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Ausgabe 124-4/2010

OSKAR UND DIE DAME IN ROSA

OSCAR ET LA DAME ROSE

Produktion: Pan Européenne Prod. / Studio Canal / Oscar Films / TF1 Films / Cinémaginaire / RTBF; Frankreich / Belgien / Kanada 2009 – Regie und  Buch: Eric-Emmanuel Schmitt, nach seiner gleichnamigen  Erzählung – Kamera: Virginie Saint-Martin – Schnitt: Philippe Bourgueil – Musik: Michel Legrand – Darsteller:  Amir (Oskar), Michèle Laroque (Rose), Max von Sydow (Doktor), Amira Casar (Oberschwester Gommette), Constance Dollé (Oskars Mutter), Jérôme Kircher (Oskars Vater) u. a. – Länge: 104 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Kinowelt – Altersempfehlung: ab 12 J.

Oskar ist schwer krank, er wird wohl nicht mehr lange zu leben haben. Er liegt in einem Hospital, in dem sich auch andere Kinder befinden, aber irgendwie lebt Oskar in seiner ureigenen Welt. Eines Tages besucht Rose das Haus und lernt den zehnjährigen Jungen kennen. Für Oskar ist sie nun fortan die Dame in Rosa. Einmal von der gleichaltrigen Peggy Blue abgesehen, für die Oskar ganz schön schwärmt, wird Rose immer mehr zu einer neuen Bezugsperson für den Jungen, der im jungen Alter schon am Ende seines Lebens steht. Eigentlich bringt Rose, die stets hektisch umher eilt, für ihre eigenen erwachsenen Kinder nie Zeit hatte, nur die frisch gebackenen Pizzen vorbei. Das wiederum hatte der altehrwürdige Hospitaldoktor Dr. Düsseldorf arrangiert, da Oskar eigentlich nur noch Rose sehen wollte. Irgendwann macht Rose Oskar einen Vorschlag, eine Art Spiel, das beider Leben ändern soll – das eine zumindest kurzfristig, das ihre nachhaltig: Oskar soll sich ab jetzt vorstellen, dass er an jedem einzelnen Tag so viel erlebt, wie andere in zehn Jahren. Pro Tag zehn Jahre. Sie weiß, warum sie mit ihm dieses Spiel spielen will. Und sie weiß auch, sie haben wenig Zeit. Es werden zwölf Tage werden. Zwölf Tage, an denen Oskar noch einmal leben darf. Es sind seine letzten Lebenstage.

Mit der Verfilmung seines eigenen Bestseller-Romans "Oskar und die Dame in Rosa" geht Eric-Emmanuel Schmitt das Wagnis ein, die schwierige Gratwanderung zwischen Sentiment und Pathos einerseits sowie zwischen Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit andererseits meistern zu müssen. Sie gelingt ihm, überwiegend. Denn so sehr die gewiss sentimentale Geschichte um den todgeweihten kleinen Oskar in einzelnen Momenten abzudriften droht, so sehr sind doch Inszenierung und Schauspieler darum bemüht, den Ernst dieses Sujets glaubhaft und unprätentiös umzusetzen. Schmitts sehr farbintensiver, bunter und auch humoriger Film verwebt dabei Ebenen des Traums mit jenen der Realität, das eine Element geht zuweilen in das andere fließend über. Dass diese tieftragische Geschichte um einen kleinen, im Sterben begriffenen Jungen nicht wirklich in Kitsch und Betroffenheitsgefühligkeit endet, liegt nicht zuletzt an den sehr präzise geführten und agierenden Schauspielern, allen voran Michèle Laroque ("Mein Leben in Rosarot", 1997) und der junge Amir. Rose wird die Werte, die Oskar ihr noch vermitteln kann, in ihr eigenes Leben übertragen und umsetzen. So brechen bei ihr familiäre Blockaden und Verkrustungen auf, die ohne Roses Begegnung mit Oskar wahrscheinlich weiterhin bestanden hätten. Oskar lebt auf diese Weise in Rose fort. Und so ist "Oskar und die Dame in Rosa" letztlich ein zutiefst humanistisches und anrührendes Plädoyer für mehr Zwischenmenschlichkeit und Wärme, in diesen modernen unterkühlten Zeiten, in denen genau das vollends verloren zu gehen scheint.

Thilo Wydra

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 124-4/2010 - Interview - "In unseren Städten versteckt man den Tod"

 

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