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Ausgabe 125-1/2011

RAPUNZEL – NEU VERFÖHNT

TANGLED

Produktion: Walt Disney Pic./Walt Disney Animation Studios; USA 2010 – Regie: Nathan Greno, Byron Howard Buch: Dan Fogelman, nach einem Märchen der Brüder Grimm – Schnitt: Tim Mertens – Musik: Alan Menken – Länge:101 Min. – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: WDS – Alterseignung: ab 6 J.

Wie der deutsche Titel schon vermuten lässt, bekommt man es hier mit einer sehr freien Adaption des Grimmschen Märchens zu tun, die mit neuesten Mitteln auftoupiert wurde, unter anderem mit der zurzeit (fast) unausweichlichen 3D-Technik. Geblieben sind das Mädchen mit den langen Haaren, das hohe, abgelegene Bauwerk, die böse Zauberin und der Prinz, der die holde Maid rettet – wobei der blaublütige (und braunäugige) Held hier ein Dieb ist, ein charmantes Schlitzohr namens Flynn Rider, der wohl nicht von ungefähr so aussieht wie Hollywoods liebster Pirat Errol Flynn und sich so behände zu bewegen weiß wie jüngst Jake Gyllenhaal als "Prince of Persia".

Auf der Flucht vor den Häschern – er hat gerade mal wieder nicht zwischen Mein und Dein unterscheiden können – rettet sich Rider in einen scheinbar verlassenen Turm und wird dort mit einem schwungvollen Bratpfannenschlag auf den Kopf empfangen. Die Titelheldin fesselt den Eindringling mit ihren Haaren an einen Stuhl und stellt ihre Forderungen: Sie will raus aus ihrem goldenen Käfig, die 18-Jährige, die die Freiheit nicht kennt, will zu jenem Ort, von dem aus jedes Jahr an ihrem Geburtstag helle Lichter in den Nachthimmel aufsteigen. Kein ungefährliches Ansinnen, wird doch Flynn von seinen ebenso starken wie tumben Ex-Kumpanen gejagt, während Rapunzels vermeintliche Mama Gothel die Zauberkraft des Mädchens braucht, um weiterhin ihre Jugend und Schönheit zu konservieren.

Byron Howard und Nathan Greno, die schon bei "Bolt – Ein Hund für alle Fälle" (2008) zusammen gearbeitet haben, zeichnen als Regisseure des 50. Animationsabenteuers aus dem Hause Disney verantwortlich. In Sachen Optik und Inhalt ist ihr Werk den bekannten Vorgaben des legendären Studiogründers und Zeichentrickpioniers Walt Disney verpflichtet, in Sachen Tricks und Action den Möglichkeiten des 21. Jahrhundert. In der Farbgebung herrschen Pastelltöne vor, Hintergründe und Orte – malerische Dörfer, finstere Wälder, strahlende Schlösser – sind der Romantik entlehnt, während Tempo und Timing auf das Videospiel-geschulte (Kinder-)Publikum zugeschnitten sind. "Indiana Jones" lässt grüßen, wenn Rapunzel ihr Goldhaar wie eine Peitsche einsetzt, das Paar durch eine Art Bergwerk hetzt oder ihnen das Wasser in einer Höhle bis zum Hals (und darüber) steht.

Düstere Szenen werden immer wieder mittels Komik aufgebrochen, an Slapstickeinlagen mangelt es nicht. So entpuppen sich die vermeintlich finsteren Gesellen eines Landgasthauses als veritable Tanz- und Sangeskünstler – Disneys Oscar-gekrönter Hofkomponist Alan Menken ("Arielle, die Meerjungfrau") hat wieder einmal den Ohrwurm-Soundtrack beigesteuert. Und es fehlen natürlich auch nicht die Sidekicks, die die meisten Lacher verbuchen: der imposante Schimmel Maximus, der nicht nur über enorme Sprungkraft nebst entsprechendem Ego verfügt, sondern auch als Spürhund reüssieren würde, sowie das vorwitzige Chamäleon Pascal, das alle Farben dieser Welt annehmen kann und gerne das Sagen hat.

Etwas schwach – wohl beabsichtigt, um die ganz kleinen Zuschauer nicht zu erschrecken – ist die böse Hexe Gothel, eine klassische Märchen-Stiefmutter, die den besten Song zum Besten geben darf. Programmatischer Titel: "Mutter weiß mehr". Insgesamt hätte man sich von diesem Jubiläums-Disney etwas mehr Originalität gewünscht, vor allem im zeichnerischen Bereich. Besonders Rapunzel mit ihrer Kindchenschema-Anatomie und den japanischen Animes verpflichteten Kulleraugen wirkt extrem hausbacken. Aber das wiederum dürfte dem Kinonachwuchs besonders gut gefallen.

Thomas Lassonczyk

 

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