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Ausgabe 83-3/2000

VASILISA

Produktion: Cosmopolita Film; Deutschland 2000 – Regie und Buch: Elena Schatalowa – Kamera: Maria Solovieva – Schnitt: Hans Funck – Musik: Klaus Doldinger – Darsteller: Simon Verhoeven (Alexander), Natalia Haritonova (Vasilisa), Nina Hagen (Hexe), Viktor Avilov (Kaschei) – Länge: 99 Min. – Farbe – Kontakt: Cosmopolita Filmproduktions GmbH, Theresienstr. 31, 80333 München, Tel. 089-285973, Fax 089-285973 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Es beginnt mit einem schrillen Maskentreiben vor der königlichen Burg. Die drei Prinzen Josef, Timur und Alexander schauen vom Fenster auf das popbunte Treiben. Der König bringt das Trio aber rasch auf den Boden der Tatsachen zurück, denn, so lässt er sie wissen, es ist höchste Zeit, dass sie heiraten. Zu diesem Zweck überreicht er jedem seiner Söhne Pfeil und Bogen. Sie sollen ihre Liebespfeile verschießen und die Frauen, die diese Pfeile finden, sollen die Prinzen heiraten. Josef und Timur erhalten bald darauf Besuch, der sich mit je einem Pfeil legitimiert. Der eine Prinz kann sich auf eine exzentrische Fürstin "freuen", der andere auf eine Kaufmannstochter, die sich beim König dadurch beliebt macht, dass sie ihm den heiß ersehnten Pfeffer sackweise mitbringt. Nur Alexander wartet vergebens. Da schickt ihn der Vater los, seinen Pfeil zu suchen. Und siehe da, der Prinz mit dem flotten Aktenköfferchen (inklusive Handy) findet seinen Pfeil neben einem Loch im Eis. Und dort räkelt sich eine goldene Froschlady. Gutmütig nimmt sie der Prinz mit, versteckt sie aber vor Vater und Brüdern.

Der König will die zukünftigen Bräute noch testen – sie sollen ihm etwas backen. Die Fürstin mit ihrem Minikuchen und die Kaufmannstochter mit dem steinschweren Kuchen können ihn nicht begeistern. Das Fröschlein aber liefert eine mehrstöckige Torte. Alexander ist etwas in Verlegenheit, als der König für die zukünftigen Ehepaare ein Fest geben will. Doch siehe da, anstelle des Frosches kommt die zauberhafte Vasilisa. Während sich alle darum reißen, mit Vasilisa zu tanzen, entdeckt Alexander in seinem Zimmer ein goldenes Froschkostüm. Er will der Maskerade ein Ende machen und verbrennt das Kostüm. Als Vasilisa zurückkommt und das Kostüm nicht mehr findet, erfährt Alexander, dass sie vom Zauberer Kaschei, der sie begehrt, verzaubert worden war. Am folgenden Tag wäre sie das Kostüm endgültig losgeworden. Doch nun ... Sie muss zurück zu dem bösen Zauberer.

Prinz Alexander macht sich auf die Suche nach der geliebten Vasilisa. Eine merkwürdig verhüllte Gestalt gibt ihm Hinweise, wie er das Versteck des Zauberers finden kann. Nach zahlreichen Abenteuern und Begegnungen mit einer Nixe und einem Pandabären trifft Alexander in einer riesigen Muschel eine Hexe, die sich bereit erklärt ihm zu helfen. Sie verrät ihm, dass der Unsterbliche Kaschei in Wirklichkeit gar nicht unsterblich ist: Wenn man das in der goldenen Eiche versteckte Ei findet, in dem sich die Nadel befindet, die Kaschei am Leben hält, kann man ihm den Garaus machen. Was sie Alexander allerdings nicht verrät: Wie man das Ei aufbekommt – und dass sie mit Kaschei verheiratet war und sich an ihm rächen will. Die Geschichte endet natürlich, wie es sich für ein Märchen gehört: Alexander befreit seine Vasilisa aus den Klauen Kascheis und kehrt mit ihr nach Hause zurück.

