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Ausgabe 125-1/2011

Wie ein junger Tarzan

Gespräch mit Timothy McCanlies zu seinem Abenteuerfilm "Alabama Moon"

(Interview zum Film ALABAMA MOON)

Auf dem "Schlingel"-Filmfestival 2010 in Chemnitz hat der US-Amerikaner Timothy McCanlies für die Independent-Produktion "Alabama Moon", eine Adaption des gleichnamigen Jugendromans von Watt Key von 2006, den "Juniorfilmpreis" gewonnen. 1953 in Texas geboren, arbeitete McCanlies seit 1986 vor allem als Drehbuchautor, aber auch als Producer. Am bekanntesten dürften seine Skripts für die erfolgreiche TV-Serie "Smallville" sein. Bereits 1999 hatte er mit dem Drehbuch zu dem viel gelobten Animationsfilm "Der Gigant aus dem All" auf sich aufmerksam gemacht. 1998 gab er mit "Dancer, Texas" sein Regiedebüt, es folgten "Second Hand Lions" (2003) und "The 2 Bobs" (2009). Über sein jüngstes Werk sprach er in Chemnitz mit Reinhard Kleber.

KJK: Drehbuchautor, Produzent, Regisseur – als was sehen Sie sich am ehesten?
Timothy McCanlies: Den größten Teil meiner Laufbahn habe ich als Drehbuchautor gearbeitet. Nach einigen Drehbüchern bin ich des Schreibens müde geworden. Einige Filme, die ich geschrieben habe, waren am Ende nicht so gut wie das Skript. Manchmal wurde das Buch nicht einmal groß geändert, es wurde einfach nur schlecht umgesetzt, was noch schlimmer ist. Ich sage daher: Ich bin ein Autor von Natur aus und ein Regisseur in Selbstverteidigung. Vor zwölf Jahren habe ich daher bei "Dancer, Texas" selbst die Regie übernommen. Das ist ein kleiner Film über Jungs, die in einer Kleinstadt in West-Texas aufwachsen. Danach habe ich nach einem eigenen Skript die Coming-Of-Age-Story "Second Hands Lions" mit Robert Duvall, Michael Caine und Haley Joe Osment inszeniert, das war ein großer US-Filmstart.

Würden Sie sagen, Sie sind auf Filme für Jugendliche spezialisiert?
Ich denke schon. "Alabama Moon" ist bei mir gelandet, weil die Produzenten Fans von "Second Hands Lions" waren. Wenn du gezeigt hast, dass du in einem Genre gut bist, ist es einfacher, dafür Folgeaufträge zu bekommen. Vor "Alabama Moon" habe ich "The 2 Bobs" gedreht, eine Low-Budget-Teenager-Komödie mit 'schmutziger' Sprache und krassen Scherzen, die ab 17 Jahren oder mit Erwachsenenbegleitung freigegeben ist. Beim Drehen sagten Mitglieder meines Teams, die mit mir schon früher gearbeitet haben: "Ich kann nicht glauben, dass das Tim ist. So viele krasse Scherze." Ich habe ihnen gesagt: "Ich musste mal aus der Spur heraus, damit ich dann zu den Familienfilmen zurückkehren kann."

Was hat Sie an diesem Stoff gereizt?

Meine vorherigen Filme habe ich auch geschrieben. Das Muster war, dass es mich Jahre gekostet hat, das jeweilige Skript auch umzusetzen. Bei "Alabama Moon" hat mich der Produzent angesprochen und gesagt: "Ich habe ein Drehbuch und das Geld und möchte in einigen Monaten drehen. Willst du Regie führen?" Während ich sonst darum kämpfen muss, den Regiestuhl zu übernehmen, wurde er mir nun direkt angeboten. Ich habe das Skript gelesen und auf Anhieb gemocht, das Buch gefiel mir aber besser. Vom ersten Telefonanruf bis zur ersten Klappe vergingen am Ende nur einige Monate, vor allem weil das Budget unbedingt noch in diesem Jahr ausgegeben werden sollte.

Was unterscheidet eine solche Independent-Produktion von einem großen Hollywood-Film?
In den Hollywood-Studios denkt man nicht einmal in den Begriffen eines Familienfilms mit Kids zwischen 12 und 14 in den Hauptrollen, was ich sehr seltsam finde. Das habe ich aber gerade an diesem Stoff geliebt. Dazu kommt ein anderer Aspekt. Heutzutage wachsen Kinder so beschützt auf. Als ich ein Kind war, konnte ich vom Fahrrad springen und den ganzen Tag verschwinden. Heute sitzen Kinder zuhause, bis sie zum Fußballtraining gehen müssen, zumindest in den USA. In diesem Roman und auch dem Film ist der Junge auf sich gestellt, er wartet nicht auf seine Mami, die ihn herumfährt, er ist selbst für sein Leben verantwortlich.

