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Ausgabe 92-4/2002

"Die Produktion hat mir viele Türen aufgehalten"

Gespräch mit Karola Hattop und Heinrich Schafmeister

(Interview zum Film WIE VERLIEBT MAN SEINEN VATER?)

Anlässlich der Premiere des Films "Wie verliebt man seinen Vater" beim 20. Kinderfilmfest München im Juli 2002 sprachen wir mit der Regisseurin Karola Hattop (Jahrgang 1945) und Heinrich Schafmeister (Jahrgang 1957), der den Vater im Film spielt.

KJK: Nach elf Jahren wieder ein Kinderfilm von Karola Hattop – warum die lange Pause?
Karola Hattop: "Ich habe mich dagegen gesträubt, weil ich dachte, dass man unter den derzeitigen Bedingungen keinen Kinderfilm mehr machen kann. Aber meine Produzentin Ingelore König (Kinderfilm GmbH, Erfurt) hat nicht locker gelassen.

Wie waren die Drehbedingungen?
Karola Hattop: "Beim letzten Kinderfilm ("Der Elefant im Krankenhaus", 1990) hatten wir 44 Drehtage; da kann man beruhigten Gewissens mit Kindern arbeiten. Jetzt hatten wir insgesamt nur 29 Drehtage. Es ist sehr schwierig, in so kurzer Zeit mit Kindern zu arbeiten. Kinder haben ja Emotionen, aber der Drehplan muss nach dem Gesetz ausgerichtet sein. Das ist ziemlich belastend und nicht ohne Probleme. Aber der Spaß beim Drehen hat manches leichter werden lassen."

Wie wurden die Kinder ausgewählt?
Karola Hattop: "Der Kinderkanal startete zusammen mit der Kinderfilm GmbH einen Aufruf. Viele Kinder meldeten sich und die Mitarbeiter von der Produktion schauten sich alle an, machten Bemerkungen dazu wie: Traut sich zu, den Namen laut zu sagen. Dann testete eine Casting-Agentur die Kinder. Danach habe ich sie mir persönlich angeguckt, machte Spielproben, erarbeitete Szenen und fand die Hauptdarstellerin. Aber den Jungen fand ich lange nicht. In Babelsberg gibt es die Agentur 'Gesichter', die ich gut kenne: Haben Sie einen Jungen, der gut sein könnte? – Ja, haben wir, der ist zwar schon dreizehn, sieht aber jünger aus. Nach dem Casting mit ihm waren wir auf Anhieb begeistert. Dann trafen Marie Luise Stahl (Elsa) und Sven Lubeck (Julius) zusammen, ich hatte Glück, sie sind ein gutes Team.“

Das hört sich locker an ...
Karola Hattop: "Nein, so einfach wie viele denken ist es nicht. Wenn es wirklich ums Arbeiten geht, trennt sich die Spreu vom Weizen. Die zehnjährige Marie Luise Stahl hat zum ersten Mal in einem Film gespielt und war sehr aufgeregt. Aber nach zwei Tagen wusste sie, wo es lang geht und war eine tolle 'Kollegin'. Die Kinder sind wirklich sehr gut."

Herr Schafmeister, Sie haben schon mehrfach im Kinderfilm mitgewirkt, zum Beispiel in "Der Bär ist los", "Pinky und der Millionenmops ", "Wie erzieht man seine Eltern" – und jetzt spielen Sie die erwachsene Hauptrolle in "Wie verliebt man seinen Vater". Schön dass Sie keine Berührungsängste mit dem Kinderfilm haben ...
Heinrich Schafmeister: "In einem Kinderfilm zu spielen ist etwas Spezielles. Man muss wissen, dass man neben Kindern keinen Blumentopf gewinnen kann. Im Kinderfilm ist man immer nur zweiter Sieger. Man kann viel von den Kindern lernen. Ich kann im Kinderfilm Szenen spielen, die sonst nicht gehen, kann selber kindlicher sein. Zum Beispiel die kleine Geschichte mit der Bäckerin, die finde ich schön. Das sind Freiheiten."

Im Original heißt das Buch von Malika Ferdjoukh, das dem Film zugrunde liegt, "Rosa Wangen" – ein schöner Titel. Warum die Veränderung in "Wie verliebt man seinen Vater"?
Karola Hattop: "Ich bin auch eher für poetische Filmtitel, aber es gab einen Vertrag mit dem Rechteinhaber. Ich hatte keinen Einfluss darauf. 'Rosa Wangen' hätte auch mir besser gefallen.

