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Ausgabe 61-1/1995

DRAGON WORLD

Produktion: WLS Ltd, Großbritannien/Rumänien 1993 – Regie: Ted Nicolaou – Buch: Ted Nicolaou, Suzanne Nawa – Kamera: Alan M. Trow – Schnitt: Gregory Sanders – Musik: Richard Band – Darsteller: Andrew Keir, Lila Kaye, Courtland Meat, Brittney Powell u. a. – Länge: 83 Min. – Farbe – Vertrieb: CIC – Altersempfehlung: ab 8 J.

Nach dem Unfalltod seiner Eltern wird der fünfjährige John von seinem Großvater in Schottland aufgenommen. In dem einsam gelegenen Schloss muss er nun auf 'Hamburger' – die er von den USA gewohnt ist – verzichten, erhält dafür aber von seinem Großvater regelmäßig Unterricht im Dudelsackspielen. Eines Tages begegnet John einem kleinen Drachen, über den er zunächst erschrickt, sich dann aber rasch mit ihm anfreundet. Der Mini-Drache erhält den Namen "Youwler" und darf unter der Bedingung bleiben, dass John lebenslang Verantwortung für ihn trägt.

Fünfzehn Jahre später ist der traditionsverbundene, aber geschäftsuntüchtige Großvater gestorben, und seinem Erben John hat er neben dem alten Schloss auch 170.000 Pfund Steuerschulden hinterlassen. Ein amerikanischer Dokumentarfilmemacher, der zu Aufnahmen in das Schloss gekommen ist, vermittelt John das Angebot eines reichen Investors, die Schulden zu begleichen und dafür Youwler als Attraktion in einem Freizeitpark auszustellen. Schweren Herzens unterschreibt John den Vertrag. Bei der Eröffnung der "Dragon World" muss er jedoch erkennen, dass der Geschäftemacher ihn betrogen hat: Die Echse ist in einem auf mittelalterlich getrimmten Schlosshof eingekerkert und wird als achtes Weltwunder angepriesen. John protestiert und will Youwler mitnehmen, wird aber aus dem Vergnügungspark gewiesen. Inzwischen beginnt der Drache, der von den Bewachern immer wieder mit Lanzenstößen gepeinigt wird, Feuer zu speien und löst unter den Besuchern eine Panik aus. John und die Tochter eines TV-Reporters dringen zu Youwler vor, der zu aller Überraschung auch fliegen kann. Wie ein Hubschrauber steigt er in die Höhe und bringt beide zurück zum Schloss nach Schottland. Doch die Verfolger sind schon unterwegs.

Beim 12. Internationalen Kinderfilmfestival des Ruhrgebiets wurde die britisch-rumänische Koproduktion mit dem "Blauen Elefanten" ausgezeichnet. Der mit 5.000 DM dotierte Preis wurde von einer Schulklasse aus Essen vergeben. Jury-Mitglied Marcus erklärte bei der Preisverleihung: "Der Film ist fast wie ein Märchen, aber auch ein bisschen modern. Er ist witzig, nicht brutal und hat gute Musik."

Weniger gelungen sind die Trickaufnahmen der Drachenmodelle, die zu sehr nach Pappmaché aussehen und die Grenzen des Budgets aufzeigen. Zwar ist das Motiv des Drachen in der europäischen Literatur seit Jahrhunderten geläufig, aber dennoch ist unübersehbar, dass der Regisseur Ted Nicolaou auf der von "Jurassic Park" angeheizten Dino-Welle mitreiten wollte. Nicolaou ist bisher denn auch nicht mit Kinderfilmen, sondern mit Fantasy-Filmen für Erwachsene wie "Subspecies" ("Diener des Bösen") hervorgetreten. Außerdem zeichnet er für die beiden Western-Filme "Lucky Luke – der neue Film" und "Lucky Luke 3" verantwortlich, die Anfang der 90er-Jahre bei uns nur auf Video erschienen. Überspitzt und damit wenig glaubwürdig wirkt auch die Gegenüberstellung von moderner High-Tech-Welt amerikanischer Prägung und der schottischen Einöde, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Dass ein 20-Jähriger dort heutzutage nur Dudelsack und Grammophon kennt, aber keinen Walkman, kann man selbst den jüngsten Kinobesuchern nicht mehr weismachen.

Überraschenderweise wirkt der gewagte Zeitsprung von 15 Jahren in dem gefühlvollen Drachenmärchen nicht als Bruch. Indem der Großvater seinem Enkel und dieser wiederum seinem Sohn am Ende die ehrwürdigen Werte der Familientradition nahe bringt, versieht der Regisseur die beiden Filmteile mit einer starken Klammer, so dass sich das anfängliche Waisenjungen-Drama zu einer Art Familienepos ausweitet. Der allzu lange hinausgezögerte Schluss ist allerdings unnötig kitschig ausgefallen.

Reinhard Kleber

 

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