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Ausgabe 95-3/2003

KLEINER MÖNCH

DONG SUNG

Produktion: Spectrum Film Korea Co. Ltd.; Republik Korea 2002 – Regie und Buch: Joo Kyung-Jung, nach dem Roman von Ham Se-Deok – Kamera: Cho Chang-Kyu – Schnitt: Go Im-Pyo – Musik: Kim Sung-Joon – Darsteller: Kim Tae-Jin (Do-Nyeom), Kim Min-Kyo (Jung-Sim), Oh Young-Soo (Klostervorsteher), Kim Ye-Ryung (Witwe) u. a. – Länge: 102 Min. – Farbe – Verleih: offen – Weltvertrieb: Spectrum Film Korea Co. Ltd., 1F53-11 Haehwa-Dong, Jongro-Gu, ROK-Seoul, e-mail: janice@littlemonk.co.kr – Altersempfehlung: ab 10 J.

Do-Nyeom ist neun Jahre alt und lebt in einem kleinen buddhistischen Kloster in einem Dorf in Südkorea, dem außer ihm nur noch der väterlich strenge Abt und Jung-Sim, ein erwachsener junger Mönch, angehören. Sein Leben dort ist zwar strikten Regeln unterworfen, aber seine Pflichten lassen ihm genügend Zeit zum Spielen mit den Kindern aus dem Dorf, die ihn jedoch, bis auf ein Mädchen, das sich schützend vor ihn stellt, oft verspotten und schikanieren. Jahr für Jahr wartet er mit großer Sehnsucht darauf, dass seine Mutter, die ihn einst dem Kloster übergeben hat, endlich kommt, um ihn wieder zu sich zurückzuholen.

Eines Tages taucht in dem Kloster eine Frau auf, um ihren kleinen Sohn zu beerdigen. Sie entspricht genau der Vorstellung, die Do-Nyeom sich von seiner Mutter macht und vergeblich versucht er, in der Hoffnung, sie würde ihn zu sich nehmen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Weitere Schläge treffen ihn: Sein Klosterbruder verlässt nach einem Ausflug nach Seoul das Kloster, seine Freundin zieht mit ihren Eltern in eine andere Stadt. Do-Nyeom bleibt mit dem Abt zurück und ist einsamer als zuvor.

Dann kommt die Mutter des verstorbenen Jungen zurück, um ihn tatsächlich zu sich zu holen. Schon hat der Abt widerstrebend seine Zustimmung erteilt, als er entdeckt, dass Do-Nyeom, um seiner neuen Mutter mit einem Pelzkragen eine Freude zu machen, Kaninchen gefangen und getötet hat und damit für einen strenggläubigen Buddhisten eine schwere Sünde begangen hat. Der kleine Mönch muss bei ihm bleiben, um sein schlechtes Karma abzutragen. Verzweifelt flüchtet Do-Nyeom kurz darauf aus dem Kloster, um mitten im Winter nach seiner verschollenen Mutter zu suchen.

Die Geschichte wird in wunderschönen, ruhigen Einstellungen erzählt, in deren Mittelpunkt fast ausschließlich der kleine Mönch steht, dessen grau-blaue Klosterkleidung ihn gegen die Gold- und Brauntöne der herbstlichen, fast idyllischen Mittelgebirgslandschaft abhebt und mit dem Inneren des Klosters, aber auch mit den nüchternen Farben der Großstadt, gleichsam verschmelzen lässt.

Nicht einen Film über Buddhismus, einen Film über Sehnsucht und Liebe habe er drehen wollen, sagte der Regisseur beim Gespräch während der Berlinale 2003. Besser träfe es: einen Film über Sehnsucht nach Liebe, denn nach Liebe sehnt sich nicht nur der kleine Do-Nyeom. Auch Jung-Sim, sein Klosterbruder, ist hin- und hergerissen zwischen der Entsagung, die ihm als Mönch auferlegt ist, und seinem Wunsch nach zärtlicher Zuneigung und weltlichen Annehmlichkeiten, der schließlich stärker ist. Und es ist ein Film über Verlassen und Verlassenwerden. Nach und nach sieht Do-Nyeom sich verlassen von allem, was ihm am Herz liegt: von seiner Mutter zunächst, ein Verlust, der sein ganzes Dasein überschattet, von seiner kleinen Freundin, die ihn beschützt hat, von Jung-Sim, der ihm der einzige Ansprechpartner im Kloster war, von der Frau schließlich, die sich dem Verbot des Abtes beugt und auf ihn verzichtet, bis er am Ende selbst weggeht und seinerseits den Abt verlässt, der alleine im Kloster zurückbleibt.

"Kleiner Mönch" ist ein Kinderfilm, insofern seine Hauptfigur ein kleiner Junge ist, mit den Problemen jedoch, die die Protagonisten umtreiben, werden elementare Befindlichkeiten berührt, die unabhängig von Alter, Geschlecht und kultureller Prägung jeden angehen.

Der Film endet offen, angesichts der düsteren, surrealistisch anmutenden Schlusseinstellung mit der winzigen Figur des kleinen Mönchs, die in einer kalten Schneelandschaft unter grauem Himmel verschwindet, fällt eine optimistische Deutung indessen schwer.

Gerold Hens

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 95-3/2003 - Interview - "Das Buch hat der Wind geschrieben und die Zeit korrigiert"

 

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