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Ausgabe 125-1/2011

Unser Ziel ist es, dass junge Zuschauer sich etwas Mühe geben, etwas aus dem Film lernen und mit der Seele verstehen

Gespräch mit Pawel Fattachutdinow (Regisseur) und Irina Uralskaja (Kamera) über ihren Film "Der zwölfte Sommer"

(Interview zum Film DER ZWÖLFTE SOMMER)

Der Regisseur des Films "Der zwölfte Sommer", Pawel Fattachutdinow, wurde im Jahr 1952 in Swerdlowsk/ UdSSR (heute: Jekaterinburg) geboren. Fattachutdinow beendete 1974 sein Studium an der technisch-mathematischen Fakultät der Staatlichen Ural-Gorki-Universität und 1980 die Höheren Kurse für Drehbuchautoren und Filmregisseure von Gleb Panfilow in Moskau. Von 1975 an arbeitete er zunächst als Regieassistent, dann als Regisseur im Swerdlowsker Filmstudio. Seit 2005 ist Pawel Fattachutdinow bei Snega-Film in Jekaterinburg tätig. Er wurde durch den bekannten Filmregisseur Andrei Arsenjewitsch Tarkowski bzw. durch dessen Filme wie "Der Spiegel" inspiriert und beeinflusst. Fattachutdinow war von den Werken Tarkowskis als auch von dessen Persönlichkeit sehr beeindruckt. Unter anderem beteiligte er sich sogar an den Dreharbeiten von Tarkowskis "Stalker".
Altynai Djolochieva, Mitarbeiterin des Internationalen Filmfestivals für Kinder und junges Publikum "Schlingel", hatte während des Filmfestivals in Chemnitz am 3. Oktober 2010 die Gelegenheit, für die KJK mit dem Regisseur Pawel Fattachutdinow und seiner Kamerafrau Irina Uralskaja zu sprechen.

KJK: Wie sind Sie auf die Idee Ihres Films "Der zwölfte Sommer" gekommen?
Pawel: Im Filmgeschäft gibt es vier Probleme: erstens das Drehbuch, zweitens das Drehbuch, drittens das Drehbuch und viertens noch mal das Drehbuch (lacht). Nachdem wir Staatsmittel für den Film bekommen haben, waren wir nun mit dem Drehbuch beschäftigt. Wir haben es mehrmals umgeschrieben. Letztendlich hat uns Juri Klepikow, einer der hervorragendsten sowjetischen Regisseure, das Enddrehbuch geschrieben, mit welchem wir dann auch zufrieden waren.
Es gibt im Leben oft Begegnungen mit Menschen, die uns Flügel schenken, uns neue Horizonte eröffnen und uns fliegen lassen. Es ist ein großes Glück, wer solche Begegnungen in seinem Leben erlebt. Und in unserem Film wollten wir eine so ähnliche Geschichte erzählen, die unserem Mischka, dem Hauptdarsteller, passiert ist. Mischka ist ein zwölfjähriger Junge, der ganz neue Gefühle erlebt wie die erste Liebe, Enttäuschung und Schmerz. Er lernt Verantwortung zu übernehmen und beginnt erwachsen zu werden.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Irina Uralskaja, die beim Film als Kamerafrau tätig war?
Pawel: Irina Uralskaja war die Wunschkandidatin unseres ganzen Filmstudios, denn sie ist sehr flexibel, erfinderisch und hat immer die besten Ideen.
Irina: Als Kamerafrau allein hat man keinen großen Einfluss auf den Filmerfolg, wichtig ist es viel mehr, dass das ganze Team gut funktioniert. Am Anfang war ich skeptisch gegenüber dem Drehkonzept und war mit vielem nicht einverstanden. Aber im Drehprozess selbst habe ich allmählich eine Sympathie zum Drehbuch entwickelt. Der Film "Der zwölfte Sommer" ist voller Gefühle wie Trauer, Sehnsucht und Freude. Ich habe den Film vielleicht bereits zum 20. Mal angeschaut und ich mag ihn sehr.

An welchem Ort haben Sie Ihren Film gedreht?
Irina: Es war eine sehr lange Suche nach den Drehorten. Aber das ist der angenehmste Teil der Dreharbeit – die Drehortsuche. Dafür sind wir in den osteuropäischen Teil Russlands gereist, an die Uralgrenze, wo das Permskaja Oblast und Udmurtija liegen. Wir hatten bestimmte Anforderungen: Es sollte zum Beispiel ein großer Fluss sein. Jedes Detail der Natur sollte dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sich an etwas Bewegendes in seiner Kindheit zu erinnern. Uns hat die Natur des Permskaja Oblast sehr gefallen beziehungsweise der Fluss Tscherdan. Allerdings war dieser Ort von der Welt abgeschnitten, es gab dort keinen Strom, keine Telefonverbindung, und außerdem sollten die Hauptfiguren gemäß dem Drehkonzept baden und es war dort im Juli sehr kalt. Deshalb haben wir uns für den Fluss Kama weiter im Süden entschieden. Im Dorf Schoria wurde dann gefilmt. Für mich sind Natur, also Fluss, Wald sowie Felder lebendige Akteure und genauso wichtig wie Schauspieler.
Pawel: Das ist Irinas Verdienst. Sie kann als Kamerafrau die Natur zum Leben erwecken. Man kann die Natur auch gewissermaßen ‘tot’ filmen, aber Irinas Aufnahmen lassen die Natur im Film ‘lebendig’ wirken.

