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Ausgabe 125-1/2011

DIE KINDER VON PARIS

LA RAFLE

Produktion: Légende Films / Gaumont / Légende des Sièecles; Frankreich 2010 – Regie und Buch: Rose Bosch – Kamera: David Ungaro – Schnitt: Yann Malcor – Musik: Christian Henson – Darsteller: Jean Reno (Dr. David Sheinbaum), Mélanie Laurent (Annette Monod), Gad Elmaleh (Schmuel Weismann), Hugo Leverdez (Jo Weismann u. a. – Länge: 115 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Constantin Film – Altersempfehlung: ab 14 J.

Der elfjährige Joseph Weismann, genannt Jo, freut sich wie alle anderen Kinder seines Viertels Montmartre in Paris auf die Sommerferien. Ausgelassen rennen sie durch die Gassen, spielen im Park – eine heiter scheinende Kinderwelt. Keine heile Welt, denn auch die Kinder tragen die gelben Judensterne und auch ihnen ist der Eintritt in den Park verboten. Jo und seine Freunde ahnen nicht, dass es ihre letzten unbeschwerten Kindertage sind. Auch die Erwachsenen können nicht glauben, dass ihr Leben in Gefahr ist, doch das Verbrechen ist von den deutschen Nazis beschlossen. Jos ältere Schwester Rachel beschwört die Eltern, mit der ganzen Familie nach Amerika zu gehen, ehe es zu spät ist. Der Vater, ein aus Polen eingewanderter Jude, fühlt sich aber sicher in Frankreich. Die Gerüchte verdichten sich, dass alle Juden in Listen erfasst und abgeholt werden sollen. Die Hausmeisterin verspricht auch nachts aufzupassen, um die Bewohner zu warnen.

Im Morgengrauen des 16. Juli 1942 beginnt eine gnadenlose Razzia. Männer, Frauen, Kinder, Schwangere, Alte und Gebrechliche müssen mit vorgeschriebenem Handgepäck ihre Wohnung verlassen. Dramen spielen sich ab, bevor die Transporte ihr Ziel erreichen. Es ist das "Vel' d'Hiv", ein überdachtes Radstadion mit vier Rängen, in dem siebentausend Menschen zusammengepfercht fünf Tage unter katastrophalen Bedingungen ausharren müssen. Die medizinische Versorgung ist minimal, der jüdische Arzt Dr. David Sheinbaum, und die evangelische Rotkreuzschwester Annette arbeiten bis zur Erschöpfung. Das Schicksal der Kinder berührt Annette tief, den mutterlosen kleinen Nono hat sie ins Herz geschlossen. Sie kann nicht glauben, dass es Menschen sind, auch Franzosen, die für dieses Leid verantwortlich sind. Hoffnung kommt auf, nachdem die Eingeschlossenen diesen entsetzlichen Ort verlassen können. Die Reise ins Ungewisse beginnt, die erste Station ist das in idyllischer Natur errichtete Barackenlager in Beaune-La-Rolande südlich von Paris. Hier kommt trotz aller Widrigkeiten fast so etwas wie eine sommerliche Leichtigkeit auf, eine kurze Episode vor dem unausweichlichen Transport nach Osten, dem eine Trennung der Familien vorausgeht. Jo's Mutter beschwört ihren Sohn zu fliehen, um sein Leben zu retten.

Joseph Weismann ist einer der wenigen Überlebenden, der nach vielen Jahren beschlossen hatte, nicht länger zu schweigen, wie sehr die Erinnerung auch schmerzt: "Mir ist es heute besonders wichtig, vor Kindern zu sprechen, egal ob sie jüdisch, katholisch oder moslemisch sind. Um ihnen zu erzählen, was ich mit elf Jahren, also in ihrem Alter alles erlebt habe."

Die Idee für diesen Film über die "Rafle du Vel' d'Hiv" (Razzia des Winter-Velodroms), einem dunklen Kapitel der französischen Geschichte, stammt vom Produzenten Ilan Goldman, der sich schon in jungen Jahren mit diesem Thema beschäftigt hatte. Filmemacherin Rose Bosch, mit Ilan Goldman verheiratet, recherchierte intensiv drei Jahre, traf Joseph Weisman und schrieb das Drehbuch für ihren fiktiven Spielfilm über dieses französische Trauma. Erst im Jahre 1996 wurde offiziell der Opfer gedacht, der damalige Staatspräsident Jacques Chirac sagte über den 16. Juli 1942: "An jenem Tag beging Frankreich, Heimat der Menschenrechte, einen nicht wieder gutzumachenden Schaden und lieferte seine Schützlinge an ihre Henker aus."

Rose Bosch hat ein breit angelegtes Epos geschaffen. Der Ensemblefilm nimmt sich fast zu vieler Schicksale an und versucht, auch die politischen Hintergründe  zwischen Wannseekonferenz, Vichy-Regierung und deutscher Besatzung  aufzuzeigen, was der Kraft und Intensität des Films abträglich ist. Unwillkürlich denkt man an Louis Malle's "Auf Wiedersehen Kinder", der seine Kindheitserinnerungen aus jener verhängnisvollen Zeit mit großer Eindringlichkeit inszenierte, ein Film, der noch lange nachwirkt – was den "Kindern von Paris" vermutlich nicht beschieden sein wird.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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