Das bunte, manchmal grelle und schrille Märchen, das die russische Regisseurin Elena Schatalowa hier erzählt, ist optisch brillant inszeniert und glänzt mit vielen kleinen Aperçus, die märchen-anachronistisch Gegenwärtiges in die Handlung einbeziehen. Das ist mit Hang zur Persiflage und mit viel Liebe zum Detail gemacht. Man muss wohl fast sagen, mit zu viel Liebe zum Detail. Denn, das sollte nicht verschwiegen werden, die Handlung hat so viele Fäden, die sich immer wieder kreuzen und verwirren, dass das Gegenteil dessen erreicht wird, was beabsichtigt war. Die Menge der Einfälle erhöht nicht gleichzeitig die Dichte und Qualität der Handlung. Weniger wäre hier mehr gewesen. Das Resultat ist eine breit, zu breit ausgespielte Geschichte, bei der man sich immer wieder weitab der eigentlichen Geschichte verirrt. Aber irgendwie schafft es die Regisseurin dann doch wieder, zum Punkt zu kommen und mit flotten Einlagen die Längen vergessen zu machen.

Dass der Film letztlich doch funktioniert, kommt nicht zuletzt durch ein gutes Quäntchen Spielfreude, mit der die Schauspieler bei der Sache sind. Dabei fällt auf, dass die Nebenrollen stärker zum Chargieren animiert worden sind, so dass sie absichtlich grotesk wirken. Die Hauptpersonen Vasilisa, Alexander, Hexe und Zauberer spielen hingegen direkter und intensiver. Besonders erwähnenswert Nina Hagen, die auch ohne ihr Image als Punk-Lady als Komikerin mit Gummigesicht erfolgreich sein könnte. Sie spielt die Hexe leinwandpräsent. Etwas steif wirkt manchmal der Zauberer. Das mag durch seine Plateauschuhe bedingt sein, die es ihm vermutlich sehr schwer machten, sich am Set (in einer echten Höhle!) anders als vorsichtig zu bewegen. Leinwandpräsenz beweist natürlich und vor allem auch der Held und Strahlemann Alexander, verkörpert von Simon Verhoeven (Sohn des Künstlerehepaars Michael Verhoeven und Senta Berger), der in New York Regie studiert, aber ganz offensichtlich auch das Zeug zum Leinwandidol hätte.

Der Film "Vasilisa" hat seine bravourösen, optisch opulenten Momente, er schafft ein ungewohnt modernes, farbiges Ambiente für ein modern gestyltes Märchen. Dies hat dazu beigetragen, dass der Film international bereits einige Preise und Ehrungen erhalten hat – zum Beispiel als bester ausländischer Film beim New York International Independent Film Festival 2000. Das ist zwar verständlich, weil der Film wirklich Qualitäten hat. Dennoch bleibt der Eindruck, dass der Film eine straffere Handlungsführung vertragen könnte, um sein Publikum in helle Begeisterung zu versetzen.

Bleibt festzuhalten, dass "Vasilisa" als Auftaktfilm zum 18. Kinderfilmfest beim Filmfest München 2000 in Anwesenheit von Elena Schatalowa und Familie Verhoeven beim Publikum großen Anklang fand. Es zeigte sich bei dieser Gelegenheit, dass der Film in der deutschen Fassung überzeugender wirkt, was nicht zuletzt in der Abstimmung des jugendlichen Publikums (überwiegend mit "sehr gut gefallen" bewertet) dokumentiert wurde.

Wolfgang J. Fuchs

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 86-3/2001 - Hintergrund - "Vasilisa"
KJK 83-3/2000 - Interview - "Die Grundidee war, einen schönen realen Märchenfilm zu drehen"
KJK 83-3/2000 - Kinder-Film-Kritik - Vasilisa

 

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