Das ist ja das Besondere an Ihrem Film, dass alles natürlich ist. Es wurden keine Computereffekte eingesetzt, richtig? War das Absicht?
Irina: Erstens war unser Filmbudget nicht so groß. Es musste ganz real und natürlich gefilmt werden, es waren keine späteren Nachbearbeitungen vorgesehen. Zweitens sollten ebenfalls die Szenen des Hauptdarstellers, in denen er träumt, ganz natürlich und nicht wie mit dem Computer erstellt wirken.

Genau das unterscheidet Ihren Film von anderen heutigen Mainstream-Filmen …
Pawel:  Es ist unser Prinzip, keine Computereffekte einsetzen zu wollen, denn wir möchten mit Kindern über ernste Sachen sprechen mit der Sprache der Seele, auf ganz natürliche Weise. Wir wollen Kinder und Jugendliche nicht unterhalten oder amüsieren, was das Hauptziel vieler heutiger Filmproduktionen ist. Unser Ziel ist es sozusagen, dass junge Zuschauer sich etwas Mühe geben, etwas aus dem Film lernen und mit der Seele verstehen. Und das ist schwer, denn heutige Filmzuschauer wollen sich nicht anstrengen, sie möchten nur unterhalten werden. Metaphorisch gesprochen geben wir Kindern etwas Härteres zu essen, denn wenn sie sich an Brei gewöhnen, fallen ihnen bald alle Zähne aus. Und dann ist es zu spät.

Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?
Irina: Die eigentlichen Dreharbeiten haben etwa einen Monat gedauert. Die Vorarbeit hat natürlich mehr Zeit in Anspruch genommen, genauso wie die Postproduktion mit Schnitt und Montage.

Worum geht es eigentlich im Film? Welchen Hauptgedanken, welche Hauptidee möchten Sie dadurch vermitteln?

Irina: Es geht um Gefühle wie die erste Liebe, der erste Verrat, den ersten tief empfundenen Hass. Diese intensiven Emotionen erlebt der zwölfjährige Hauptdarsteller Mischka in seinem zwölften Sommer zum ersten Mal. Für ihn beginnt eine neue Lebensetappe mit der Herausforderung, mit solchen Gefühlen im Leben umzugehen. Das Thema der Selbstentfaltung des Menschen, der Werdegang eigener Persönlichkeit steht also im Vordergrund des Films. Mischka ist in dem Alter, in dem man schwierige und mächtige Gefühle zum ersten Mal erlebt, die uns für das ganze Leben prägen und woran wir uns immer erinnern. Wir werden uns immer an die erste Liebe, die erste Freundschaft und auch an die ersten Feinde erinnern.
Pawel: Auch die Zahl Zwölf haben wir nicht zufällig gewählt. Sie hat etwas Mystisches. Das Jahr hat zwölf Monate, ein halber Tag zwölf Stunden und es gibt immer neue Anfänge nach zwölf. Wie bei Mischka endet mit zwölf seine Kindheit und eine neue Lebensetappe des Erwachsenwerdens beginnt.

Was bedeutet für Sie Kinderfilm? Wie definieren Sie Kinderfilm?
Pawel: Kinderfilm ist für uns ein Film, der Kindern einen Nutzen bringt, der Kindern etwas lehrt. Wir Eltern sind ja immer bestrebt, dass unsere Kinder vernünftiger, klüger, weiser als wir selbst werden und ihre Ziele im Leben erreichen, trotz aller Hindernisse. Dafür machen wir solche Filme.
Irina: Meiner Meinung nach ist unser großer Anspruch bei der Produktion guter Kinderfilme, dass diese sich nicht nur an ein junges Publikum richten, sondern alle Generationen ansprechen. Ich selbst schaue mir sehr gern Kinderfilme an und denke, dass unser Film "Der zwölfte Sommer" allen Spaß macht, Kindern als auch Eltern und Großeltern. Kinder haben wahrscheinlich genauso wie im Film dargestellt ihre erste Liebe erlebt, wurden genau so zum ersten Mal enttäuscht oder haben sich zum ersten Mal geprügelt. Und die Eltern werden an ihre Kindheit erinnert und auch bei den Großeltern werden bewegende Erinnerungen geweckt.

Interview: Altynai Djolochieva

 

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