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Ausgabe 97-1/2004

ONE-WAY-TICKET TO MOMBASA

ONE-WAY-TICKET TO MOMBASA

Produktion: Hannu Tuomainen / Cinemaker Oy; Finnland 2002 – Regie: Hannu Tuomainen – Buch: Hannu Tuomainen und Atro Lahtela – Kamera: Pekka Uotila – Schnitt: Jukka Nykänen – Musik: Samuli Putro und Martti Salminen – Darsteller: Antti Tarvainen (Pete), Joonas Saartamo (Jusa), Johanna Rönnlöf (Kata) u. a. – Länge: 88 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Non Stop Sales, Festival Kontakt: The Finnish Film Foundation – Altersempfehlung: ab 12 J.

Zu Anfang dominieren die trüben Farben. Die Kamera fährt durch einen langen schmuddlig-grauen Flur in den Probenkeller einer Rockband, die einen neuen Musiker sucht. Der junge Gitarrist mit der braven Ausstrahlung kann was. "WC" sagt der Leader nach dem Vorspiel zu ihm. Und als Pete nicht kapiert: "Welcome. Du kannst beim nächsten Konzert mitmachen!" "Du wirst doch deshalb nicht dein Abi schmeißen" – Petes Eltern sind ehrlich besorgt – "solange kannst du doch noch in der Schulband bleiben." Aber dann kommt alles ganz anders. Gerade hat Petes Vater, der Musiklehrer an seiner Schule ist, in der Aula stolz das Konzert dieser Band angekündigt, da bricht Pete auf offener Bühne zusammen. Krebs. Ob er seinen 18. Geburtstag noch erleben wird, kann niemand ihm garantieren.

Niedergeschlagen fügt sich Pete in den Alltag der Krebsstation. Sein schon kahlköpfiger Bettnachbar Jusa nervt ihn. Aber ausgerechnet Jusa, der aus einem Erziehungsheim kommt und sich gegen die Tristesse des Krankenhausalltags mit seinen schrägen Einfällen zur Wehr setzt, gelingt es, ihn aus seiner depressiven Stimmung heraus zu holen. An Jusas 18. Geburtstag hauen die beiden ab. Und Pete verhilft Jusa tatsächlich zu einem Flugticket nach Mombasa, von dessen heißen Küsten er wegen seines Lieblingssongs schon so lange träumt. Pete wird ihn dahin begleiten. Doch vorher will er Kata, seiner Traumfrau von der Schule, noch sagen, dass er sie liebt. Jusa hat Pete gelehrt, dass man seine Träume ernst nehmen muss ... Kreuz und quer reisen die beiden durch Finnland, sie betteln, machen Musik, erfinden das Karaoke, streiten sich, kommen wieder zusammen, helfen sich, wenn die Krankheit angreift, werden Freunde. Auf ihrem Trip lernt Pete, sich selbst zu vertrauen, und dass es viel Spaß gibt jenseits des gesicherten Mittelschicht-Lebens. Am Ende kommen sie tatsächlich nach Lappland, wo Kata in den Sommerferien jobbt. Doch nun muss sich Pete zwischen ihr und Jusa entscheiden.

Danach dreht sich das Karussell ihres Lebens erneut: Kata entdeckt, wie krank die beiden tatsächlich sind, und: dass sie Pete liebt. Am Ende stirbt Jusa, erreicht "Mombasa", geborgen in den Armen von Kata und Pete, an einem wunderschönen finnischen Strand. Er ist glücklich, weil er nun weiß, wie es ist, wenn man um seiner selbst willen geliebt wird, und wie es sich anfühlt, wenn ein Mädchen mit einem schläft. Pete aber, der das uneigennützige Verhalten seiner Freundin akzeptieren konnte, hat nicht nur die Liebe und die Hoffnung gefunden, er ist sich auch seiner selbst, seiner Sterblichkeit und der der anderen bewusst geworden, eben erwachsen. An seinem 18. Geburtstag taucht er mit Kata zuhause auf, nicht um zu bleiben, sondern um sich von seinen Eltern, den Nachbarn und Freunden zu verabschieden.

Eine anrührende Story mit sympathischen Hauptfiguren, die zum ersten Mal Liebe und Tod erleben, intensiv und voller Jugendkraft. Ein in seiner Struktur klassisches Road Movie mit einem klar definierten Helden, Pete, und seinem Gegenspieler, dem Tod. Mit einem klassischen "point of no return", an dem der Protagonist seine Wahl treffen muss. Da gibt es dann keine richtige oder falsche Lösung, sondern nur die schmerzliche Erkenntnis, dass man so oder so etwas verliert. Doch nachdem sich Pete entschieden hat, seinem Freund nach Mombasa zu folgen und wieder einmal alles ganz anders kommt als vorauszusehen, ändert Regisseur Tuomainen den Erzähl-Rhythmus, lässt die Bilder zunehmend sensibler werden für die Umgebung und – dank digitaler Postproduktion – zu immer schöneren Farben verdichten. Indem sich die Jungen für das Hier und Jetzt, für das "carpe diem" entscheiden, weicht die Kälte des Lebens der Lust zu leben, wird der lebensbedrohliche Krebs zur Metapher für einen neuen Aufbruch.

Es gibt in diesem Film viele ruhige, wortlose Momente, wobei der Musik eine entscheidende Rolle zukommt. Sie kommentiert die Handlung, treibt sie bisweilen selbstständig voran, vertieft die Gefühle und schafft gleichzeitig Distanz. Gespielt wird nämlich nicht die Musik der Gegenwart, sondern die Rockmusik der 70er-Jahre, deren Songs nun in einen ganz anderen Kontext gestellt werden. Dadurch entsteht ein Verfremdungseffekt mit durchaus unterhaltsamen Aspekten. Hannu Tuomainen ist mit seinem ersten Spielfilm ein überzeugendes Plädoyer für das Leben gelungen, das inzwischen mit 26 (!) ersten Preisen prämiert wurde.

Uta Beth

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 97-1/2004 - Interview - "Es gibt immer Hoffnung"

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.ONE-WAY-TICKET TO MOMBASA im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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