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Ausgabe 68-4/1996

ZAUBER

THE MAGIC

Produktion: Melliti Bros. Productions; USA / Tunesien 1994 – Regie: Azdine Melliti Fazai – Buch: Azdine Melliti Fazai, Nina Jo Baker – Kamera: Jean-Claude Couty – Schnitt: Arbi Ben Ali – Musik: John C. Graves – Darsteller: Kamel Touati, Mongi Ben Hafsia, Monia Quertani, Ahmed Tounsi – Länge: 90 Min. – Farbe – 35mm – Vertrieb über Produktion: Melliti Bros. Productions, 3419 Via Lido 351, Newport Beach, Ca 92663, Tel. 001-714-5732345, Fax: 001-714-6755092 – Altersempfehlung: ab 10 J.

In einem kleinen Bergdorf in Tunesien. Eine kurze Fußballszene. Einer der Jungen, Deanie, wird von seiner Mutter aus dem Spiel geholt und grundlos brutal geprügelt. Ein dramatischer Beginn – und die Angst um Deanie wird uns den ganzen Film über begleiten. Für den zehnjährigen Deanie besteht das ganze Leben nur aus Arbeit, sein Traum ist, wie der vieler seiner Kameraden, nach Frankreich zu gehen, denn: "Dort liegt das Geld auf der Straße." Als sich dieser Traum zu erfüllen scheint, muss er als einziger der Familie zurückbleiben und auf das Haus aufpassen, bis es verkauft ist und er nach Frankreich nachkommen kann.

Monate des Wartens und der Ungewissheit: Zunächst erobert Deanie mit dem Geld, das seine Eltern ihm dagelassen haben, die nahe Hauptstadt Tunis. Seine wichtigste Entdeckung: Das Kino. Von der Idee, selbst Filme zu machen, ist er so begeistert, dass er die Kinder des Dorfes in seinen Bann zieht – sie spielen ihm den Kampf des Spartakus vor, doch als es darum geht, daraus einen Film zu machen, sucht er vergeblich nach der entscheidenden Idee. Damit zieht er sich den Hass der Kinder zu, und auch die anderen Dorfbewohner beginnen, ihn zu meiden, den "Waisen". Nur die zwölfjährige Latifa liebt ihn und findet ihn, als er todkrank in seiner Hütte liegt. Im Fieberrausch ist ihm seine "Erfindung" geglückt: Er wirft mit Pergamentpapier und Licht selbst gemachte Figuren an die Wand, er hat für sich das Medium Film neu erschaffen.

Als sich alles zum Guten wendet und er bei seinem Freund wohnen darf, kommt das nicht mehr erwartete Flugticket nach Frankreich. Das eigentlich glückliche Ereignis, dass er zu seiner Familie reisen kann, wird zum dramatisch traurigen Schluss: Alle Dorfbewohner weinen, Latifa läuft schreiend hinter dem Karren her, auf dem Deanie gesenkten Hauptes zum Flughafen gebracht wird – zu leiser, wehmütiger Musik fährt Deanie langsam aus dem Bild.

Zur bedrohlichen Eingangssequenz fügt sich das traurige Schlussbild. Dazwischen sehen wir einen Film, der wunderschöne Landschaftsaufnahmen zeigt – dominiert von der blauen Leuchtkraft des afrikanischen Himmels – und der detailgenau und glaubwürdig das Milieu schildert, in dem Deanie lebt. Man merkt, dass der Regisseur aus diesem Milieu stammt, dass Deanies Weg aus dem tunesischen Dorf in die Welt sein Weg ist. Er ist der Junge, der es letztlich schafft, Filme zu machen (im Film "Zauber" spielt er selbst den Vater Deanies). Aber diesen Hinweis auf eine mögliche hoffnungsvolle Zukunft Deanies (wie sie für Azdine Melliti Fazai Wirklichkeit geworden ist) enthält uns der Film vor, er betont den Abschiedsschmerz und entlässt die Zuschauer wehmütig und traurig aus dem Kino.

Katrin Hoffmann

 

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KJK-Ausgabe 68/1996

 

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