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Ausgabe 78-2/1999

HOT DOGS – WAU, WIR SIND REICH

Produktion: ORB Film & TV / EIV Entertainment / ZDF; Deutschland 1999 – Regie: Michael Schoemann – Animationsregie: Carlos Alfonso, Chris Randall – Buch: Karin Howard und Joe Steuben, nach einer Idee von Ute Schoemann-Koll – Produktionsdesign: Walter Kößler – Compositing und Spezialeffekte: Bernd Deventer, Armin Vetter, Manfred Lindner – Musik: Gregor Narholz – Sprecher: Dieter Klebsch, Uwe Jellinek, Katharina Koschny, Hans Hohlbein, Joachim Kaps, Nina Hagen u. a. – Länge: 84 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: PolyGram (35mm) – Alterseignung: ab 8 J.

Die Geschichte dieses Films ist schnell erzählt: Fünf Hunde und ein vorlauter Papagei finden in der Villa der betagten Miss Lily Unterschlupf und ein Zuhause. Miss Lily war früher Raubtierbändigerin und versteht daher die Sprache der Tiere. Die Tierliebe der alten Dame ist Hannie und Ronnie Krabbe, Nichte und Neffe von Miss Lily, sehr suspekt. Die Zwillinge würden gern ihre motorradbegeisterte Tante ins Altenheim stecken und dann von ihrem Vermögen in Saus und Braus leben. (Starkes Manko: Die Zwillinge sind zu übertrieben dargestellt, um als Bösewichter vom Publikum wirklich ernst genommen zu werden.)

Daher beauftragt Miss Lily ihren Anwalt Fairview, ein Testament zu beglaubigen, das festlegt, dass die Villa und ihr Geld den Tieren gehören sollen. Als die alte Dame stirbt, sind die Tiere traurig und sehen sich schon wieder auf der Straße. Aber als das Testament verkündet wird, herrscht im Tierleben wieder eitel Sonnenschein. Hannie und Ronnie durchforsten derweil juristische Fachliteratur, bis sie auf ein altes Gesetz stoßen, das besagt, dass Hunde, die Grundbesitz erben, diesen verlieren, wenn sie ihn länger als 48 Stunden verlassen. Nun setzen die Zwillinge alles daran, die Tiere mit List und Tücke aus dem Haus zu locken und vom Haus fernzuhalten. Aber die Tiere können sich befreien und setzen sie alles daran, an den Barrikaden von Hannie und Ronnie vorbei wieder ins Haus zu gelangen. Danach steht einem Happy End nichts mehr im Wege.

Die auftretenden Figuren haben ein wenig von den Gestalten aus "Susi und Strolch", die Handlung hat in ihrer Grundstruktur eine entfernte Ähnlichkeit mit der Grundidee von "Aristocats". Dennoch ist "Hot Dogs" ein völlig anderer, eigenständiger Film geworden. Die Figuren sind gut durchdacht, die Handlung verhältnismäßig straff durchorganisiert, die Tricktechnik professionell perfekt. Einzig die Hintergründe sind manchmal zu gewollt karikaturhaft und zweidimensional. Aber man kann von einer deutschen Produktion, die noch dazu in verhältnismäßig kurzer Zeit aus dem Boden gestampft wurde, nicht verlangen, dass sie die Hollywood-Produktionen der letzten Jahre, die zudem ein viel gigantischeres Budget zur Verfügung hatten, übertreffen.

Selbst wenn man an diesem oder jenem Detail herummäkeln mag, lässt sich festhalten, dass dieser Film letztlich ein ehrliches Bemühen zeigt, einem überwiegend jugendlichen Publikum eine spannende, unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Das ist etwas, das die großen Hollywood-Trickfilme eigentlich längst nicht mehr versuchen; sie wollen die ganze Familie in ihren Bann ziehen. "Hot Dogs" ist hingegen nett und ziemlich harmlos mit einigen hübschen Gags und ganz auf ein kindliches Publikum zugeschnitten. Außerdem kann es – gerade in der heutigen Zeit – überhaupt nicht schaden, wenn ein Kinderfilm den Gedanken vermittelt, dass man ein Ziel erreichen kann, wenn man dieses gemeinsam anstrebt statt egoistischen Interessen nachzuhängen.

Junge Zuschauer können sich für diesen Film begeistern, dem man einen gewissen Charme nicht absprechen kann. Dass sich ältere, kritische Betrachter vielleicht eine (oder zwei) Spur(en) mehr von einem solchen Film erwarten, verblasst angesichts der Tatsache, dass sich alle an der Produktion Beteiligten mit Engagement und großem Können dafür eingesetzt haben, einen Film zu produzieren, der jüngere Zuschauer ansprechen und spannend unterhalten soll. Bleibt nur zu wünschen, dass dieses Bemühen den erhofften Erfolg hat.

Wolfgang J. Fuchs

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 77-2/1999 - Interview - "Hot Dogs – Wau, wir sind reich"

 

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