In "Alabama Moon" kommen ja kaum Mädchen oder Frauen vor, ist es ein Jungs-Film?
Ja, vor allem Jungs mögen ihn. Moon weiß sich zu helfen, er ist in den Wäldern zuhause und wirkt wie ein junger Tarzan. Und als der Polizist ihn verfolgt, erweist sich Moon als cleverer. In diesem Kontext ist es realistisch, dass ein Junge wie er einen Erwachsenen überlisten kann.

Wie reagieren Mädchen auf den Film?
Sie genießen den Film und mögen die jungen Darsteller. Vor allem Gabriel Basso, der den gutaussehenden Hal spielt, kommt bei ihnen gut an. Es ist lustig, aber alle drei Jungdarsteller spielen inzwischen tragende Rollen in US-Serien. Das bedeutet mir viel.

Hat Ihr Film ihnen geholfen?
Ich denke schon, vor allem Gabriel, der vorher noch nicht viel gedreht hat. Jimmy Bennett, der Moon verkörpert, war schon in vielen Filmen zu sehen. Vor einigen Jahren hat er in dem Star Trek-Film den jungen Captain Kirk gespielt.

Wie ist es Ihnen gelungen, einen Hollywood-Star wie John Goodman zu gewinnen?
Da hatte ich Glück. Es blieben mir ja nur ein paar Monate bis zum Drehbeginn, so dass ich nicht die Zeit hatte, viele Schauspieler anzusprechen und mir Absagen zu holen. Da wir in New Orleans drehen sollten, habe ich John kontaktiert, der dort wohnt. Er konnte von zu Hause aus arbeiten, was ein großer Vorteil ist. Außerdem habe ich versucht, seine Rolle, die nicht groß war, gut zu gestalten. Bei einem Star wie ihm versucht man, seine Szenen zusammenzufügen. Das gelang uns, so dass er alle seine Szenen in einem Fünf-Tage-Block drehen konnte. Er fand das Skript gut und sagte zu. Und so reiste er montags an und freitags ab.

Wie haben Sie die drei jungen Hauptdarsteller gefunden?
Durch ein aufwändiges Casting in Los Angeles. Von Jimmy Bennett hatte ich gehört, weil er schon so viel gespielt hat. Er hat unter anderem 2009 in Austin, wo ich lebe, in dem Film "Shorts" von Robert Rodriguez mitgespielt. Als das Angebot zu "Alabama Moon" kam, habe ich sofort an ihn gedacht. Ich habe mir aber auch Hunderte von Mappen von Jungs angeschaut und Dutzende von ihnen persönlich getroffen, um einen Überblick zu bekommen. Gerade in Los Angeles gibt es so viele junge Darsteller, die wirklich gut aussehen, wie Models. Für die Rolle habe ich aber einen Jungen gebraucht, der sich schmutzig macht und rauflustig ist, ein bisschen wie Huckleberry Finn. Auch die Figur von Kit war schwierig zu besetzen, weil der sympathisch wirken muss, aber auch kränklich aussehen soll. Als Uriah Shelton ins Büro kam, hat er mich umgehauen. Er dachte, er soll für Moon vorsprechen, und war auf die Rolle Kit nicht vorbereitet. Als ich ihm vorgeschlagen habe, Kit zu spielen, sagte er nur: "Sicher, klar." Er hat Kits Dialoge gesprochen und war großartig.

Mit welchem Musikkonzept haben Sie gearbeitet?
Der Junge hat im Wald kein Radio, er kennt also keine populäre Musik. Hits oder Songs sind keine Bestandteile seiner Welt. Ich habe den befreundeten Komponisten Ludek Drizhal angesprochen, der aus der Tschechoslowakei stammt und in Austin lebt. Er hat den Score komponiert und ihn in Budapest aufgenommen. Ich wollte keine Filmmusik, die den Zuschauern ins Gesicht springt. Sie sollte nicht zu manipulativ sein, sondern evokativ sein und das Publikum auf halbem Weg treffen. Nach meiner Ansicht ist eine Filmmusik gut, wenn man sie fast nicht wahrnimmt.

Interview: Reinhard Kleber

 

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