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Ausgabe 108-4/2006

Interview mit Gernot Krää zu "Paulas Geheimnis"

(Interview zum Film PAULAS GEHEIMNIS)

Der Film "Paulas Geheimnis" hatte beim Internationalen Kinderfilmfestival LUCAS 2006 in Frankfurt am Main seine Welturaufführung und die Jury verlieh ihm einen Hauptpreis. Mit Gernot Krää, Regisseur und Drehbuchautor, sprach Lutz Gräfe.

KJK: Welche Bedeutung hatte die Förderung durch das Kuratorium Junger Deutscher Film für das Projekt?
Gernot Krää: "Das Geld kam aus der Kinderfilmförderung. Und auch wenn diese Förderung – gemessen an anderen Töpfen – relativ gering ist, so ist sie doch sehr wichtig, weil sie oft – auch bei uns – der Finanzierung einen Anschub gibt. Wenn das Kuratorium damit ausdrückt: Das ist ein gutes Projekt und wir stehen dahinter, fällt es doch sehr viel leichter, die restlichen Gelder zusammenzutragen."

Wie kamen Sie zu dem Stoff?
"Meiner Tochter wurde, als sie zehn oder zwölf Jahre alt war, tatsächlich der Rucksack aufgemacht. Ich habe ihre starke Reaktion miterlebt und gesehen, wie ein Kind das empfindet, bestohlen zu werden. Die Geschichte mit dem Tagebuch, die ich dann dazu gedichtet habe, verstärkt dieses Gefühl noch. Aspekte wie die rumänische Kinderbande, sind unserer Realität entnommen."

Es gab ja schon beim LUCAS Reaktionen, das sei rassistisch und spiele den Faschisten in die Hände.
"Das habe ich schon öfter gehört, aber noch nie von Rumänen. Ich habe bei der Recherche eng mit einer befreundeten rumänischen Familie zusammengearbeitet, weil ich kein Rumänisch spreche. Die wussten genau, um was es bei dem Film geht und hatten überhaupt kein Problem damit, weil es in der Realität solche Banden aus Rumänien gibt. Zudem sind die rumänischen Kinder in meiner Geschichte selbst Opfer von organisierten Verbrechern, die auch wieder gestrauchelte Existenzen in einer kaputten Nation sind und damit auch Opfer."

Am Ende, wenn Tobi dem Gangster mit einer Glaskugel aus einer Steinschleuder die Kniescheibe zerschießt, könnte ich mir so manchen vorstellen, der meint: "Das kannst du aber nicht machen; das ist doch Gewalt." Die Szene vorher, wenn die Kids den Bösewicht ins Wasser werfen, geht ja noch als Slapstick durch.
"So wie die Figur des Tobi gezeichnet ist, würde es eben nicht genügen, wenn er die Sache durch eine Slapstick-Nummer klärt. Er muss schon etwas Heldenhaftes vollbringen. Natürlich war das eine Gratwanderung, aber ich denke, man kann das noch vertreten, wenn er mittels der Schleuder den Mann außer Gefecht setzt; und er schießt ihn ja nicht tot, sondern verletzt ihn und schießt sich damit endgültig ins Herz seiner Paula."

Es ist ein Happy End mit Schattenseiten: Die zwei rumänischen Kinder sind zwar gerettet, aber der Boss kommt davon?
"Beim Kinderfilm ist man geneigt, ein Happy End zu finden. Man will die Kinder möglichst mit einem guten Gefühl aus dem Kino gehen sehen. Der Spagat bestand darin zu sagen: Die Situation ist erst mal geklärt, aber das Unheil ist nicht aus der Welt. Dabei war es mir besonders wichtig, dass die Kinder die Sache ALLEIN lösen und nicht im letzten Moment doch noch Erwachsene die Sache klären."

Wie schwierig war das Kinder-Casting?
"Die richtigen Kinder zu finden, ist immer schwer. Aber für Paula musste ich ein Mädchen mit einer spröden Art finden, die fast zur Arroganz tendiert, aber eben nur fast. Aber wenn sie dann lächelt, muss irgendwo die Sonne aufgehen. Und diese zwei Qualitäten in einem Kind zu finden, das dazu noch die üblichen Anforderungen an Talent, das richtige Aussehen für die Rolle und die innere Kraft, das durchzustehen erfüllt, war sehr schwer. Es hat gedauert und als ich dann endlich die Thelma gefunden habe, habe ich dem Himmel gedankt."

Angeblich war der Film vorher 15 Minuten länger und wurde dann noch mal gekürzt, nachdem es hieß, dass er so nicht funktioniere.
"Der Film war vorher noch erheblich länger, aber es ist völlig normal, dass es zwischen Rohschnitt und endgültiger Kinofassung gravierende Unterschiede gibt. Man kann die gleiche Geschichte ja in sehr unterschiedlichem Rhythmus erzählen. Wir haben uns dann für die kürzere Version entschieden, mit der ich sehr zufrieden bin. Es gab nie eine endgültige Fassung außer dieser hier."

Sie haben fast ausschließlich on location gedreht. Wie schwierig war das?
"Nur Tobis Wohnung war im Studio, selbst Paulas Haus war ein echtes Haus. Und natürlich ist die Szene auf dem Hochhausdach im Studio gedreht worden, aber selbst die nur teilweise, denn die Einstellung von hinten auf die beiden wurde tatsächlich auf einem Hochhaus gedreht. Die Dreharbeiten auf der Straße waren nicht nur schwierig, sie waren die Hölle. Draußen ist es immer schwierig; es regnet, wenn die Sonne scheinen soll und umgekehrt ... Und wenn dann endlich alles passt, dann sind die Kinder zu erschöpft. Aber das ist nun mal ein Großstadtfilm und da muss man die Straßenszenen on location drehen."

Der Film lief hier beim LUCAS dreimal. Wie war denn die Resonanz der Kinder?
"Gerade die Vorführung im Cinestar Metropolis vor über 600 Kindern fand ich wahnsinnig spannend und da gab es mehrfach Szenenapplaus. Bei bestimmten Szenen ist natürlich klar, dass es da Applaus und Erleichterung gibt. Wirklich überrascht haben mich der spontane Applaus und die allgemeine Zustimmung bei den Liebesszenen. Ich hatte eigentlich erwartet, dass diese bei Kindern in dem Alter zwischen 8 und 12 eher zu 'Iiih'-Reaktionen führen, aber genau da gab es massiven Beifall und freudige Zustimmung."

Gibt es ein neues Projekt oder müssen wir wieder – wie nach Ihrem Film "Die Distel" – 14 Jahre warten?
"Neben diversen Projekten für das Fernsehen gibt es auch Projekte für einen neuen Kinofilm. Ich bin da sehr zuversichtlich, dass es nicht 14 Jahre, sondern eher 24 Monate werden; auch wenn das nicht allein von mir abhängt."

Interview: Lutz Gräfe

 

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