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Ausgabe 78-2/1999

HANS IM GLÜCK

Produktion: GG-Film GmbH im Auftrag des WDR und ORB; Deutschland 1998 – Regie: Rolf Losansky – Buch: Gabriel Genschow und Rolf Losansky, nach dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm – Kamera: Claus Neumann – Schnitt: Rita Reinhardt – Musik: Sven Dohrow, Enrico Horn – Darsteller: Andreas Bieber, Harald Dietl, Karl Dall, Rolf Hoppe, Wolfgang Völz, Fred Delmare u. a. – Länge: 70 Min. – Farbe – Verleih: Progress (35mm) – Altersempfehlung: ab 5 J.

Ein neuer Film von Rolf Losansky. Das freut, da das Filmemachen – wie das Leben überhaupt – aus Geldmangel komplizierter wird, ganz besonders aber das Arbeiten für Kinder, die zudem durch vielerlei Medien immer schneller an unterhaltenden Konsum herangeführt werden. Losanskys frühere Filme zeichneten sich durch die Verknüpfung streitbarer Gegenwartsthemen mit phantastischen Elementen aus. Nun stellt er sich gemeinsam mit dem Autor Gabriel Genschow dem Phantastischen eines Märchens als Ausgangspunkt für eine beinahe realistische Handlung durch eine fast realistische Darstellung. Damit werden Erwartungen an die Opulenz zeitgemäßer Märchenverfilmungen enttäuscht. "Hans im Glück" ist ein kleiner freundlicher, aber unauffälliger Film.

Die Interpretation des Glücks bleibt unbefriedigend, da gegenwärtige Erfahrungen dem widersprechen: Ein Klumpen Gold ist doch besser als gar nichts. Auch die philosophische Dimension der Märchenfrage nach dem Glück wird weitestgehend ausgespart. Einer anderen Spur des Filmes kann ich folgen: Nach sieben Jahren Lehrzeit ist Hans kein wesentlich gereifter Mensch, das Noch-Kind sehnt sich nach der Mutter. Auf dem Heimweg tauscht er den Goldklumpen und all die uns bekannten immer geringer geachteten Tiere, bis er schließlich mit leeren Händen vor seinen Eltern steht. So wie materielle Dinge noch keine Bedeutung für ihn haben, so ist ihm auch die Liebe fremd. Erst am Ende seines Weges erinnert ihn ein fröhlich eingesetzter Schluckauf an die verlassene Müllertochter und sein Reifeprozess zum Erwachsenen tritt in eine neue Phase. Glück muss also etwas mit Liebe zu tun haben. So richtig dumm ist Hans nicht, seine Tauschaktionen sind jeweils Reaktionen auf momentane Unbequemlichkeiten, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Unterstützt werden sie durch kleine Vorgeschichten seiner Handelspartner, die den Wert der Tauschobjekte zusätzlich verringern. Also gute Gründe für Hans, Tier und Ding wieder loszuwerden.

Der Film ist für die kleinsten Zuschauer gedacht, und ich gehe davon aus, dass die Erfahrungen beim Erwachsenwerden sie außerordentlich interessieren, dass augenblickliches Glück ein sehr konkreter und notwendiger Zustand ist und die Sehnsucht nach den Eltern eine so wunderbare Triebkraft, dass materieller Besitz wirklich vernachlässigt werden kann. In diesem Sinne habe ich auch meinen Spaß daran.

Rolf Losansky konnte hervorragende Schauspieler besetzen (Walfriede Schmitt, Günter Naumann, Rolf Hoppe), ihnen wäre ein wenig mehr Futter für ihre Rollen zu wünschen gewesen. Sie bleiben letztlich auf Pointen reduziert, wo man sich Hintergründe gewünscht hätte, trotz komischer szenischer Einfälle und kindgemäßen Überdrehtheiten. Gerade das Elternpaar steht seinem Sohn ziemlich hilflos gegenüber. Andreas Rieber als Hans muss mit sich selbst spielen und den Tücken der Tiere. Er schlägt sich tapfer, besonders in den gern gesehenen artistischen Situationen. Die notwendige Naivität der Figur aber ist gesetzt und lässt die Distanz zwischen Darsteller und Figur spüren.

Das wesentliche Problem scheint mir aber, dass der für jede Spannung notwendige Konflikt in der Hauptfigur angesiedelt ist und in diesem Sinne keine filmdramatische Gestaltung erfahren hat. Die Entscheidung für gerade dieses Märchen birgt seine Gefahren.

Evelyn Schmidt

 

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KJK-Ausgabe 78/1999

 

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