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Ausgabe 127-3/2011

Eine Welt voller Abhängigkeiten

Gespräch mit Lisa Aschan, Regisseurin des Films "She Monkeys"

(Interview zum Film SHE MONKEYS)

Im 14plus-Wettbewerb der diesjährigen Berlinale stellte Lisa Aschan ihr Spielfilmdebüt "Apflickorna/She Monkeys" vor. Beim Filmfestival in Göteborg wurde der Film mit dem Dragon Award ausgezeichnet, die 14plus-Jury ehrte ihn mit einer Lobenden Erwähnung: "Gefühle zeigen macht verletzlich. Wer verletzlich ist, verliert die Kontrolle. Ein Spiel zwischen Liebe und Macht. Ein Film, der verwirrt und verstört, einen gleichsam erkalten und erstarren lässt, der eine Lawine von Gedanken, von Fragen, aber auch von Antworten aufwirft." Lisa Aschan wurde 1978 in der südschwedischen Stadt Ängelholm geboren. Sie studierte Französisch und Fotografie in Toulouse, besuchte dann die Stockholmer Filmschule, arbeitete als Regieassistentin und schloss ihr Filmstudium 2001-05 an der Dänischen Filmschule ab. Sie hat für das Dänische Fernsehen gearbeitet und erstmals 2004 mit ihrem Kurzfilm "Fuck The Rapist" international Aufmerksamkeit erregt.

KJK: Wie ist die Idee zu Ihrem Film "Apflickorna/She Monkeys" entstanden?
Lisa Aschan: Es begann alles mit drei Dingen: Zuerst war da ein Foto von einem kleinen Mädchen im Bikini, das an einem Eis schleckt; dann hatten wir noch ein Foto von dem amerikanischen Kinderstar Shirley Temple und schließlich das Buch "L'histoire de l'oeil" von Georges Bataille. Mit diesen drei Dingen sind meine Co-Drehbuchautorin Josefine Adolfsson und ich ans Schreiben gegangen: Aus den Bildern und den literarischen Anregungen haben wir Szenen entwickelt. Mit diesen Szenen haben wir dann die Struktur der Geschichte herausgebildet.

Für den französischen Sexualphilosophen Georges Bataille spielt das Auge in vielerlei Hinsicht eine Rolle. Bei Ihrem Film sind es zum einen die Augen des Zuschauers, aber auch die Augen von Cassandra, die das Mädchen Emma bei der ersten Begegnung betrachten, mit einem Blick voller Bewunderung und dem Wunsch der Eroberung ...

... aber es geht nicht nur um Blicke und das Auge, sondern auch um die Philosophie und die Entdeckung einer Welt voller Abhängigkeiten. Mir hat jemand nach der Vorführung gesagt, dass er durch den Film einen tiefen Einblick in eine für ihn neue Welt gewonnen hat.

Für mich ist es ein Sexfilm, auch wenn es keine Sexszenen gibt, denn in Ihrem Film herrscht permanent eine sexuell aufgeladene Stimmung ...
... ja, das ist eine Fragestellung, mit der wir uns auch beschäftigt haben, denn Macht und Kontrolle haben auch immer mit Sexualität zu tun, es geht um Abhängigkeiten, um Zuneigungen oder um Abwehr.

Sehen Sie Ihren Film auch als eine Reaktion auf die allgegenwärtigen Sexbilder in Werbung, Musik und Internet?

Wir wollten diese äußeren Einflüsse nicht zeigen, uns geht es vielmehr darum aufzuzeigen, was diese Einflüsse bei den Menschen auslösen, wie sie das Handeln beeinflussen. Und diese Bilder, die wir alle mehr oder weniger kennen, müssen nicht noch einmal gezeigt werden. Mir geht es um die Auswirkungen dieser Bilder, welche Macht haben sie gewonnen und wie bestimmen sie unser Handeln. Ich will nicht noch einmal zeigen, was man schon gesehen hat.

