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Ausgabe 71-3/1997

MEISTERDETEKTIV KALLE BLOMQUIST LEBT GEFÄHRLICH

KALLE BLOMKVIST – MÄSTERDETEKTIVEN LEVER FARLIGT

Produktion: AB Svensk Filmindustri; Schweden 1996 – Regie: Göran Carmback – Buch: Johanna Hald, nach dem Roman von Astrid Lindgren – Kamera: Carl Sundberg – Schnitt: Dominika Daubenbüchel – Musik: Peter Grönvall – Darsteller: Malte Forsberg (Kalle Blomquist), Josefine Årling (Eva-Lotta), Totte Steneby (Anders) u. a. – Länge: 85 Min. – Farbe – Verleih: MfA (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

In Schweden scheint die Zeit stillzustehen, jedenfalls in diesem schwedischen Remake, wo die Welt so idyllisch ist, wie sie Astrid Lindgren seinerzeit entworfen hat. Ein blank geputzter Himmel, klares Wasser, weiß gestrichene Brückengeländer, propere Häuschen und selbst die seit langem unbewohnte Villa, in der sich die Geschichte zuspitzt, verbreitet den Charme unbeschwerter Sommerzeit. Die Handlung ist bekannt: Kalle Blomquist, der sich aufgrund seiner detektivischen Kombinationsgabe Meisterdetektiv nennen darf, und seine Freunde Anders und Eva-Lotta, die sich zur "Weißen Rose" zusammengeschlossen haben, führen manche Scharmützel mit den rivalisierenden drei Jungen von der "Roten Rose" um den "Großmummerich". Egal, wie ernst ihr Spiel – es bleibt ein Spiel, von dem alle Kinder am Abend zurück in ihre heilen Familien kehren, wo sie zwar nicht immer Verständnis, aber in jedem Fall Geborgenheit finden. Eines Tages beobachtet Eva-Lotta, wie zwei Männer in der Nähe "ihrer" Villa in einer Scheune verschwinden. Einer kreuzt ihren Weg, der andere ist tot. Nicht nur Eva-Lotta und Kalle kombinieren richtig, sondern auch die Polizei, was bedeutet, dass Eva-Lotta als Zeugin wichtig und in Gefahr ist. Der aus Stockholm in die Kleinstadt angereiste Kriminalkommissar hört ungläubig den Berichten der Kinder zu und wundert sich, dass ihnen von der Ortspolizei so viel Glauben geschenkt wird. Am Schluss bedankt auch er sich bei den Kindern für die Aufklärung des Falls.

Göran Carmback, Jahrgang 1950, startete seine Regielaufbahn mit zwei Kurzfilmen nach Geschichten von Astrid Lindgren. Ihm ist es gelungen, Astrid Lindgrens Schreibstil in adäquate Bilder filmisch umzusetzen. Wie die Autorin vermeidet der Regisseur Zeitgeist und Mode, ohne in nostalgische Verklärung zu verfallen. Der Film spielt im Hier und Jetzt, und doch im zeitlosen Raum. Die Kinder sind klug und neugierig, ihr Spiel ist unprätentiös und natürlich, wie es schon vor 44 Jahren bei der ersten Verfilmung von Rolf Husberg der Fall war. Und doch ist manches differenzierter, zum Beispiel das Rollenverständnis von Eva-Lotta. Um mit den Jungen mitzuhalten, gibt sie sich ganz burschikos, in einer Krisensituation aber will sie nicht mehr Junge sein, trägt nur noch Kleidchen. Als sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hat, zieht sie wieder das an, was ihr gefällt.

Man kann sich natürlich fragen: Warum dieses Remake, das trotz spannender Szenen liebenswert und harmlos bleibt wie das Original? Einfach deshalb, weil Astrid Lindgrens Detektivgeschichten bei Kindern heute beliebt sind wie damals. Da sich jedoch die Anforderungen der Kinder an einen Film verändert haben – Farbe muss schon sein – hat dieses Remake seine Berechtigung und ist zugleich ein unspektakulärer und sympathischer Beitrag zum Astrid-Lindgren-Jahr (am 17. November 1997 wird die Autorin 90 Jahre alt). Das Drehbuch stammt von Johanna Hald, eigentlich eine kritische Lindgren-Filmemacherin ("Lotta aus der Krachmacherstraße"), die die heile Welt gern etwas ankratzen würde (siehe Interview mit Johanna Hald in KJK Nr. 60-4/1994). Dass das in diesem Film nicht passiert, spricht eher dafür, dass Astrid Lindgren auch im hohen Alter noch über die Drehbücher nach ihren Geschichten wacht und Einfluss darauf hat.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 73-3/1998 - Interview - "Ideal sind die Filme, die gut gemacht sind und die das Publikum berühren."

 

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