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Ausgabe 78-2/1999

EIN SOMMER AM FLUSS

KUNINGASJÄTKÄ

Produktion: Fennada Filmi; Finnland 1998 – Regie und Buch: Markku Pölönen – Kamera: Kari Sohlberg – Schnitt: Jukka Nykänen – Musik: Vesa Mäkinen – Darsteller: Pertti Koivula (Tenho), Simo Kontio (Topi), Esko Nikkari (Hannes) u. a. – Länge: 84 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Fennada Filmi Oy, Kolmas Linja 5, FIN-00530 Helsinki, Fax 00358-0-730 734 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Der zehnjährige Topi hat es nicht leicht mit seinem Vater Tenho. Nachdem seine Mutter an einer Lungenentzündung gestorben ist, muss Tenho nun plötzlich für beide sorgen. Bisher hatte er vom Einkommen seiner Frau gelebt und sich keine großen Gedanken um die Familie gemacht. Tenho nimmt eine Saisonarbeit als Flößer im Osten Finnlands an und nimmt den Sohn mit, so wie das schon sein Vater mit ihm getan hat. Als Stadtmensch fällt es Tenho schwer, sich an die rauen Sitten der Flößer anzupassen. Da er sich auch nicht gerade geschickt anstellt, wird er bald zur Zielscheibe von Hohn und Spott. Obwohl Tenho versucht, sich in die Männergruppe zu integrieren, gibt er doch immer wieder eine schlechte Figur ab. Topi freundet sich dagegen mit dem alten und erfahrenen Flößer Hannes an, dessen eigener Sohn schon früh gestorben ist.

Während sich der gut erzogene Tenho lieber lächerlich macht als sich zu prügeln, ärgert sich Topi über die vermeintliche Feigheit seines Vaters. Als Tenho wieder einmal von einem bärbeißigen Flößer bedroht wird, zückt der Junge ein Messer und stellt sich schützend vor den Vater. Statt sich zu bedanken, schimpft Tenho seinen Sohn, weil er dessen Hilfe nicht annehmen und verhindern will, dass Topi das ungehobelte Verhalten der anderen Männer übernimmt. Obwohl Tenho die Erwartungen des Sohnes an eine starke Vaterfigur enttäuscht, hält Topi weiter loyal zu ihm. Als Hannes nicht mehr mit ansehen kann, wie der Junge unter der Passivität Tenhos leidet, greift er mit einer List ein. Kurz vor dem Ende des Sommers finden Vater und Sohn doch noch zueinander.

Der 1957 geborene Regisseur Markku Pölönen, der auch das Drehbuch schrieb, ließ sich von eigenen Kindheitserinnerungen zu diesem abenteuerlichen Familiendrama inspirieren. Der nostalgische Ton der Erzählung und das warme Licht, in das der Kameramann Kari Sohlberg die wilde finnische Flusslandschaft getaucht hat, machen den autobiografischen Charakter des Rückblicks unverkennbar. In seinem fünften langen Spielfilm führt Pölönen zwei sich sehr gut ergänzende Hauptdarsteller mit einer Riege von markanten Nebendarstellern zusammen, die dem Flößerhaufen individuelle Züge jenseits des Proletenklischees verleihen.

Die sensible Studie über die schwierige Integration eines Knaben in eine raue, aber solidarische Männergesellschaft beleuchtet zugleich die sozialen Schattenseiten des Nomadenlebens der Flößer: Als einige von ihnen bei einer längeren Rast mit Mädchen aus einem Dorf anzubandeln versuchen, schlagen ihnen nicht nur Ressentiments entgegen, die männlichen Einwohner werden gegen die unerwünschten Rivalen auch rasch handgreiflich.

Auch wenn es dem ungeschickten Tenho nur ansatzweise gelingt, seinen Sohn in die Geheimnisse des Lebens einzuweihen, so tragen Topis aufmerksame – und von der Kamera geschickt erfasste – Beobachtungen und die uneigennützige Hilfe von Hannes dazu bei, dass die nicht ungefährliche Initiationsreise schließlich erfolgreich endet. Das häufige Hantieren mit schweren Baumstämmen und Mutproben in tückischen Stromschnellen sind zwar dramatische Elemente, die eher Jungen ansprechen, doch das komplexe Beziehungsgeflecht eines geschlossenen Männerzirkels, in dem Frauen allenfalls Statistenrollen spielen, dürfte auch bei Mädchen auf Interesse stoßen. Leider ging der Wettbewerbsbeitrag des Kinder- und Jugendfilmfestival Lucas '98 in Frankfurt am Main bei der Preisvergabe unverdientermaßen leer aus.

Reinhard Kleber

 

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