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Ausgabe 78-2/1999

DER HUND AUS DER ELBE

Produktion: Studio Hamburg Produktion für Film & Fernsehen GmbH / ZDF / Kinderkanal / Hamburger Filmwerkstatt; Deutschland 1998 – Regie: Miko Zeuschner – Buch: Bernd Schadewald und Donald Kraemer, nach dem Roman "Der aus den Docks" von Mario Giordano – Kamera: Frank Küpper – Schnitt: Monika Schuchardt – Musik: Jonas Schoen – Darsteller: Tobias Pippig, Fjodor Olev, Yasemin Büyüksapci, Jona Mues, Robert Victor Minich, Peter Franke u. a. – Länge: 82 Min. – Farbe – Altersempfehlung: ab 10 J.

Matthias aus St. Pauli und Alex aus Eppendorf leben in zwei höchst unterschiedlichen Hamburger Stadtteilen. Als die beiden 13-Jährigen einen schwer verletzten Pitbull aus der Elbe bergen, freunden sie sich dennoch an. Gegen den Willen der Eltern nimmt Alex den Hund mit nach Hause. Dort besucht Matthias den Schützling regelmäßig und lernt dabei die hübsche Rachma, Alex' Adoptivschwester, kennen, in die er sich verliebt.

Als die drei dem Hund den Namen Otto verpasst und gerade etwas Manieren beigebracht haben, versuchen drei Mofa-Fahrer, Otto zu entführen. Matthias erkennt bei der Verfolgung einen der Täter: Es ist Kai, der ältere Bruder von Alex. Der Versuch, das Geheimnis um Ottos Herkunft aufzudecken, führt das Trio in die Unterwelt rund um den Hamburger Hafen. Bei den nicht ungefährlichen Recherchen stoßen Matthias und Rachma auf den Ganoven Ringo Paul, der in seiner heimlich angelegten Hundekampfarena Wetten organisiert. Als Otto nun doch verschleppt wird, machen sich Matthias, Alex und Rachma auf, den Hund zu befreien. In einem Lagerraum im Hafen finden sie Otto, der von Ringo für einen blutigen Wettkampf scharf gemacht wird. Ausgerechnet Kai hilft ihm dabei. Als Matthias und Alex den Hund zu retten versuchen, kommt es zu einem Handgemenge, bei dem Alex von einem Messerstich getroffen wird ...

Der erste lange Spielfilm von Miko Zeuschner (Jahrgang 1968) entstand im Rahmen eines ungewöhnlichen Projekts. Die Studio Hamburg Produktion gab in Kooperation mit dem ZDF ihm und mehreren anderen Absolventen des Hamburger Aufbaustudiums die Chance, unter professionellen Bedingungen einen 90-Minuten-Film fürs Fernsehen zu realisieren. Zusammen mit der Hamburger Filmwerkstatt konnte der dortige Nachwuchs seine Fähigkeiten in der Praxis beweisen. Andererseits konnte die Low-Budget-Produktion von 1,6 Millionen Mark, die von der Hamburger Filmförderung 600.000 Mark erhielt, auf diese Weise überhaupt erst finanziert werden. Auch wenn die Mitwirkung des erfahrenen und renommierten Drehbuchautors und Regisseurs Bernd Schadewald dem Projekt auf die Sprünge geholfen hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Aus dem 1997 erschienenen Roman "Der aus den Docks" von Mario Giordano haben Schadewald und Ko-Autor Donald Kraemer ein spannendes Drehbuch gemacht. Während es Filme und Bücher mit Freundschaftsgeschichten um Hunde, über Kinderdetektive und die erste Romanze zu Dutzenden gibt, bietet "Der Hund aus der Elbe" insofern eine Novität, als sich die Heranwachsenden ausgerechnet um einen verletzten Kampfhund kümmern, der ja nun wirklich nicht zum Schmusen einlädt.

Ob es nun an zu vielen Drehbuchköchen oder an der Schlussüberarbeitung des Skripts durch den Regisseur lag, einige Schnitzer hat sich das Team aber geleistet. So werden die meisten Erwachsenen, vor allem die Bösewichter, einmal mehr überaus klischeehaft gezeichnet. Über die Gründe, aus denen Kai seiner begüterten Familie den Rücken kehrt und ins kriminelle Milieu abgleitet, hätte man gerne mehr gewusst. Unklar bleibt zudem der Handlungsstrang um die Hundekämpfe mit den vielen anderen Tieren in dem Hafenkeller, die offenbar für illegale Laborversuche bestimmt sind und die von den Kindern freigelassen werden. Schließlich rätselt man am Ende, warum die Familie von Alex von Hamburg wegzieht. Kaum zu übersehen sind auch inszenatorische Anfängerfehler, etwa bei den Verfolgungsjagden, die auf das knappe Budget allein nicht zurückführen sind. Zu den Stärken des Films zählt neben dem Unterhaltungswert die ausgezeichnete Besetzung der Kinderrollen. Alle drei Jungdarsteller haben bereits Kameraerfahrung. Dezent und humorvoll zugleich werden die ersten zarten Bande zwischen Rachma und Matthias dargestellt.

Auf dem Kinder-Film&Fernseh-Festival "Goldener Spatz" 1999 in Gera zeichnete die Fachjury den Spielfilmerstling mit dem Nachwuchspreis der "Ostthüringer Zeitung" aus. In der Begründung heißt es über die Figuren der Jugendlichen und Erwachsenen: "Alle verbindet eine durchweg vorhandene Konfliktfähigkeit: Fehlverhalten wird als selbstverständlicher Bestandteil des Miteinanders verschiedener Generationen und Temperamente aufgezeigt."

Reinhard Kleber

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 80-2/1999 - Interview - "Ohne die Filmförderung Hamburg wäre das Projekt nicht zustande gekommen"

 

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