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Ausgabe 67-3/1996

KRÜMEL HAT FERIEN

KRUMMERNE 3 – FARS GODE IDE

KRÜMEL HAT FERIEN

Produktion: Regner Grasten Film / Nordisk Film / The Danish Film Institute; Dänemark 1994 – Regie: Sven Methling – Buch: John Stefan Olsen, nach einem Roman von Thoger Birkeland – Kamera: Peter Roos – Schnitt: Maj Soya – Musik: Michael Hardinger, Rasmus Schwenger – Darsteller: Benjamin Rothenberg-Vibe (Krümel), Dick Kaysoe (Krümels Vater), Karen-Lise Mynster (Krümels Mutter), Line Kruse (Stine), Lukas Forchhammer (Grunk) u. a. – Länge: 88 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Beaufilm München (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Innerhalb kürzester (Kino-)Zeit ist man zum dritten Mal zu Gast bei der leicht chaotischen, aber liebenswerten Familie der Krümelborgs. Während sie weiterhin Schwierigkeiten hat, sich in ihrem neuen Haus einzuleben, fühlt der Zuschauer sich gleich heimisch im Kreis der vertrauten Gesichter und Probleme. Man stutzt zwar ein wenig, als ein neuer Darsteller der Titelfigur die Szene betritt – sein "Vorgänger" (Laus Hoybye) war förmlich aus der Rolle des Krümel herausgewachsen –, aber Benjamin Rothenberg-Vibe ist als Typ so gut getroffen und spielt mit der gleichen lausbubenartigen Frische seinen Part, dass der Wechsel kaum auffällt.

Diesmal träumen die Krümelborgs vom Urlaub im Süden und leihen sich von Herrn Svendson, dem Hausmeister ihrer früheren Wohnung, eine Campingausrüstung. Dass Vaters Rostlaube die 4000 Kilometer nach Griechenland nicht durchhalten wird, ist eigentlich klar, und so campiert man schließlich im eigenen Garten. Aber da das Zelt auch nicht besser in Schuss ist als das Auto, endet schon die erste Nacht im gewohnten Chaos. Weil man aber nicht zurück ins Haus ziehen kann, weil Mutter gerade den Parkettboden versiegelt hat, wird beschlossen, in die eben frei gewordene ehemalige Mietwohnung zu ziehen. Hier schlägt der kleine Grunk dann fleißig die Zelt-Heringe in den Estrich, und schon flammt der alte Streit mit Frau Olsen wieder auf, zumal ausgerechnet deren noch biestigere Zwillingsschwester Krümelborgs frühere Wohnung beziehen will. Und natürlich sind auch die dämlichen Gangster Ivan und Boris wieder mal aus dem Gefängnis ausgebrochen. Aber Krümel macht ihnen zum dritten Mal einen Strich durch die Rechnung und kommt anschließend in letzter Minute auf den Fußballplatz, um für seine Schulmannschaft den entscheidenden Siegtreffer zu schießen. Ende gut, alles gut: Krümel bekommt einen Kuss von seiner angebeteten Yrsa, die Krümelborgs verkaufen ihr Haus an Frau Olsens Zwillingsschwester und ziehen zurück in ihre alte Wohnsiedlung.

Wie schon in "Frech wie Krümel" und "Krümel im Chaos" (beide Filme im 35mm-Verleih von Beaufilm) vereint auch die dritte Folge der Krümel-Trilogie alle Vorzüge des skandinavischen Kinderkinos: die Schilderung alltäglicher (Familien-)Probleme auf einer von Humor und Verständnis für die Figuren getragenen Basis, gepaart mit Lösungsvorschlägen, die nie den pädagogischen Zeigefinger bemühen. Auch die Spannung kommt zu ihrem Recht, versetzt die jungen Zuschauer aber nicht in Angst und Schrecken, sondern bietet ihnen Auswege an, die nachzuvollziehen sind. Man fühlt sich schon wie ein guter Nachbar der Krümelborgs, der dem leicht chaotischen Treiben der Familie zuschaut, ohne das Gefühl zu haben, ein Voyeur zu sein. Es ist eher ein Blick in die eigene Kindheit oder die Träume, wie sie hätte sein können, und auch eine Erinnerung an die Filmerlebnisse mit Michel aus Lönneberga, die Kinder aus Bullerbü, an die Villa Kunterbunt und an die aufregend lustigen Abenteuer der Olsen-Bande, die uns hier in zeitgemäßer Form wieder begegnen.

Da trifft sich die eigene Phantasie mit der von Krümel, der einfach die Arme ausbreitet, die Augen schließt und sich an den gewünschten Urlaubsort träumt. Dass er von diesem "Ausflug" nicht enttäuscht zurückkommt, sondern mit Familie und Freunden die Ferien zu Hause genießt, dürfte gerade jenen Kindern, deren Eltern sich keine kostspieligen Reisen leisten können, die Angst nehmen, sich als Außenseiter zu fühlen. So gibt Krümel dem Zuschauer zum Abschied doch noch eine (pädagogische) Botschaft mit auf den Weg, vor allem aber regt er an, den kleinen Widrigkeiten des Lebens mit Humor, Gelassenheit, Ehrlichkeit, Phantasie und einer liebevollen Solidarität gegenüber den Schrullen der eigenen Familie zu begegnen. Schade, dass man Krümel nicht dabei beobachten kann, wie er erwachsen wird: Er hätte sicherlich noch viel Bedenkenswertes mitzuteilen.

Rolf-Rüdiger Hamacher

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 67-3/1996 - Kinder-Film-Kritik - Krümel im Chaos

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.KRÜMEL HAT FERIEN im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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