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Ausgabe 62-2/1995

"Pumas Tochter": Ein Buch, ein Film, ein Projekt.

(Film in der Diskussion zum Film DIE TOCHTER DES PUMA)

In Guatemala ist die Hölle los. Während der letzten dreißig Jahre sind dort mehr als 100.000 Menschen ermordet und mindestens 35.000 vom Militär festgenommen worden und spurlos verschwunden. 70.000 Indianer wurden in dieser Zeit umgebracht. "Pumas Tochter" erzählt von einer der größten und am wenigsten bekannten Tragödien des modernen Lateinamerikas. Die schwedische Schriftstellerin Monica Zak widmete ihr "halbdokumentarisches Buch" dem landwirtschaftlichen Kollektiv Colchaj Nac Luum in Guatemala. Sie hat niedergeschrieben, was ihr erzählt wurde. Die Geschichte ist authentisch; die geschilderten Gewalttaten sind wirklich begangen worden und durch zuverlässige Quellen bestätigt. Ausgangspunkt ist das schreckliche Massaker von San Francisco am 19. Juli 1982, von dem zwei Überlebende der Autorin berichten konnten. Das Material zu "Pumas Tochter" hat Monica Zak 1985 und 1986 in Guatemala und Mexiko gesammelt. Für die aktuellen Bezüge zur politischen Gegenwart war die Unterstützung dieses Vorhabens durch Mitglieder der GAM (Abkürzung für Grupo de Apoyo Mutuo; eine Organisation von Indianerfrauen und jungen Indianermädchen zur gegenseitigen Solidarität) besonders wichtig.

Das (in deutscher Sprache beim Boje Verlag Erlangen 1990 erschienene) Buch "Pumas Tochter" beginnt mit dem einsamen Entschluss des 14-jährigen Indianermädchens Aschna, nach dreijährigem Aufenthalt in einem Flüchtlingslager in Mexiko ihre Familie zu verlassen und nach Guatemala zurückzukehren, um dort ihre Großmutter und ihren älteren Bruder Mateo zu suchen. Bei dem illegalen und abenteuerlichen Grenzübertritt in dem unwegsamen Gebirge trifft sie erstmals ihr 'Nagual': ein Puma als Schutzgeist und ständiges Begleittier. Als sie ihr Heimatdorf Yalan erreicht, mischt sich ihre Freude mit den traurigen Erinnerungen, die mit diesem Ort verbunden sind.

Aschna blickt zurück auf Zeiten unbeschwerter Kindheit, die sie dort mit ihrer Familie verbrachte: die häuslichen Verrichtungen, die Spiele mit anderen Kindern, die aufregenden Marktbesuche, die langen Gebetswanderungen mit ihrem Großvater Juan und die Freundschaft mit ihrem gleichaltrigen Vetter Pasqual. Sie ist zehn Jahre alt, als ihr geliebter Großvater stirbt. Ein Jahr später erlebt sie, mit welchen brutalen Mitteln Schergen der Militärdiktatur nach Guerillas suchen und mutmaßliche Helfer bedrohen. Die Ereignisse spitzen sich zu. Ein fremder, sich auf der Flucht befindender Junge berichtet, dass die Soldaten in seinem Dorf – eine von einem katholischen Priester initiierte Landwirtschafts-Kooperative – ein Massaker anrichteten. Am Tag darauf kommen Guerillas nach Yalan. Ihr Anführer, wie die Dorfbewohner ein Chuj-Indianer, klärt über die  Mechanismen der Unterdrückung und Ausbeutung auf. Aber die ängstlichen Dorfbewohner sind froh, als die unerwünschten Besucher wieder abziehen. Nur Mateo nimmt Kontakt mit ihnen auf.

In diesen Tagen werden fünf junge Landarbeiter vom Gut San Francisco, die in der Stadt Nenton einkaufen wollten, von den Militärs getötet, weil diese die Namen von Guerillas herauspressen wollten. Aschna und Mateo – auf dem Weg in die Stadt – erleben mit, wie die Soldaten anschließend den Ort überfallen, rauben, plündern und morden. Aschna, die aus sicherer Distanz das Geschehen beobachtet und dabei den Kontakt zu ihrem Bruder verliert, will ihr Dorf warnen. Doch die Soldaten sind schneller und richten ein Chaos an. Fünfzig Männer werden als Geiseln mitgenommen; nur wenige von ihnen kehren am nächsten Tag zurück, um von der Erschießung der anderen zu berichten. Mateo taucht kurz auf und rät seinen Leuten, aus Yalan zu flüchten. Eine Panik bricht aus, über tausend Menschen verlassen ihre Heimat in Richtung Mexiko. Am Wegesrand liegen die Leichen von Freunden und Familienangehörigen, darunter auch die von Pasqual. Nach vier Tagen Flucht in ununterbrochenen Regenströmen erreicht Aschnas Familie die rettende Grenze.

Jetzt ist Aschna 14 Jahre alt und wieder in Yalan, das sich als ödes und leeres Geisterdorf präsentiert. Ihr Zuhause ist zerfallen, aber die Großmutter lebt noch. Am Grab ihres Großvaters erzählt Aschna von der Flucht nach Mexiko und ihren Albträumen. Es war für alle sehr schwer, sich eine neue Existenz aufzubauen. Aschnas Familie hatte Glück. Sie konnte den tristen Lageralltag eintauschen gegen das Leben und die Arbeit auf einer Ranch, die den Indianern als Projekt übergeben wurde und von hilfreichen Händen aus Schweden finanziell und materiell unterstützt wird. Als Mateo im Radio von den Zusicherungen der Regierung hört, mehr Demokratie zuzulassen und Flüchtlinge wieder aufzunehmen, will er sich an Ort und Stelle einen eigenen Eindruck verschaffen. Aber davon kehrt er nicht mehr zurück. Aschna sieht im Fernsehen Bilder aus der Hauptstadt ihres Landes: Kinder und Jugendliche demonstrieren mit Plakaten gegen ungerechte Behandlung und Benachteiligung. Ermutigt macht sie sich auf, ihren Bruder zu suchen.

Dies alles berichtet Aschna ihrem toten Großvater – und auch von ihrem Schutzgeist, dem Puma. Niemand in Yalan kann Auskunft über das Schicksal ihres Bruders geben. Angeblich haben Soldaten ihn gefangen genommen und verschleppt. Aschnas Ziel ist Guatemala-City, um dort die Wahrheit herauszufinden. Der strapaziöse Weg führt über San Mateo Ixtatán. Hier erlebt sie mit, wie sich die Einwohner gegen die Vernichtung der Wälder durch skrupellose Geschäftsleute auflehnen. Mit dem Bus geht es weiter zur City. Eine neue, beeindruckende Welt tut sich auf. Aschna lernt Maria Luz kennen, die in der GAM aktiv ist und vor dem Präsidentenpalast demonstriert. Auf konspirativen Wegen kann Aschna Kontakt mit der Führungsspitze der Organisation aufnehmen und ihren Bruder Mateo treffen, der aus dem Militärgefängnis entkommen konnte. Beide flüchten erneut nach Mexiko, wo die Familie auf sie wartet.

Horst Schäfer

 

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