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Ausgabe 68-4/1996

ANTON

Produktion: Jutlandia Film ApS / Det Danske Filminstitut; Dänemark 1995 – Regie: Aage Rais – Buch: Aage Rais, Bent Engelhardt Rasmussen – Kamera: Jacob Banke Oleson – Schnitt: Ghita Beckendorff – Musik: Hilmar Orn Hilmarsson – Darsteller: Jacob Oliver Krarup, Sofie Maria Ahlgren, Anni Björn u. a. – Länge: 80 Min. – Farbe – 35mm – Weltvertrieb: Zentropa Entertainment, Ryesgade 106, DK-2100 Kopenhagen, Fax 0045-31-424299 – Altersempfehlung: ab 10 J.

Aage Rais hat sich in seinem Debütfilm "Anton" – Beitrag des diesjährigen Kinderfilmfestes im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin – einiges vorgenommen: "Ich wollte bei meinem Film Action, große Gefühle und Humor miteinander verbinden. Gerade wenn man ein so ernstes Thema wie den Tod aufgreift, ist es unbedingt notwendig, dass auch Humor dabei ist. sonst wird es zu pathetisch. Es gibt Blut, Scheiße, Schlägereien und auch eine zärtliche Romanze. Für die Kinder soll der Film spannende Unterhaltung sein wie ein James-Bond-Film, gleichzeitig aber auch einen ernsten Inhalt transportieren. Ich wünsche mir, dass sie aus dem Kino kommen und sich noch weiter in ihrem Kopf mit dem Film beschäftigen." Das ist ihm sicher auch gelungen mit "Anton". Worum geht es?

Anton, etwa 10 Jahre alt, plagen Albträume. Wenn sie ihn nachts heimsuchen, kriecht er in das Bett der Mutter. Unverarbeitet ist der Tod seines Vaters. Er war Pilot und ist schon vor fünf Jahren beim Absturz seines Kampfflugzeuges, einer F-16, ums Leben gekommen. Es geht unter die Haut, zu sehen, wie Anton sich immer mehr in eine Welt von Flugzeugen zurückzieht. Nachts schläft er sogar mit einer ledernen Fliegerkappe, und in einem Schuppen im Hinterhof baut er an einem eigenen Flugzeug, um irgendwann zu seinem Vater zu fliegen. Mit der Idealisierung des Vaters und der verschrobenen Fixierung auf sein eigenes Flugzeug ist Anton natürlich auch Zielscheibe des gnadenlosen Spottes in der Schule. Seine Gefühle für Mie, eine Mitschülerin, werden von dieser nicht erwidert, und auch von der Mutter fühlt er sich allein gelassen, als diese sich einem anderen Mann zuwendet. Für Anton ist das Verrat am Vater und stellt die Beziehung zur Mutter auf eine harte Probe. Zuflucht, Verständnis und Trost findet er in dieser Zeit nur bei Jens, einem Bulldozerfahrer auf dem Schrottplatz. Der macht ihm klar, dass der Vater tot ist und nicht die Idealisierung und der Wunsch, ihn irgendwann wieder zu treffen, sondern die positive Erinnerung an ihn wichtig und hilfreich sind.

Ursprünglich wollte Aage Rais, so erzählte er beim Kinderfilmfest, einen Dostojewski-Stoff für seinen Erstlingsfilm adaptieren. Zum Glück hat er sich dann aber doch für einen ganz persönlichen, aktuellen Kinderfilm entschieden. In das Script sind sehr viele Elemente aus eigenen alten Tagebüchern eingegangen und damit auch sehr private Erfahrungen: "Die schlimmsten Schocks meines Lebens sind mit dem Tod verbunden." Aage Rais (Jahrgang 1969) ist sehr nahe dran an seinen Akteuren, er kennt die Beziehungsstrukturen zwischen den Gleichaltrigen, ihre Kämpfe, Verletzlichkeiten und Gefühle. "Um den Film möglichst authentisch zu gestalten, habe ich die Darsteller der Kinder gebeten, Änderungen vorzuschlagen, wenn irgendeine Szene, irgendein Satz im Film nicht ihrem Lebensgefühl, ihrer Ausdrucksweise entsprechen sollte." Mit all seinen Darstellern hat der Regisseur eine gute Wahl getroffen, besonders jedoch mit Jacob Oliver Krarup, dem Titelhelden, den er aus ungefähr 1.600 Jungen ausgewählt hat. "Mein Anspruch an diese Figur war sehr hoch: Sie sollte Gefühle zeigen können, gleichzeitig Charme haben und natürlich Power. Schwierig war es, jemanden zu finden, der all diese Eigenschaften in sich vereint. Vor dem eigentlichen Drehen habe ich mit Jacob Oliver Krarup den ganzen Film zwei Wochen lang durchgespielt und dabei gemerkt, wie gut er wirklich ist, absolut professionell. Für mich wie ein junger Robert de Niro." Wenn das nicht vom Selbstbewusstsein des Regisseurs zeugt! Was den Film weiterhin auszeichnet, ist eine präzise Milieubeschreibung und die Filmmusik: Der Titelsong stammt von Björk.

Thomas Thiel

 

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