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Ausgabe 62-2/1995

RENNSCHWEIN RUDI RÜSSEL

Produktion: Günter Rohrbach / Senator Film Produktion, Bundesrepublik Deutschland 1995 – Regie: Peter Timm – Buch: Uwe Timm, Ulrich Limmer, nach dem gleichnamigen Roman von Uwe Timm – Kamera: Fritz Seemann – Schnitt: Christel Suckow – Musik: Detlef Petersen – Darsteller: Ulrich Mühe (Dr. Heinrich Gützkow), Iris Berben (Almut Gützkow), Cora Sabrina Grimm (Betty), Kristina Pauls (Zuppi), Constantin von Jascheroff (Tobi), Nikolaus Paryla (Campingwärter) u. a. – Länge: 109 Min. – Farbe – Verleih: Senator Film (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

"Er kam, sah und quiekte!" Mit diesem Slogan wirbt der Verleih für den Familienfilm "Rennschwein Rudi Rüssel". Ein Feldherr und Staatsmann wie Julius Caesar ist der Held des neuen Films von Peter Timm zwar nicht, aber Power genug hat er allemal, um erst eine Familie durcheinander zu wirbeln und dann eine Stadt auf den Kopf zu stellen.

Die Rede ist von einem Ferkel, das die fünfjährige Zuppi bei der Tombola eines Feuerwehrfestes auf dem Land gewinnt. Vater und Mutter Gützkow lehnen es zunächst strikt ab, den Vierbeiner in die Großstadtwohnung zu nehmen. Doch Zuppi und die beiden Geschwister schmuggeln das Ferkel, das den Namen Rudi Rennschwein erhält, ins Auto. Zuhause sorgt das ungezogene Jung-Schwein für ein großes Durcheinander und raubt dem ohnehin gestressten Vater, einem arbeitslosen Ägyptologen, den letzten Nerv. Weil die Kinder aber keine Ruhe geben, darf Rudi schließlich bleiben. Als jedoch der missgünstige Vermieter das Ferkel entdeckt, muss die Familie die Wohnung räumen. Dabei hält der Vermieter selbst einen großen Hund. Der Vater bekommt eine Stelle als Platzwart eines Fußballvereins samt Dienstwohnung im Grünen. Dort sorgt Rudi erneut für Trubel, als er sich mit einem Schiedsrichter anlegt. Schließlich hält die völlig überlastete Mutter, eine Lehrerin, die "Schweinerei" nicht mehr aus: Sie zieht fürs erste zu einer Kollegin.

Mit Komödien wie "Manta – Der Film" und "Go Trabi Go" hat Peter Timm einige der erfolgreichsten deutschen Filme der vergangenen fünf Jahre gedreht. Mit dem "Rennschwein"-Film knüpft er gleich mehrfach an Handlungsmuster dieser Lustspiele an. So zum Beispiel mit der halsbrecherischen Auto-Verfolgungsjagd, die deutlich an die "Manta"-Rennen erinnert. Für einen Familienfilm hat Timm hier allerdings etwas dick aufgetragen. "Rennschwein Rudi Rüssel" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Uwe Timm, der 1990 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.

Der aufgedrehte Filmklamauk bietet beträchtlichen Unterhaltungswert und richtet sich an ein breites Familienpublikum. Allerdings schreckt der Regisseur nicht vor billigen Klischees in der Figurenzeichnung zurück. Das gilt für den fiesen Vermieter ebenso wie für einen aufdringlichen Lehrer-Kollegen der Mutter Gützkow. Selbst der Familienvater wird zunächst eher als Karikatur eines vertrottelten Wissenschaftlers geschildert, ehe er sich – gebeutelt von den Unbilden des Schicksals – als alltagstauglich erweist. Gleichwohl agiert Ulrich Mühe mit ebenso großer Spielfreude wie seine Partnerin Iris Berben als Mutter Gützkow. Eine erstaunliche Leinwandpräsenz besitzt auch Constantin von Jascheroff in der Rolle des Nesthäkchens Tobi, der zunächst nur mit einem Schnuller herumlaufen darf. Der Junge hat schon reichlich Filmerfahrung. So sprach er den kleinen Käfer in "Däumelinchen" und wirkte bei Werbefilmen mit.

Schwächen zeigt Timms Film auch bei Drehbuch und Schnitt, vor allem gegen Ende. Dass etwa ein völlig unbekanntes Ferkel, ein Nobody-Schwein sozusagen, gleich auf Anhieb im Rennfinale einer Weltmeisterschaft mitlaufen darf, das glaubt wohl kaum jemand: So viel Schwein kann selbst ein Rudi nicht haben. Für den holprigen Schnitt bei diesem Rennen dürften allerdings eher die tierischen Hauptdarsteller verantwortlich sein. Immerhin attestiert das Presseheft Rudi's schweinischen Tricks "geradezu drehzeitverzögernde" Wirkung. Im Klartext: Das Ferkel war während der Dreharbeiten im heißen Sommer 1994 wahrscheinlich einfach nur saufaul.

Die aufwändige Produktion wurde von fast allen großen Fördergremien unterstützt, von der Filmförderungsanstalt über die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und die Bayerische Film- und Fernsehförderung bis zum Film Fond Hamburg. Angesichts dieser Phalanx fragt man sich, warum noch das Bundesinnenministerium zubutterte, auch wenn es grundsätzlich zu begrüßen ist, dass hierzulande endlich auch einmal ein kindertauglicher Spielfilm ordentlich budgetiert wird. Der von Günter Rohrbach produzierte Film lief mit einem Werbe-Etat von rund zwei Millionen Mark in rund 200 Kinos an und kann so mit mittleren Hollywood-Produktionen Schritt halten. Wir werden sehen, ob es sich gelohnt hat, dieses Mal nicht wie sonst bei deutschen Filmen üblich nur zu kleckern, sondern zu klotzen.

Reinhard Kleber

 

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