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Ausgabe 109-1/2007

"Kinder haben noch immer Hunger auf Märchen"

Ein Gespräch mit dem Schweizer Schauspieler Bruno Ganz zum Film "Vitus"

(Interview zum Film VITUS)

In dem Wunderkind-Märchenfilm "Vitus" seines Landsmanns Fredi M. Murer spielt Bruno Ganz einen schrulligen Großvater, der seinem hochbegabten Enkel mit viel Verständnis hilft, seinen Platz im Leben zu finden. Seine Leistung hat dazu beigetragen, dass die Schweiz den Film für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film vorgeschlagen hat. Mit Bruno Ganz sprach Reinhard Kleber anlässlich einer Premierenvorführung in Bonn.

KJK: Glauben Sie, dass Märchen heute noch ihre Berechtigung haben?
Bruno Ganz: "Ja. Vielleicht für uns Erwachsene nicht mehr, aber für uns waren Märchen ja auch nie wirklich gemacht. Aber bei Kindern gibt es nach wie vor einen unglaublichen Hunger nach diesen Sachen. Die Art, wie der Schrecken vorkommt, das scheint doch etwas so Elementares zu sein, ich wüsste nicht, wo sonst so etwas für ein Kind auftreten würde. Natürlich gibt es mannigfache Formen, die man auf Videos oder DVDs sehen kann, aber in der ursprünglichen Form als Literatur oder als erzählte Geschichte wirken Märchen noch immer."

Wie war die Zusammenarbeit mit den beiden Kinderdarstellern der Hauptfigur Vitus?
"Der große Unterschied zum Drehen mit Erwachsenen liegt darin, dass man Kindern nicht mit so einem Druck kommen kann. Es ist nicht gut, wenn es so weit geht, dass man das muss. Es hat keinen Sinn, einen sechsjährigen Darsteller wie den Fabrizio daran zu erinnern, dass er einen Vertrag hat. Da muss man andere Wege finden. Beim zwölfjährigen Teo war das Problem, dass er wahnsinnig intelligent ist. Er ist sehr in einer eigenen Welt, entsprechend seiner Begabung, und hat dann Ausrutscher in die Kindlichkeit, das ist charmant. Das versteht man auch. Gott sei dank hat er auch Interesse an Fußball, das macht ihn handhabbarer. Wenn er in seine abstrakten Sachen reingeht, dann muss man schnell sein. Das ist schwer, da muss man sich den Zugang schon erkämpfen. Aber insgesamt geht es schon."

Was hat Sie denn an dieser Rolle gereizt?
"In gewisser Weise hat mich dieser Großvater sehr an meinen Vater erinnert, also die Bastlerseite. Und auch dieser Traum vom Fliegen. Mein Vater war zwar nicht vom Fliegen fasziniert, aber dafür irgendwie von Zahnrädern. Aber mehr noch hat mich komischerweise das Zentrum des Films, die Geschichte des Jungen, interessiert. Das war es mir wert. Dazu kamen einfach die lokalen Verhältnisse. Der Regisseur Fredi Murer und ich leben in der gleichen Stadt, das Land ist klein, wir sind zwei bekannte Leute. Wir haben aber noch nie zusammen an einem Film gearbeitet. Ich habe mich gefragt, wie kommt es eigentlich, dass wir nicht zusammen etwas machen? Das war ein starker Grund. Das Drehbuch ist dann ja noch vielen Modifikationen unterzogen worden, zwangsläufig, weil es Probleme bei der Finanzierung gab. Das Projekt ist im Lauf der Jahre, die das bis zum Drehbeginn gedauert hat, auch kleiner geworden, aber das hat mich nie sonderlich gestört. Ich wollte ja vor allem mit Fredi einen Film machen."

"Vitus" ist von der Schweiz für den Oscar vorgeschlagen worden. Wie sehen Sie die Chancen?
"Wissen Sie, ich war mit dem 'Untergang' für Deutschland bei der Oscar-Verleihung. Das war schon mal okay. Ich gehe auch für die Schweiz gern da hinüber. Man sollte aber bedenken, dass die ausländischen Filme in Los Angeles nicht so viel bedeuten. Entscheidend sind andere Sachen, zentral ist, welcher amerikanische Film gewinnt, welche Schauspieler, welcher Regisseur, darum geht es."

Was spielen sie lieber – heitere oder leichtere Rollen?
"Ich komme allmählich auf den Geschmack. Nach 'Hitler' in 'Der Untergang' spielt 'Vitus' in einer anderen Zeit. Das hat mir gut gefallen. Ich habe auch gerade mit dem Schwarzenberger ein Stück fürs Fernsehen gemacht. Da ist mir das auch wieder so gegangen, der heitere Teil daran hat mir sehr gefallen. Heiter, soft, aber sehr schön zu machen. Ich sage mir inzwischen, ich bin in dem Beruf so weit gekommen, jetzt drehe ich das, was mir gefällt."

Interview: Reinhard Kleber

 

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