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Ausgabe 10-2/1982

BANANEN PAUL

Produktion: C&H Film, BRD 1981 – Buch: Richard Claus, Manfred Weis – Regie: Richard Claus – Kamera: Jörg Jeshel – Ton: Christian Moldt – Schnitt: Helga Schnurre – Musik: Piet Klocke – Darsteller: Otto Schnelling (Bananen Paul), May Buschke (Iva), Martin Lüttge (Dompteur), Gunter Berger (Reporter), Marcel Werner (Fotograf), Helmut Ahner (Bürgermeister), Gert Haucke (Oppositionsführer), Buddy Elias (Polizist), Irm Herrmann (Ivas Mutter), Werner Rehm (Redakteur), Piet Klocke (Professor) – Länge: 84 Min. – Farbe – 35 mm – Verleih: Filmwelt, München

Bei "Bananen Paul" dreht sich alles um einen Zirkusbären, der ausbüxt und eine ganze Kleinstadt in Unruhe versetzt: Die Sensationspresse des Provinzstädtchens Heimfeld -Ähnlichkeiten mit den Blättern eines großen deutschen Zeitungskonzerns sind offensichtlich – macht aus dem zahmen Bären gleich ein Monster, das für Angst und Schrecken sorgt. Bär Paul ist aber ein friedlicher Genosse, der nicht so will, wie er soll:

"Immer soll ich schlafen. Ich bin doch gar nicht müde." Und so saust er mit seinem Motorrad durch die Stadt, natürlich immer geradeaus, was ja viel schöner ist, denn im Zirkus musste er ja immer nur im Kreis, fahren – bis das Motorrad zu Bruch geht ...

Panik in der Stadt, ein Krisenstab tagt, die Polizei errichtet Straßensperren, die Regierung gibt der Opposition die Schuld und umgekehrt. Als das "Ungeheuer" ein kleines Mädchen in seine Gewalt bringt, ist in Heimfeld die Hölle los: Presse und Rundfunk überschlagen sich, Polizei und Feuerwehr sind in ständiger Einsatzbereitschaft, während der Grizzlybär harmlos durch die Stadt wandert. Paul hat sich mit dem Mädchen Iva angefreundet: Vor einem Jeansladen findet Iva eine riesige Jeans-Werbe-Hose und die passt dem Bären, nun fällt Paul den Passanten gar nicht auf. Iva und Bananen Paul fliehen in eine Gartenkolonie, wo sie jedoch bald entdeckt werden: Während ein aufwändiges Polizeiaufgebot die Gartenlaube umstellt, sorgt Bananen Paul für eine Überraschung ...

Richard Claus, der gemeinsam mit Petra Haffter ("Wahnsinn, das ganze Leben ist Wahnsinn") eine Filmproduktionsfirma (C&H Film) gegründet hat, um eigene Filme, aber auch die Filme anderer Leute herzustellen, legt mit "Bananen Paul" sein Spielfilmdebüt vor, will aber nicht als Kinderfilmer abgestempelt werden: "Ich mag sehr gerne die Arbeit am Dokumentarfilm, weil das sehr kooperativ ist. Beim Spielfilm ist es halt so, dass beim Drehen nur noch wenige Änderungen möglich sind. Was mich am Filmemachen reizt, ist die Verbindung zwischen Phantasie und Technik. Ich möchte beim Film mit vielen Dingen zu tun haben, mit der Produktion und auch mit der Regie. Nur weil mein erster Film ein Spielfilm ist, möchte ich jetzt nicht grundsätzlich auf Spielfilm festgelegt sein."