Als Regisseurin arbeiten Sie gerne mit dem Nachwuchs – auch hinter der Kamera?
Karola Hattop: "Mit Konstantin Kröning, einem jungen Absolventen der Babelsberger Filmhochschule, fand ich einen phantasievollen, verrückten, liebevollen Menschen, der mit mir Spaß daran hatte, die Kinderwelt zu sehen. Wir wurden selber zu Kindern."
Heinrich Schafmeister: "Der Umgang mit Kindern ist wirklich etwas Besonderes. Ich finde es eine Gratwanderung, nicht nur künstlerisch, sondern fast auch moralisch. In erster Linie ist es Arbeit in einer Erwachsenenwelt, wo auch die Fetzen fliegen. Es ist ja nicht so, dass wir sagen, wir gehen spielen. Das heißt, dass der Jugendschutz sehr berechtigt ist. Er versucht ja nur etwas zu umkreisen, was man mit dem Gesetz gar nicht schaffen kann. Eigentlich haben Kinder in dieser Arbeitswelt nichts zu suchen. Eine ganz schwierige Situation, da das möglichst Optimale herauszuholen. Man muss den Kindern Zeit lassen, auf der anderen Seite ist der starke wirtschaftliche Druck."
Karola Hattop: "Bei meinem Film 'Elefant im Krankenhaus' konnte man bei 44 Drehtagen auf die Befindlichkeit der Kinderdarsteller noch in anderer Weise eingehen. Der wirtschaftliche Druck bei dem jetzigen Film war spürbar, den wollten wir nicht an die Kinder weitergeben. Ich bin dem Team sehr dankbar, dass alle mitgezogen haben."
Heinrich Schafmeister: "Aber einfach ist das nicht. Es gab zum Beispiel eine Diskussion über Coaching von Kinderdarstellern. Einer war froh, dass ein Coach da war, der andere fand's überflüssig. Ich finde es gut, weil der Coach für eine gewisse Konzentration sorgt und auch die Kinder schützt. Kinder sind klein, da schaut man schon mal drüber hinweg und ist schnell dabei, sie zu überfordern. Marie Luise Stahl hatte mehr Schwierigkeiten, weil sie zum ersten Mal eine Rolle im Film spielte und sie auch jünger war. Aber wir haben versucht, es den Kindern schön zu machen und haben auch mit ihnen nach der letzten Einstellung gefeiert."

In der DDR machten Sie sich einen Namen als Kinderfilmregisseurin. Worin zeigten sich dort die kinderfreundlicheren Bedingungen?
Karola Hattop: "Die größere Anzahl der Drehtage hatte etwas für sich, die lange Vorbereitungszeit ebenso. Aber immerhin: Wir haben bei 'Wie verliebt man seinen Vater' durchgesetzt, dass im Studio die Wohnung für den Film gebaut wurde. Das hat uns vieles erleichtert. Das war ein bisschen wie in der DDR. Aber wir mussten auch viel improvisieren. Da bin ich stolz, dass ich mein Handwerk beherrsche."

Wie kamen Sie überhaupt an diesen Stoff?
Karola Hattop: "Meine Produzentin hat ihn mir angeboten, aber das Drehbuch gefiel mir nicht. Wir redeten darüber, ich sagte, dass ich gerne diese oder jene Änderung hätte. Da ich selbst keine Zeit hatte, wurde Gabriele Herzog hinzugezogen, eine erfahrene Dramaturgin. Die Produktion hat mir viele Türen aufgehalten, hat an den Stoff geglaubt und an mich. Denen ging es wirklich um die Geschichte, was heute nicht überall der Fall ist. Vielen ist der Filminhalt egal, wichtig ist nur, was unterm Strich rauskommt. Man fühlt sich ständig unter Druck. Doch bei dieser Produktion fühlte ich mich so wohl wie selten, obwohl ich sehr viel gearbeitet habe."

In München lief der Film im Digibeta-Format. Wird es auch Filmkopien geben?
Karola Hattop: "Wir drehten auf Super 16 mit der Option, dass der Film ins Kino kommt. Wenn wir Geld für eine Kopie aufbringen, wird das der Fall sein. Aber erst mal ist er im Fernsehen zu sehen, voraussichtlich am 1. Januar 2003."

Interview: Gudrun Lukasz-Aden und Christel Strobel

 

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