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Ausgabe 125-1/2011

NOWHERE BOY

Produktion: Ecosse Films / Film4 / UK Film Council / Aver Media / North West Vision; Großbritannien / Kanada 2010 – Regie: Sam Taylor-Wood – Buch: Matt Greenhalgh, nach dem biografischen Roman "Imagine This. Growing up with my brother John Lennon" von Julia Baird – Kamera: Seamus McGarvey – Schnitt: Lisa Gunning Musik: Will Gregory, Alison Goldfrapp – Darsteller: Aaron Johnson (John Lennon), Kristin Scott Thomas (Mimi Smith), Anne-Marie Duff (Julia Lennon), Thomas Brodie Sangster (Paul McCartney), David Morrissey (Bobby Dykins), David Threllfall (George Smith), Sam Bell (George Harrison) u. a. – Länge: 98 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Senator – Altersempfehlung: ab 14 J.

Ein Junge rennt auf die Kamera zu und stürzt beinahe. Ein langer Akkord ist zu hören. Wer die Beatles kennt weiß, dass nun "A Hard Day's Night" folgen wird. Wer die Filmgeschichte kennt weiß, dass zu diesem Lied auch Richard Lesters gleichnamiger Film aus dem Jahr 1964 beginnt, mit einem rennenden jungen Mann, der stürzt. Doch in "Nowhere Boy" folgt nichts auf diesen Akkord. Die Geschichte der Beatles wird nur beiläufig angespielt und entwickelt sich mit dem Wissen des Publikums. Denn im Vordergrund steht die Geschichte eines 15-Jährigen, der mit seiner Familie hadert und seinen Weg im Leben sucht. Dass dieser als John Lennon die Beatles mitbegründen wird, ist erst einmal Nebensache.

John ist 15 Jahre alt, als er zufällig erfährt, dass seine leibliche Mutter Julia nur wenige Straßen entfernt wohnt. Weil er nie verstanden hat, warum sie ihn vor zehn Jahren fortgegeben hat, will er sie besuchen – gegen den Willen seiner Tante Mimi, bei der John aufgewachsen ist. Mimi mag John, aber sie sorgt sich auch um ihn. Ihre Zuneigung verbirgt sie allerdings hinter strengen Vorschriften. Julia hingegen, Mimis Schwester, ist ganz anders: modern, lebensfroh und musikbegeistert. Sie selbst scheint nicht mehr so recht zu verstehen, weshalb John nicht bei ihr bleiben durfte – und so freut sie sich über den überraschenden Besuch ihres Sohnes und will viel Zeit mit ihm verbringen, obgleich sie mittlerweile eine neue Familie hat. John ist fasziniert von der Welt, die sich mit seiner Mutter eröffnet. Ausgelassenheit statt Strenge, Musik statt Schweigen – und natürlich Rock 'n' Roll. Bald beginnt John damit, Gitarre spielen zu lernen. Zum Konflikt mit Mimi allerdings kommt es, als sie ihm diese wieder wegnimmt, weil er damit zu viel Zeit vergeudet und sich nicht um das kümmert, was wirklich zählt im Leben.

Die Künstlerin Sam Taylor-Wood hat in ihrem Regiedebüt einen mutigen Ansatz gewählt, um eine Episode aus dem Leben einer Ikone zu erzählen. Sie konzentriert sich allein auf das Leben von John Lennon vor dem Ruhm und zeigt ihn als normalen Jugendlichen. Sicherlich, der Rebell kommt bereits zum Vorschein. John hält nicht viel von der Schule und macht sich mit bösen Comicstrips über seine Lehrer lustig, er genießt es, die Regeln zu brechen. Aber damit spiegelt er auch nur die typischen Versuche im Jugendalter, sich von den Erwachsenen zu lösen und einen eigenen Weg zu gehen. In einer besonderen Situation ist John, weil er sich plötzlich zwischen zwei Bezugspersonen wiederfindet – und weil er beide mag. Er sehnt sich nach Geborgenheit, und fühlt doch nur Unsicherheit in seiner Familie.

Gerade weil Lennon noch nicht der unnahbare Held oder das Idol einer Generation ist, sondern auf Augenhöhe gezeigt wird, eröffnet "Nowhere Boy" viele Identifikationsmöglichkeiten für ein jugendliches Publikum. Geschickt wird diese zeitlose und universelle persönliche Entwicklung zudem mit dem gesellschaftlichen Wandel in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren verknüpft. Der Rock 'n' Roll verändert plötzlich das Verhältnis zwischen den Generationen, prägt das Verhalten der Jugendlichen, die Umgangsformen und die Mode. Auch von dieser Aufbruchsstimmung erzählt der Film und ordnet ihn damit zugleich in die Geschichte der Pop- und Rockmusik ein. Und natürlich begründet Taylor-Wood mit ihrer Sichtweise darüber hinaus den Mythos der Beatles, indem sie John Lennons Jugendjahre als Initialzündung für seine musikalische Karriere interpretiert. Der Bandname muss dafür nicht ein einziges Mal fallen. Auch dann nicht, als John mit seiner neu gegründeten Band nach Hamburg aufbricht.

Stefan Stiletto

 

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