Bei der Realisierung des Films "Bananen Paul" waren die Vorarbeiten recht umfangreich: Vor Drehbeginn wurde eine Nacherzählung des Drehbuchs verfasst und Schülern verschiedener Altersklassen vorgelesen. "Wir wollten herauskriegen, wer was versteht und wie die Kinder der Geschichte folgen. Dabei haben wir festgestellt, dass Kinder mit Dingen, die sie noch nicht verstehen, viel besser umgehen können als Erwachsene." Für die Hauptrolle der kleinen Iva bewarben sich ungefähr 150 Mädchen, bekommen hat die Rolle dann May Buschke, die in dem Film "Die Kinder aus Nr. 67" schon eine kleine Rolle gespielt hatte.

In "Bananen Paul" hat May Buschek eine äußerst schwierige Rolle: Ihr Partner ist eine Kunstfigur und das führt zu Schwierigkeiten, die sich bei einem Schauspieler-Partner so nicht ergeben hätten. Zwischen dem Mädchen Iva und dem Bären spielt sich eigentlich zu wenig ab. May Buschke wirkt manchmal gelangweilt unbeteiligt und steht auch ein bisschen hilflos neben dieser Kunstfigur. Trotzdem bereitet der Film viel Spaß und sorgt für Unterhaltsamkeit, denn der etwas schwächere Punkt – das Verhältnis zwischen Bär und Iva – wird durch die Aktionen der Solofigur Bananen Paul wieder aufgehoben. Eigentlich hat der Film eine äußerst komplizierte Struktur, denn er erzählt mehrere Geschichten parallel: Die Geschichte von Paul, die Geschichte von seinem Dompteur, die Geschichte von Presseleuten und die Geschichte von Polizei, Feuerwehr und Politikern. Proportionen und Tempo des Films stimmen, auch wenn das Interesse der Kinder immer dann am größten ist, wenn der Bär auftaucht, während das Interesse bei Szenen, in denen nur Erwachsene mitspielen, eher abflacht, aber das liegt sicher daran, dass sich in diesen Szenen die Turbulenz häufig ein wenig im Kreis dreht. "Bananen Paul" – die perfekte Nachbildung eines Bären, ausgestattet mit elektronischer Fernsteuerung für Augen und Ohren, hergestellt in den Londoner Film-Design-Studios Shepperton – ist jedenfalls der absolute Star.

Obwohl der Film in erster Linie heiter und unterhaltsam ist, vermittelt er aber auch eine Menge Einsichten über Sensationspresse, die Beeinflussung durch Massenmedien und die Funktionen von Regierung und Opposition: Den Bürgern von Heimfeld sind zum Beispiel die riesigen Schlagzeilen der Zeitung über die Jagd nach dem Monster viel wichtiger als alles, was um sie herum geschieht – und so kann Bär Paul seelenruhig an ihnen vorüber laufen und niemand nimmt Notiz davon. "Bananen Paul" liefert mit häufigem Schauplatzwechsel, der Irrfahrt des Bären, Verfolgung und Flucht eine Art von Lebendigkeit, die viel mit Bewegung und Kino zu tun hat: Unterstrichen wird dies durch die Musik von Piet Klocke, die eine starke Sogwirkung hat und synchron zu den Bewegungsabläufen des Films eingesetzt wurde.

Bei der Berlinale war "Bananen Paul" im Programm des 5. Kinderfilmfests der einzige bundesdeutsche Beitrag. Vier Wochen danach habe ich den zehnjährigen Andre gefragt, was ihm noch in Erinnerung geblieben ist und ihm am besten gefallen hat: "Dass der Dompteur in den Bärenkäfig eingesperrt wurde und als in dem großen Wagen das Licht ausging, die Leute umfielen und der Bär mit dem Wagen losfuhr. Das war toll." Der Film "Bananen Paul" ist aber nicht nur ein Kinderfilm, er gefällt sicher Erwachsenen ebenso wie Kindern.

Manfred Hobsch

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 14-2/1983 - Interview - "Das kann doch nicht nur ein Strohfeuer zum Jahr des Kindes gewesen sein ..."
KJK 10-2/1982 - Interview - Markenzeichen "Bananen Paul"

 

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