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Ausgabe 62-2/1995

DIE TOCHTER DES PUMA

PUMAENS DATTER

Produktion: Domino Film & TV-Produktion / Ulf Hultberg Film, Dänemark/Schweden 1994 – Regie: Ulf Hultberg, Åsa Faringer – Buch: Bob Foss, Ulf Hultberg, Åsa Faringer, nach dem gleichnamigen Roman von Monica Zak – Kamera: Dirk Brüel – Schnitt: Leif Axel Kjeldsen – Musik: Jacob Groth – Darsteller: Angeles Cruz, Geraldo Taracena u. a. – 101 Min. – Farbe – Verleih: atlas film / KJF (ab Herbst 1995)

Der Film von Ulf Hultberg und Åsa Faringer setzt gegenüber dem Roman andere Akzente. Ulf Hultberg ist durch die Nordischen Filmtage in Lübeck in Deutschland bekannt. Er arbeitet seit über 20 Jahren für das Schwedische Fernsehen, produzierte zahlreiche Sendungen für Kinder und Jugendliche und hat viele dokumentarische Spielfilme über die Situation der Kinder in der Dritten Welt gedreht, was für die Authentizität und Realität seines Spielfilms spricht. Zwischen 1988 und 1992 war Hultberg für das Kinderhilfswerk "Rettet die Kinder" als Generalsekretär für Mittelamerika tätig. Bei der Recherche und den Dreharbeiten wurde seinem Projekt die tatkräftige Unterstützung der guatemaltekischen Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu zuteil: "Der Film ist allen Flüchtlingen dieser Welt gewidmet, die vor dem Krieg fliehen."

Aus Sicherheitsgründen musste in Mexiko und mit mexikanischen Schauspielern gedreht werden, aber die Indianer, die im Film an den Massakerszenen beteiligt sind, sind Überlebende tatsächlicher Massaker in Guatemala. Sie halfen auch mit, die Kulissen und die Ausstattung des Films naturgetreu und so echt wie möglich zu gestalten.

'Aschna' heißt im Film 'Aschlop'. Die Handlung wird auch hier aus ihrer Sicht und mit einigen Rückblenden erzählt. Gegenüber der Romanvorlage ist Mateo bei der Flucht der Dorfbewohner in Guatemala zurückgeblieben. Seine Frau bekommt im Flüchtlingslager in Mexiko einen Jungen und Aschlop verspricht, ihren Bruder zu suchen. Der weitere Verlauf des Films folgt der Chronologie der Erzählung, wobei einige Personen und Episoden ausgespart bleiben. Dafür setzt der Film seinen ersten Schwerpunkt bewusst mit den effektvollen und schockierenden Bildern von dem Massaker in San Francisco. Von dieser Sequenz an wird er mit seiner an Vietnam-Filme von Coppola und Stone assoziierenden Dramaturgie und Ästhetik zu einem Polit-Thriller, der in der Tradition der Lateinamerika-Filme von Peter Lilienthal und Constantin Costa-Gavras steht. Im Focus des letzten Teils stehen die Aktionen der GAM, auf deren aktuelle Bedeutung dadurch eindringlich hingewiesen wird. Neu eingeführt ist die Rolle einer sich als Journalistin ausgebenden Frau, der sich Aschlop auf ihrem Weg in die City anvertraut. In Wirklichkeit aber arbeitet sie der Junta in die Hände. Aschlop wird verhaftet und gefoltert. Im letzten Augenblick kann sie ihrer Vergewaltigung und Erschießung entkommen. Es war ihr 'Nagual', der sie rettete.

Zur Aktualität des Themas

Das Ende des Films ist offen. In dem Buch von Monica Zak kehren Mateo und seine Schwester zu der Familie nach Mexiko zurück. In der Filmversion trifft Aschlop in der Hauptstadt ihren tot geglaubten Bruder, der unter einer anderen Identität weiterlebt, aber nicht mit nach Mexiko flieht, weil er im Widerstand aktiv bleiben will. Aschlop kehrt ohne ihn zurück. Unter Verzicht auf das Happy End des Romans werden mit diesem 'offenen Ende' das Thema des Films und sein Anliegen konkret: Es löst Betroffenheit aus, will den Zuschauer nicht in Sicherheit wiegen, sondern ihn motivieren und aktivieren. Die politischen Verhältnisse in Guatemala haben sich nicht wesentlich verändert, auch wenn im vergangenen Jahr die Friedensgespräche zwischen der Regierung und der Guerillaorganisation wieder aufgenommen wurden. Noch leben mehrere hunderttausend Vertriebene außerhalb des Landes. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden im ersten Halbjahr 1994 über 800 Verstöße registriert; 166 Menschen wurden ermordet. Die rechtsgerichteten Todesschwadronen bedrohen nach wie vor die demokratische Entwicklung des Landes.

Der Film "Die Tochter des Puma" ist dazu geeignet, uns diese Tatsachen vor Augen zu führen. Seine Schwächen sind zugleich seine Stärken: Keine hoch bezahlten Stars oder atemberaubenden Special effects; kein gestyltes Actionkino für das Meanstream-Publikum, sondern ein engagiertes, in der Sache parteiliches Pamphlet, an dem überwiegend die Betroffenen und nur wenige professionelle Schauspieler mitgearbeitet haben. Für die junge mexikanische Schauspielerin Angeles Cruz in der Hauptrolle als Aschlop war dies der ausschlaggebende Grund, bei diesem Film mitzuwirken. Sie kommt aus einem traditionellen Indianerdorf in Mexiko. In ihrem Land gibt es kaum Indianer, die Schauspieler sind; nur wenigen werden Rollen angeboten. Angeles Cruz: "Manchmal darf man Dienstmädchen in irgendeinem Fernsehfilm spielen. Es herrscht eine unglaubliche Diskriminierung von Indianern sowohl innerhalb des Theaters als auch außerhalb. Deshalb hätte ich nie zu träumen gewagt, dass es für mich eine solche Traumrolle geben würde. Ich meine eine große Rolle, die von meinem eigenen Volk handelt."

"Die Tochter des Puma" wurde in Skandinavien ein großer Erfolg. Bis Ende 1994 sahen allein in Schweden über 300.000 Jugendliche den Film, der auf den Festivals in San Sebastian, den Canary Islands und in Lübeck ausgezeichnet wurde. Hier erhielt er den Preis der Nordischen Filminstitute. In der Begründung der Jury (Christel Strobel, Renate Zylla, Horst Schäfer) heißt es u. a.: "Das aus der Perspektive der Protagonistin dargestellte Geschehen vermittelt Jugendlichen die Kraft und Zuversicht, auch angesichts auswegloser Situationen nicht aufzugeben. Die dem Ernst des Themas angemessene Darstellung von Gewalt wirkt dabei nicht spekulativ oder aufgesetzt, sondern soll nach Ansicht der Jury Jugendliche über 14 Jahre dazu sensibilisieren, zwischen realer Gewalt und Gewaltverherrlichung in den Medien zu unterscheiden." Der Film erhielt weiterhin eine Empfehlung der Filmauswahlkommission der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugendbehörden und kommt in gemeinsamer Herausgabe von Atlas Film/KJF und mit ausführlichem Begleitmaterial ausgestattet vom Herbst 1995 an auf den deutschen Markt.

Horst Schäfer

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 65-2/1996 - Interview - "Gewalt ist anstrengend, sie tut weh"
KJK 62-2/1995 - Film in der Diskussion - "Pumas Tochter": Ein Buch, ein Film, ein Projekt.

 

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