das aussieht wie eine Mischung aus Koalabär, Ameise und Hund soll folglich "entsorgt" werden. Aber das Wesen ist raffinierter als die technologiegläubigen Aliens. Es kann sich befreien und in einer Polizeirakete entkommen. Sein zufällig angesteuertes Ziel ist Hawaii.

Dort lebt die kleine Lilo, die – das wird schnell klar – Probleme hat. Mit ihren Mitschülerinnen, mit der Schule, mit ihrer großen Schwester Nani und mit der Sozialfürsorge, die überprüfen will, ob man Lilo der Aufsicht der großen Schwester entziehen und in ein Heim stecken soll. In diese Situation hinein gerät Nummer 626. Nach seiner Bruchlandung geschwächt, ist er in ein Tierheim eingeliefert worden. Lilo gelobt ihrer Schwester Besserung, wenn sie einen Hund bekommt. Nr. 626 merkt, dass er von seinem Schöpfer und dessen Aufpasser verfolgt wird, zieht zwei seiner Arme und sämtliche Stacheln ein und tut, als wäre er ein Hund, um von Lilo gekauft und mitgenommen zu werden. Denn er weiß, dass er bei den Menschen vor den außerirdischen Verfolgern einigermaßen sicher ist. Lilo nennt ihren "Hund" Stitch. Sie spürt von Anfang an eine geistige Verwandtschaft mit dem ungewöhnlichen Wesen. In der Tat ist Stitch nicht minder schwierig als Lilo. Er mag auf Anhieb Presleys Musik, die auch Lilo begeistert. Und er sorgt für Chaos im Übermaß. Das bringt Nani um jede Stelle, die sie annehmen will, um für ihre Schwester sorgen zu können. Aber ein Wandel kündigt sich an. Der lernbegierige Stitch entdeckt ein Bilderbuch mit der Geschichte vom hässlichen Entlein. Und er kommt dem Geheimnis von Lilos Problemen auf die Spur.

Bei allen Widrigkeiten, die sich dem Zusammenbleiben in den Weg stellen, betonen Nani und Lilo jedoch den Wert von "Ohana", was Hawaiianisch ist und Familie heißt. Und das bedeutet, dass man füreinander da ist und – wie es leider nur im Original heißt – "nobody gets left behind", also niemand allein zurückgelassen wird, dass keiner auf der Strecke bleibt. Das beginnt Stitch zu gefallen. Als erste "gute" Tat will er Lilo verlassen, um deren durch ihn verursachte Probleme zu lösen. Er fügt sich opferbereit in sein Schicksal. Aber dann kommt alles ganz anders.

Dieser Disney-Film ist natürlich wieder einmal technisch brillant gestaltet. Die Computertechnologie kommt zu ihrem Recht, aber dennoch wirkt der Film, nicht zuletzt dank der aquarelligen Hintergründe und der stilisierten Darstellung der Menschen, "handgemachter", menschlicher, familienfreundlicher. Der Film hat schon von der optischen Anmutung her einen gewissen Charme. Hinzu kommt die familienfreundliche Geschichte, die Betonung des Zusammenhalts trotz widriger Umstände, wobei letztere in Disneyfilmen selten so deutlich angesprochen worden sind wie hier. Auch der Wandel des angeblich absolut bösen Wesens unter dem Einfluss des guten Vorbilds wird logisch und konsequent humorvoll geschildert. Interessant auch, wie deutlich hier der Selbstfindungsprozess, der Weg zum eigenen Ich und zum schützenden Wir in der Familie geschildert wird. Dieser Weg zur Persönlichkeit wird in drei Parallelsträngen geschildert: bei Stitch, bei Lilo und beim hässlichen Entlein, dessen Geschichte auf zwei Bilder reduziert wird, weil man es als bekannt voraussetzt. Fazit: "Lilo & Stitch" setzt auf die Themen Ich-Findung und Familie, verbindet sie mit einer spannenden und humorvollen Handlung und macht sich nebenbei andeutungsweise über den Touristenrummel und das verfälschte Hawaii, das man den Touristen bietet, lustig.

Die durchaus positive Bewertung dieses Films muss man für die deutsche Fassung – leider – etwas einschränken. Das beginnt schon damit, dass man, aus welchen Gründen auch immer (angeblich, um die Verfolgungsjagd im letzten Filmdrittel abzukürzen) den Running Gag mit dem fetten Touristen, dem immer das Pistazieneis aus der Waffel fällt, in der zweiten Hälfte des Films weggelassen hat, obwohl er zum Zusammenhalt der Geschichte ebenso beiträgt wie der zweimal auftauchende Frosch auf der Landstraße. Schwerer aber wiegt, dass man die Selbstfindung Stitchs im "hässlichen Entlein" verwässert hat, indem das ursprüngliche "Who am I?" in der Entlein-Geschichte in der deutschen Fassung zu "Wo bin ich?" abgeändert wurde, um nicht zu früh Stitchs limitierte Sprachmöglichkeiten hochzustilisieren. Auch die Betonung des Ohana ist in der deutschen Fassung abgeschliffen und sogar der Seitenhieb auf den Touristenrummel ist fast bis zur Unkenntlichkeit abgemildert. Gewiss, gerade diesen Film einzudeutschen war schwierig. Aber dass dabei der Film doch so stark an Charakter einbüßt, war überraschend. Daher bevorzuge ich persönlich bei diesem Film unbedingt die Originalfassung, während Kinder auch mit der Synchronfassung glücklich zu machen sind, zumal die schönen, einfühlsamen Bilder eigentlich nicht wirklich ruiniert werden können.

Wolfgang J. Fuchs

 

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