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Ausgabe 98-2/2004

MONSIEUR IBRAHIM UND DIE BLUMEN DES KORAN

MONSIEUR IBRAHIM ET LES FLEURS DU CORAN

Produktion: ARP Sélection / France 3 Cinéma; Frankreich 2003 – Regie: François Dupeyron – Buch: François Dupeyron, Eric-Emmanuel Schmitt, nach dem gleichnamigen Roman von Eric-Emmanuel Schmitt – Kamera: Rémy Chevrin – Schnitt: Domonique Faysse – Darsteller: Omar Sharif (Monsieur Ibrahim), Pierre Boulanger (Moise, genannt Momo), Gilbert Melki (Momos Vater), Isabelle Renauid (Momos Mutter), Lola Naymark (Myriam), Anne Suarez (Sylvie), Isabelle Adjani (der Star) u. a. – Länge: 94 Min. – Farbe – Verleih: Falcom (35mm) – Altersempfehlung: ab 14 J.

Sechs Jahre hat sich der Weltstar Omar Sharif ("Dr. Schiwago") im Kino rar gemacht, nun feiert er in einer wundervollen Altersrolle ein glänzendes Comeback. In François Dupeyrons Film "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" spielt der 72-Jährige einen weisen muslimischen Ladenbesitzer, der im Paris der späten 50er-Jahre Freundschaft mit einem 13-jährigen jüdischen Jungen aus der Nachbarschaft schließt und diesen mit den Geheimnissen des Lebens bekannt macht.

Der junge Moise (Pierre Boulanger) lebt mit seinem alleinerziehenden Vater in der Rue Blue im Araberviertel von Paris. Obwohl erst 13 Jahre alt, kümmert sich der Junge um den Haushalt und kocht für den depressiven Vater. Seine Einkäufe erledigt er gegenüber beim 'Araber' Ibrahim, der aber gar kein Araber ist, sondern ein türkischer Sufi-Moslem. Auch wenn Moise, den Ibrahim schlicht Momo nennt, manchmal etwas mitgehen lässt, drückt der Alte ein Auge zu. Mit seiner heiteren Lebensphilosophie hilft er dem Jungen bei seinen ersten sexuellen Erfahrungen mit den Prostituierten auf der Straße, offenbart ihm das Geheimnis des Lächelns und sensibilisiert ihn für die großen und kleinen Freuden des Alltags.

Als Momos Vater nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes einfach verschwindet und sich später wahrscheinlich in Selbstmordabsicht vor einen Zug wirft, erklärt sich Ibrahim bereit, den Jungen zu adoptieren. Der alte Ladenbesitzer macht sogar noch den Führerschein und kauft sich einen roten Sportwagen. Damit fahren die beiden quer durch Europa bis in Ibrahims Heimatdorf, das er so lange nicht mehr gesehen hat.

Der französische Regisseur François Dupeyron hat aus der französischen Bestseller-Erzählung "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" von Eric-Emmanuel Schmitt ein bezauberndes Sozialdrama mit märchenhaften Zügen gemacht, das gerade in Zeiten grassierender Terrorangst ein leidenschaftliches Plädoyer für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben von Juden, Moslems und Christen gibt.

Mit leichter Hand schildert Dupeyron die Episoden, in denen Ibrahim den jungen Helden mit den Geheimnissen des Glücklichseins vertraut macht. Besonders gelungen ist die präzise Beschreibung des pittoresken Kleinbürgermilieus in den engen Altstadtstraßen. In mancherlei Hinsicht erinnert Dupeyrons Arbeit dabei an die frühen Truffaut-Filme, vor allem an den Klassiker "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1958/59). Die Inszenierung wagt sich zwar gelegentlich in die Gefilde des Sentimentalen und taucht Paris durchaus in ein romantisch verklärtes Licht, bleibt aber letztlich einer unprätentiösen Poesie des Alltags verhaftet. Daran gemessen fällt der Schluss enttäuschend aus, verengt er doch für eine triviale, weil allzu nahe liegende Lösung die gerade gewonnene Bandbreite der möglichen persönlichen Entfaltung des Jungen wieder ein.

In der kleinen Geschichte, die trotz der Problemfülle einen nostalgischen Ton wahrt, versteht es der Debütant Pierre Boulanger als naiver Hans-guck-in-die-Luft mit jungenhaftem Charme mit dem Altmeister Sharif Schritt zu halten, der in altersweiser Gelassenheit nur kleine Gesten benötigt, um souverän die Szene zu beherrschen. Für diese Leistung gewann Omar Sharif, der in den 60er-Jahren mit Hauptrollen in Filmklassikern wie "Lawrence of Arabia" und "Dr. Schiwago" Weltruhm erlangte, auf den Filmfestspielen von Venedig im Vorjahr den Publikumspreis für den besten Darsteller. Außerdem wurde der aus Ägypten stammende Schauspieler am Lido mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet, das mehr als 70 Filme umfasst.

Reinhard Kleber

 

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