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Ausgabe 71-3/1997

LOVED UP

Produktion: BBC Television; Großbritannien 1995 – Regie: Peter Cattaneo – Drehbuch: Ol Parker – Kamera: Ivan Strasburg – Schnitt: David Gamble – Darsteller: Lena Headay (Sarah), Ian Hart (Tom), Linda Bassett (Ruth), Millie Gregory (Karen) – Laufzeit: 69 Min. – Farbe – Weltvertrieb: BBC Television, Centre House, 56 Wood Lane, London W12 7SB, Großbritannien, Tel: +44-181-576 76 42, Fax: +44-181 225 84 19 (16 mm) – Altersempfehlung: ab 15 J.

Techno und Extasy sind die Schreckgespenster der 90er: Wie in den 70ern Rock und Haschisch, in den 80ern Punk und Alkohol, gehören heutzutage wohl lange Rave-Nächte und Designerdrogen fast unteilbar zusammen:

Sarah führt ein geordnetes Leben als Kellnerin in einer Kaffee-Bar und versorgt zu Hause ihre jüngere Schwester Karen und ihre alkoholkranke Mutter Ruth. Dann lernt sie den Techno-Fan Tom kennen und lässt sich mit ihm auf eine rauschhafte Liebesgeschichte ein. Sie zieht sofort zu ihm und eine Zeit lang scheint ihr das Leben wie eine überlange Party. Doch das geht nicht lange gut: Sie verliert ihren Job und lässt sich auf das Dealen von Drogen ein, wobei sie auch die düsteren Seiten des Handels kennen lernt, als sie von einem konkurrierenden Dealer bedroht wird. Auch Tom erweist sich als extrem unzuverlässig: Als sie in einer Nacht, in der ihre Mutter durchdreht, ihn dringend braucht, ist er im Ectasy-Rausch unfähig, ihre Wohnung zu finden und geht dann einfach auf eine Party. Dort stellt sie ihn am nächsten Morgen zur Rede und verlässt ihn.

Es war an der Zeit, dass sich ein Filmemacher mal unvoreingenommen mit dieser Jugendkultur befasst, die – wie nahezu alle vor ihr – weitestgehend auf Unverständnis stößt. Doch leider ist das Ergebnis eher unbefriedigend; vor allem, weil zu oft der pädagogische Zeigefinger dräut, der da sagt: Keine Macht den Drogen. Dennoch gelingen Cattaneo überzeugende, ja rauschhafte Bilder und Töne, die verständlich werden lassen, was man an der Kombination Musik und Drogen gut findet.

Zudem hat er in seinem Hauptdarstellerpaar zwei exzellente Schauspieler gefunden: Lena Headey gibt die Sarah, die in Tom mehr als nur einen Lover sieht, der sie eine ganze Nacht befriedigt (wie der Originaltitel andeutet) mit Verve und Intensität. Man spürt in jeder Einstellung: Hier will eine junge Frau raus aus dem Sumpf, der sie umgibt, will weg von einem Zuhause, das schon lange keins mehr ist, will ihr eigenes Leben leben und nicht immer ihre Schwester und Mutter bemuttern. Aber sie muss erkennen, dass sie sich der Verantwortung nicht so einfach entziehen kann und dass Tom im entscheidenden Moment viel zu sehr seinem Hedonismus folgt; dass sie sich nicht auf ihn verlassen kann. Ihr Widerpart Ian Hart spielt das Spiegelbild seiner Rolle in "Clockwork Mice" / "Lauf, wenn du kannst": Dort bewies er innere Stärke bei äußerer Schwäche und hier entpuppt er sich als ein Junge, der noch längst nicht erwachsen ist, der Sarah in dieser Beziehung weit unterlegen ist. Denn obwohl er nach außen sein Leben im Griff hat, ist er in Wahrheit ein armes Schwein: einsam und voller Angst fleht er sie am Ende an, ihn nicht allein zu lassen.

Und so wird das dank dieser beiden Darsteller doch noch ein überzeugender Film mit viel Techno, der die Licht- und Schattenseiten dieser Szene beleuchtet, ohne sie zu verurteilen und dem man einzig vorwerfen kann, dass die pädagogische Absicht allzuoft durchscheint.

Lutz Gräfe

 

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KJK-Ausgabe 71/1997

 

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