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Ausgabe 68-4/1996

NIE MEHR 13!

ALDRI MER 13!

Produktion: MovieMakers A/S; Norwegen 1996 – Regie: Sirin Eide – Buch: Sirin Eide, Maureen Thomas – Kamera: Kjell Vassdal – Schnitt: Pal Gengenbach – Musik: Knut Halmrast – Darsteller: Sofie Stange Cappelen (Rikke), Martine Karlsen (Bea), Anne Krigsvoll (Mutter), Svein Roger Karlsen (Vater) u. a. – Länge: 82 Min. – Farbe – 35mm – Weltvertrieb: MovieMakers A/S, P.O.Box 6858, St. Olavsplass, N-0130 Oslo, Tel. 0047-22-360990, Fax 0047-22-364128 – Altersempfehlung: ab 12 J.

Rikke ist sauer, und wie! Muss sie doch für die neue Mitschülerin Bea ihren Stammplatz in der Klasse räumen. Noch dazu teilte der Lehrer sie und Bea zum gemeinsamen Klassendienst ein. Kein Wunder, dass die 13-jährige sportliche Rikke die hübsche Neue zu einer Mutprobe herausfordert. Nach dem Unterricht springt sie von einem hohen Gerüst an der Hinterseite des Schulgebäudes herunter. Als Bea ihr das mühelos nachmacht, fordert sie die Konkurrentin zu einer zweiten Runde heraus: Nun löscht Rikke ein brennendes Streichholz im Mund aus. Kein Problem für Bea, die aber den Spieß umdreht und einen Feuerkreis auf der trockenen Schulwiese zieht. Wer am längsten darin liegen bleibt, hat gewonnen. Rikke hält es zwar länger aus, doch dann greifen die Flammen auf das Gerüst über und richten erheblichen Schaden an. Die erschreckten Mädchen laufen zunächst weg. Als Rikke jedoch preisgeben will, dass sie dafür verantwortlich sind, bittet Bea sie, es nicht zu sagen. Die beiden Mädels, die sich kurz vorher noch spinnefeind waren, halten nun plötzlich zusammen. Bea vertraut der neuen Freundin bald an, dass sie gar nicht in Spanien gelebt hat, wie sie in der Schule erzählt hat, sondern in einer Pflegefamilie.

Doch ihre Freundschaft wird bald auf eine Probe gestellt. Nicht nur intrigante Klassenkameradinnen versuchen, mit gezielten Indiskretionen einen Keil zwischen sie zu treiben. Auch die Jungs sorgen für Komplikationen. So zieht es Markus, Rikkes Freund aus Kindergartentagen, neuerdings vor, mit älteren Schülern Moped zu fahren statt wie bisher Fahrrad mit ihr. Und dann kommt Rikke auf einer Party Bea in die Quere, als sie sich auf einen Flirt mit Cato einlässt – mit ihm liebäugelt Bea schon. Als dann aber an der Feuerstelle Beas verbrannte Kastagnetten gefunden werden, ist aller Streit bald vergessen: Rikke nimmt die Schuld an dem Brand auf sich, um zu verhindern, dass Bea wieder zu der Pflegefamilie muss. Das wiederum kann Bea so nicht stehen lassen und geht ebenfalls zur Schuldirektorin. Zum Glück trifft diese dann eine weise Entscheidung.

Die Stärken des norwegischen Spielfilms sind die ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen und das große Identifikationspotenzial der Figuren. Der Regisseurin Sirin Eide (Jahrgang 1961), die seit zehn Jahren Musikvideos, Bühnenbearbeitungen, Dokumentarfilme und Fernsehsendungen für Kinder und Jugendliche produziert, gelingt es dabei auf erstaunlich natürliche Art, nahe an der Erlebniswelt von Pubertierenden zu bleiben. Wenn sich Rikke zum Beispiel ein gewagtes Kleid ihrer zickigen älteren Schwester ausleiht, um auf einer Party Eindruck zu schinden, und sich dort dazu überreden lässt, einen hochprozentigen Cocktail zu trinken, von dem ihr kurz darauf übel wird, dann wirkt das einfach authentisch.

Gleiches gilt für typische pubertäre Verhaltensweisen: So kämpft Rikkes 16-jährige Schwester erst verbissen dafür, dass der 12 Jahre ältere britische Rocksänger, in den sie sich bei einem London-Trip verknallt hat, sie in Norwegen besuchen darf. Als er dann jedoch mit kurzen Haaren vor der Tür steht, findet sie ihn furchtbar alt – dabei hat er sich die langen Locken nur aus Rücksicht auf ihre bürgerlichen Eltern abgeschnitten. Dafür profitiert Rikke von seinem Besuch: Als sie ihm die Stadt zeigt, begegnen sie einigen ihrer Mitschüler, die erst mal ungläubig gaffen. Und als sie dann noch ganz "cool" hinter ihm auf dem Motorrad Platz nimmt und er Gas gibt, bleiben so manche Münder offen. Gut gelungen ist bei diesem flott inszenierten Teenagerdrama übrigens auch der Einsatz der eingängigen Rock- und Popmusik, die gelegentlich für Stimmung sorgt, sich aber nicht in den Vordergrund drängt.

Sehr schön herausgearbeitet hat die Regisseurin Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Familienverhältnisse. Während Rikke in einer durchschnittlichen Familie lebt, wohnt Bea erst seit kurzem wieder und nur zur Probe mit ihrer alleinerziehenden Mutter zusammen, die gerade von ihrer Drogensucht losgekommen ist. Mit ihren Problemen müssen Rikke und Bea jedoch weitgehend allein zurechtkommen: Rikkes große Schwester schlägt sich mit dem ersten großen Liebeskummer herum, der Vater schnappt sich bei jedem Anzeichen von Konflikten sein Rennrad, und die Mutter zetert sowieso nur herum. Beas Mutter dagegen hat selbst genug Probleme, was sich unter anderem daran zeigt, dass sie ein selbst gemaltes Bild in den Müllcontainer wirft. Da sie zumeist kaum Profil gewinnen, fallen die Erwachsenen-Figuren in "Nie mehr 13" insgesamt etwas zu schwach aus.

Auf dem 22. Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival in Frankfurt zeichnete die Jury aus fünf Kindern und fünf erwachsenen Fachleuten "Nie mehr 13" mit einem 'Lucas' aus. In ihrer Begründung loben die Juroren insbesondere "Kenntnis, Humor und Tempo", mit denen sich der Film dem Lebensabschnitt zwischen Kindsein und Erwachsensein widmet: "Überzeugende Darsteller und eine lebensnahe Geschichte haben uns die Gefühle und Gedanken der Teenies nahe gebracht. Wenn Jungs und Mädchen anfangen, sich füreinander zu interessieren, ist das wohl in Norwegen nicht viel anders als in Frankfurt am Main."

Reinhard Kleber

 

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