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Ausgabe 67-3/1996

DIE WINTERBUCHT

VINTERVIKEN

Schweden 1996 – Regie: Harald Hamrell – Buch: Sara Heldt und Harald Hamrell, nach dem Jugendroman "Vinterviken" von Mats Wahl – Kamera: Roland Sterner – Musik: Sophie Zelmani u. a. – Darsteller: Lina Englund (Elisabeth), David Tainton (John-John), Peter Haber und Anki Lidén (Elisabeths Eltern), Jeanette Eklinder (Elisabeths kleine Schwester Patricia), Martin Lindqvist (Sluggo), Maria Weisby (John-Johns Mutter) und Kjell Bergqvist (John-Johns Stiefvater) – Länge: 105 Min. – Verleih: Sonet (Schweden) – Altersempfehlung: ab 12 J.

Wie das Leben so spielt: John-John und Kumpel Sluggo klauen sich ein Kajak und paddeln über den Mälaren, hinüber zur anderen Seite Stockholms, um schöne Mädchen anzusehen. Doch dann passiert ein Unglück. Ein kleines Mädchen droht zu ertrinken, John-John springt ins Wasser und rettet es. So beginnt sein unabwendbares Schicksal. Denn als die überglücklichen Eltern ihn und Sluggo zum Dank in ihre komfortable Villa einladen, begegnet er der großen Schwester Elisabeth. Als sie sich kurz danach im Gymnasium wieder treffen, ist es um ihn geschehen: Er hat sich verliebt.

Die Gefühle werden erwidert, die beiden werden ein sehr ansehnliches Leinwandpaar, doch damit beginnen erst die eigentlichen Probleme. Elisabeth wächst gut bürgerlich und wohlbehütet im reichen Stockholmer Bezirk Äppelviken auf, während John-John sich mit einem halb kriminellen, gewalttätigen Stiefvater, seiner älteren Schwester und seiner Mutter in einem heruntergekommenen Vorort herumschlägt. So passt Elisabeths Vater, dem der Schein wichtiger als das Sein ist, und der wohl nur deshalb Miró an die Wand hängt, diese Beziehung überhaupt nicht. Schon gar nicht mit einem farbigen Jungen wie John-John, gleichgültig, wie klug, pfiffig und galant dieser auch ist.

Die Klassenunterschiede verdeutlichen sich auch in Sluggo, dem Freund John-Johns, der ihn zum Einbruch in die Villa anstachelt, bei dem Sluggo ein paar Flaschen Alkohol und einen Revolver mitgehen lässt. John-John, der Vernünftige, nimmt seinem Kumpel die Waffe ab, damit dieser keinen Unfug machen kann. Den begeht er jedoch selber: Als er den Stiefvater gemeinsam mit der Schwester im Bett entdeckt, rastet er aus und zwingt ihn unter Waffengewalt, sofort zu verschwinden. Damit beginnt für ihn ein böser Kreislauf: Elisabeths Vater begeht einen Versicherungsbetrug, denn nach dem Einbruch versteckt er die Gemälde unter dem Bett und meldet sie als gestohlen. Sluggo schließt sich Rechtsradikalen an und der von John-John mit dem Schimpfwort "Scheißhaufen" betitelte Stiefvater trachtet ihm nach dem Leben. Nur die Villa von Elisabeths Eltern, die er als ideales Einbruchsobjekt preisgibt, rettet ihn vor dem Schlimmsten.

John-John ist niemand, der andere verrät, und so kann auch Elisabeth die Zusammenhänge nur missverstehen. Sie bricht mit ihm, doch als sie ihren unehrenwerten Vater durchschaut, kommt es letztlich zum Happy End. In einer dramatischen Schlussszene entscheidet sie sich gegen ihre Familie und für John-John.

Harald Hamrells Jugendfilm basiert auf Mats Wahls preisgekröntem gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1993 (1995 auf deutsch erschienen), dessen Handlung noch weitaus verworrener und komplizierter ist. Dem Regisseur gelang es trotz notwendiger Kürzungen, das Wichtigste des Inhalts beizubehalten und überzeugend die unterschiedlichen Welten der beiden Hauptpersonen darzustellen. Dabei ging es ihm vor allem darum, das Verhältnis der jungen Menschen untereinander aufzuzeichnen, eine Aufgabe, die abhängig vom Spiel der Schauspieler war. Mit der 20-jährigen Lina Englund, Schülerin der Stockholmer Schauspielschule, die schon früher vor der Kamera stand, und dem 17-jährigen Branchenneuling David Tainton ist ihm ein Volltreffer gelungen. Die beiden spielen so überzeugend, dass es eine wahre Freude ist, ihnen auf der Leinwand zu begegnen. Dass sie gut miteinander harmonieren, machen einige besonders schöne und eindrucksvolle Szenen deutlich.

Eigentlich präsentiert dieser durchdachte und pädagogisch aufgebaute Film wenig Neues, sondern stellt nur Altbekanntes, verkleidet in eine Liebesgeschichte, dar. Die sozialen Unterschiede sind bekannt, die rechtsradikalen Strömungen ebenso, auch die Probleme in einer Stieffamilie. Hier wird alles etwas dick aufgetragen, aber vielleicht ist die Realität ja wirklich so. Das Filmende lässt ebenso wie der im Buch anders geartete Schluss alles offen, doch hat es den Anschein, dass John-John sein Leben in Zukunft gemeinsam mit der geliebten Elisabeth meistert. Die knisternde Spannung und die leise Romantik, die sich gleichmäßig durch die 105 Minuten ziehen, machen "Vinterviken" zu einem gern gesehenen Film, sowohl für Jugendliche als auch deren Eltern. Obgleich er nicht direkt zur Veränderung aufruft, bietet er doch genügend Ansatzpunkte zum Nachdenken.

Inês Lohr

 

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