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Ausgabe 91-3/2002

MUTANTEN

Produktion: Egoli Tossell Film Berlin / ZDF / Euroarts Entertainment / Les Films de l'observatoire; Deutschland / Frankreich 2001 – Regie und Buch: Katalin Gödrös – Kamera: Sebastian Edschmid – Schnitt: Uta Schmidt – Musik: Turner – Darsteller: Karoline Teska (Paula), Jacob Matschenz (Jens), Sabine Timoteo (Charlotte), Peter Lohmeyer (Vater Paula), Barbara Philipp (Mutter Paula) u. a. – Länge: 82 Min. – Farbe – Verleih: offen – Weltvertrieb: EuroArts Entertainment Distribution, 14199 Berlin – Altersempfehlung: ab 12 J.

Ein weiterer Film im Ensemble neuer Produktionen, die mit innovativen Arbeiten für frischen Wind in der deutschen Filmlandschaft sorgen und zu Recht den aktuellen 'jungen deutschen Film' repräsentieren. Auch "Mutanten" ist ein Erstlings-Spielfilm. Katalin Gödrös, geb. 1969 in Zürich, studierte von 1992 bis 1996 an der Filmhochschule in Budapest. Sie drehte Kurzfilme in eigener Regie und war u. a. auch als Produzentin und Produktionsleiterin tätig.

"Mutanten" entstand in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Filmakademie und spielt – wie viele vergleichbare Filme aus den letzten Jahren – ebenfalls in der deutschen Provinz. Mit dem Alltagsleben dort kann die 13-jährige Paula allerdings wenig anfangen. Mit ihrer Mutter lebt sie in einer gepflegten Kleinstadtsiedlung, umgeben von netten Nachbarn. Alles ist scheinbar in Ordnung, aber nicht für Paula. Mit ihrem durch umfangreiche Horrorfilmstudien geschärften Blick bemerkt sie als Einzige die drohende Gefahr: Außerirdische infiltrieren die Menschheit und verwandeln die Erdbewohner in einfältige, emotionslose und freundliche Wesen. Auch ihre nächste Umgebung ist bereits betroffen. Wie sonst soll sie sich die schlechten Witze und die unbeholfene Konversation ihres Vaters erklären?

Aber da ist einer, der den Außerirdischen noch nicht zum Opfer gefallen zu sein scheint: Jens. Zuerst hatte sie ihn beim Klauen im Supermarkt beobachtet, später ist er ihr im Schwimmbad aufgefallen. Dort arbeitet er – eine Resozialisierungsmaßnahme, wie Paulas Freundin Melanie zu berichten weiß. Jens ist wütend und verschlossen, und das fasziniert Paula. Sie findet heraus, dass Jens' Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, und sucht eine Möglichkeit, mit ihm in Kontakt zu treten. Aber Jens hat anderes im Kopf als Paulas Spleen. Er ist im Begriff, mit einem gestohlenen Kleintransporter durchzubrennen. Kurz entschlossen springt Paula in den Wagen und fährt mit. Jens will nach Frankreich zu der Stelle, wo seine Eltern starben. Auf der Reise wird das Paar nicht nur vor faktische, sondern auch emotionale Probleme gestellt, da Jens sich auf die flotte Ausreißerin Charlotte einlässt und Paulas Gefühle brüskiert. Am Ende wird Jens erkennen, dass man Seelenfrieden nicht so einfach erreicht wie einen Ort auf der Landkarte, und Paula, dass die Rettung der Welt vielleicht noch Zeit hat.

Die Invasion der Körperfresser hat stattgefunden. Aliens haben mittelständische, vorstädtische Reihenhausbewohner mit dem allwöchentlichen Autowaschzwang in debil grinsende Nachbarn verwandelt, die teilnahms- und emotionslos eine Scheinexistenz führen. Alles bleibt an der Oberfläche, nichts geht in die Tiefe. Ein zufriedenes Völkchen von Steuerzahlern und Konsumenten. Nur Paula hat sie durchschaut. Irgendwie dringen unbekannte Viren nachts in menschliche Körper ein. Ihr Gegenmittel: Augen auf, wach bleiben, sich stündlich wecken zu lassen, sich nicht dem Schlaf (der Ruhe!) hingeben.

In diesen ersten Kontakten zwischen der Protagonistin und uns geht es nicht darum, wie Paula auf uns wirkt, sondern darum, was sie von uns hält. Ihre Wahrnehmungen und Interpretationen sind entscheidend für den weiteren Verlauf und den Gehalt des Films. Und deshalb ist es ratsam, von Anfang an genau hinzuschauen, die Perspektive zu wechseln und uns mit ihren Augen zu sehen. Zunächst glaubt man ihr noch nicht so recht, wenn sie überall Mutanten ausmacht. Doch wenn wir, die Zuschauer, genauer hinsehen, dann entdecken wir sie auch. Zuerst nur auf der Leinwand; später, wenn wir das Kino verlassen haben und uns im gewohnten Alltag bewegen, spüren wir hautnah, dass die Körperfresser überall und nicht nur im Kino aktiv sind.

"Mutanten" ist ein mutiger Film, der sich zu seiner Geschichte bekennt, ohne sie als Mystery-Thriller aufzupeppen oder tief in die SFX-Kiste zu greifen. Die schwerste Last des Geschehens, weil immer präsent, hat die 1988 geborene Karoline Teska als Hauptdarstellerin zu tragen. Doch das schafft sie scheinbar mühelos. Anfangs wirkt sie abweisend, mitunter schroff. Doch je länger wir sie 'on the road' begleiten, desto sympathischer wird sie. Eine kleine Person mit einer enorm großen Ausstrahlung. Ein 13-jähriges, zierliches Mädchen, mit einer ungeheuren Kraft, dem wir uns gerne anvertrauen.

Horst Schäfer

 

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