Es gibt ganz unterschiedliche Interpretationen Ihres Films, eine davon lautet, dass Emma und Cassandra womöglich nur eine Person ist. Was halten Sie davon?
Darauf möchte ich keine Antwort geben. Ich habe diesen Film mit bestimmten Absichten gemacht, welche Ansichten er bei den Zuschauern auslöst und was sie sich vorstellen, wenn sie ihn gesehen haben, finde ich sehr interessant, aber ich will das nicht kommentieren. Es gibt eben viele verschiedene Sichtweisen auf einen Film, ich habe da auch schon ganz andersgeartete Auslegungen gehört – und für mich ist es schön, wenn der Film zu solchen Reaktionen führt. Aber Antworten dazu – ob zustimmend oder ablehnend – gibt es von mir nicht.

Das kleine Mädchen Sara ist in einer sehr heiklen Szene zu sehen, wenn sie als Siebenjährige versucht, ihren zehn Jahre älteren Cousin zu verführen. Wie schwer war die Szene für das Mädchen und wie schwierig war es, dies zu inszenieren?
Das war überhaupt nicht schwierig: Ich habe Isabella Lindquist, die die Sara darstellt, einfach gesagt, was sie machen soll – und das hat sie getan. Es ist ganz leicht, mit einem Kind eine Szene zu drehen, denn da gibt es eine natürliche Spielfreude, da muss ich gar nicht so viel dazu tun. Was bei meinem Film wirklich schwer zu inszenieren war, sind alle Szenen mit den Pferden, denn Tiere halten sich nicht immer an Regieanweisungen, auch wenn sie noch so gut trainiert sind. Und diese Stunts waren zum Teil auch gefährlich, das war wirklich eine Herausforderung.

Wenn die Szenen mit den Pferden so kompliziert waren, war es sicher auch nicht leicht, die beiden Hauptrollen zu besetzen. Wie haben Sie die jungen Darstellerinnen gefunden?
Das war ein langer und auch langwieriger Prozess, wir haben Anzeigen veröffentlicht, aber auch im Internet einen Aufruf gestartet. Danach hatten wir eine Vielzahl von Bewerberinnen, aber die einen waren eher sportlich begabt und die anderen eher schauspielerisch, doch wir benötigten für die schwierigen Szenen mit den Pferden unbedingt Mädchen, die ebenso sportlich wie schauspielerisch begabt sind. Eigentlich erfordert es ein bis zwei Jahre Training, um gut reiten zu können, aber Mathilda Paradeiser und Linda Molin haben das in nur drei Monaten geschafft – und sie haben es für den Film hervorragend eingesetzt.

Sie haben den Film beim Festival in Göteborg und bei der Berlinale gesehen: Waren die Reaktionen des Publikums verschieden?
In Göteborg war es die Premiere, die erste Aufführung überhaupt, das war natürlich aufregend, aber die Vorstellung bei der Berlinale war überwältigend, die Begeisterung des Publikums hat mich tief beeindruckt. In Göteborg hatten wir ein eher erwachsenes Publikum und hier in Berlin waren viele junge Leute dabei. Ich habe gespürt, dass sie meinen Film mochten – und sie haben auch oft so reagiert, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Würden Sie den Film als Jugendfilm bezeichnen?
Nein, für mich ist es ein Film, den alle Altersklassen sehen können – vom Teenager bis zu Sechzig- oder Siebzigjährigen. Das war eine Entscheidung der Berlinale, den Film als Jugendfilm zu präsentieren.

Ich habe den Film beim ersten Ansehen als ernsthaftes Drama gesehen und war überrascht, dass während der Premiere bei der Berlinale oft gelacht wurde ...
... das hat mich sehr erfreut, denn es zeigt, dass das Publikum überrascht wurde. Ich konnte beim Filmemachen nur hoffen, dass über die Absurditäten in den Beziehungen auch gelacht wird, denn ich fand auch vieles zum Lachen und wollte einen Film machen, der das Publikum amüsiert.

Interview: Manfred Hobsch

 

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