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Ausgabe 61-1/1995

EIN FROSCH, DER KUSS, ZWEI KÖNIGE

Produktion: Biograph-Film, Schweiz 1994 – Regie und Buch: Norbert Wiedmer, in Zusammenarbeit mit Monika Demenga und Hans Wirth – Kamera: Norbert Wiedmer – Schnitt: Regina Bärtschi – Musik: Felix Hochuli, Jiri Ruzicka – Darsteller: Carla Wiedmer, Monika Demenga, Hans Wirth und die Puppen des Puppentheaters Demenga/Wirth – Länge: 78 Min. – Farbe – Vertrieb (16mm): Biograph-Film, Postfach, CH-3052 Zollikofen, Tel. 0041 31 9112816 – Altersempfehlung: ab 8 J.

"Ich bin Carla – das ist Monika – und das ist Hans. Und dann gibt es noch den Herrn Brönnimann, von dem gesagt wird, er sei ein verzauberter Frosch." Damit sind die drei Protagonisten vorgestellt und das Publikum ist zugleich auf das Besondere eingestimmt: In dem dokumentarischen Spielfilm agieren Menschen und Puppen, und auf verschiedenen Ebenen wird erzählt, wie ein Puppentheaterstück entsteht, wie es auf der Bühne zugeht und was der Hausmeister Brönnimann – eine nahezu lebensgroße Puppenfigur – zu dem ganzen Treiben zu sagen hat.

Carla, etwa zehn Jahre alt, besucht die Puppenspieler in ihrem verwunschenen Haus, erkundet die Werkstatt, wo es wispert und raschelt und wo die Puppen ein Eigenleben zu führen scheinen. Als Monika und Hans kommen, geht es ganz realistisch an die Vorbereitung eines Stückes, das von "Krach und Streiten" handeln soll. Am Anfang steht die Frage, warum es zum Streit kommen kann. Nach diesem Gespräch wechselt die Szenerie, und wir befinden uns mitten im Puppenspiel: Auf der Bühne ist die erste Szene aus der Geschichte "Dr Zanggi" zu sehen. Sie handelt von Prinz Eugen, von König Friedrich und König Ottokar, der Prinzessin Isabella und dem Mädchen Lavinia und natürlich von der Hauptperson, dem "Zanggi". Dieser Zankteufel wird – jetzt wieder in der Werkstatt – erst einmal entworfen, modelliert, wobei Carla mithilft, und macht schließlich seinem Namen alle Ehre. Auf der Puppenspielbühne nimmt die Geschichte ihren Lauf, und hier hat eine possierlich-quirlige Maus mit fünf Mäusekindern ihren Auftritt. Bevor der Zankteufel auf der Bühne erscheint, geht es beim Puppenspielerteam um die Gestaltung des Bühnenbildes, damit dieser "Zanggi", der durch jeden Streit groß und stark wird, so richtig zur Geltung kommt. Der lässt nicht lange auf sich warten, denn ein goldener Apfel, vom Zanggi zwischen die beiden Könige geworfen, wird prompt zum Zankapfel. Und nach einem Kamerablick hinter die Bühne, wo es noch technische Fragen zu lösen gab, freut sich der Zanggi, nun schon bedrohlich gewachsen, am Ort der Spielhandlung teuflisch: "Jetzt gibt es Krieg und bald nur noch einen König: Mich." Fast wäre es auch dazu gekommen, doch der Zanggi – "Zanken, Schimpfen, Streiten ... die Menschen lernen alles prächtig und ich werde mächtig" – hat sich zu früh gefreut. Als er bereits die ganze Bühne einnimmt und die beiden Könige sich bei Trommelwirbel zum Kampf auffordern, erscheinen Eugen und Lavinia mit der Friedensblume. Zurück zu den Puppenspielern: Zum guten Schluss mischen sich auch hier noch einmal Realität und Spiel. Puppenmann Brönnimann bekommt von Carla einen Kuss – und siehe da, plötzlich sitzt dort ein Frosch! – Und wer noch bis nach dem Filmabspann sitzen bleibt, wird vom Diener des Königs persönlich aufgefordert, nach Hause zu gehen ...

Dieses Spiel im Spiel macht den Reiz des Films aus, macht ihn andererseits aber für kleinere Kinder etwas schwierig. Sie werden Mühe haben mit dem wiederholten Wechsel zwischen der dokumentarischen und der spielerischen Ebene. Gleichwohl lässt dieses Gestaltungsprinzip an der Arbeit der Puppenspieler und am Entstehungsprozess eines Theaterstücks teilnehmen. Besonders der Blick hinter die Bühne, auf die "Spieler in Aktion", vermittelt einen Eindruck von der Geschicklichkeit und dem körperlichen Engagement, das zudem auf engstem Raum stattfindet. Der Schweizer Regisseur Norbert Wiedmer (Jahrgang 1953) hat liebevoll eine künstlerische Ausdrucksform dokumentiert, und die Verbindung von Film und Puppentheater ist ihm geglückt. Nicht zuletzt für Gruppen, die sich selbst mit Puppenspiel beschäftigen, ist "Ein Frosch, der Kuss, zwei Könige" sehenswert.

Christel Strobel

 

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