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Ausgabe 66-2/1996

DIE SPUR DER ROTEN FÄSSER

Produktion: Ottokar Runze Filmproduktion, Deutschland 1995 – Regie: Kai Wessel – Buch: Ursula West – Kamera: Hagen Bogdanski – Musik: Konstantin Wecker – Darsteller: Florian Bamberg (Roman), Meike Fellinger (Julia), Evren Sahin (Tekin), Florian Schön (Jonas), Teresa Harder (Steffi Steinküller), Peter Sodann (Kommissar Kaminski), Horst Krause (Otto Schlange) u. a. – Länge: 91 Min. – Farbe – Verleih: Basis-Film (35mm und 16 mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Sommerferien in der Mark Brandenburg. Die Geschwister Roman, Julia und Jonas Steinküller und Jonas' Freund Tekin werden ungeduldig auf der Reise, machen Blödsinn im Auto. Mutter Steffi, zwischen zur Schau gestelltem Frohsinn und innerer Nervosität, gibt ihr Bestes. Die Familie scheint urlaubsreif. Am Ziel angekommen, einem Bauernhaus in grüner Wälder- und Seenlandschaft, ist es jedoch nicht wie sonst. Keine freudige Begrüßung durch die Wirtsleute Hensel, sondern Bedrückung und Trauer um den verstorbenen Sohn.

Die Kinder lassen sich ihre Ferienstimmung nicht nehmen, stürmen zum nahe gelegenen See, schubsen und bespritzen sich, bis plötzlich Julia mit einem entsetzten Aufschrei zum Ufer springt. Die Jungen, die das Mädchen gern als zimperlich hinstellen, verlassen ebenfalls fluchtartig das Wasser, in dem jede Menge tote Fische schwimmen. Niemand im Dorf scheint darüber beunruhigt zu sein. Der See ist tot, was soll man da machen? Mutter Steffi will forsch-fragend die Angelegenheit klären, während die Kinder leise beobachtend der Sache auf den Grund gehen. Verschwiegenheit steht an erster Stelle. Sie observieren das von den russischen Truppen verlassene Militärgelände, einen ehemaligen Flugplatz, und entdecken verdächtige Personen. Sie sammeln Indizien, kombinieren und gründen schließlich das "Detektivbüro Steinküller & Co.". Von morgens bis abends haben sie alle Augen und Hände voll zu tun, denn die Geschichte wird immer mysteriöser. Was zum Beispiel treibt ein junger Russe mit seinem Hund auf dem Gelände? Was hat es mit dem Rucksack für eine Bewandtnis? Woran ist der junge Hensel wirklich gestorben? Was ist in den roten Fässern? Warum werden nachts blaue angeliefert? Welche Rolle spielt der geldige Fiesling Otto Schlange und seine plumpen Helfer? Und wie gefährlich ist Iris von Kufstein in ihrem mobilen Beauty-Salon? Je tiefer die Kinder in das Geflecht dringen, desto gefährlicher wird es für sie. Denn es geht um Geld, um viel Geld, das Otto Schlange mit seinen kriminellen Geschäften verdient, bei denen er nicht nur über Fischleichen geht.

Kai Wessel hat nach seinem sensiblen, leisen "Sommeralbum" (siehe KJK Nr. 50-2/1992) mit der "Spur der roten Fässer" einen lauten Kinderkrimi inszeniert, das heißt: Er hat diesmal mehr auf effektvolle Unterhaltung gesetzt. Konstantin Wecker komponierte die Musik dazu, einschließlich des unvermeidlichen Titelsongs, der an die Stärke und Phantasie der Kinder appelliert. Die Geschichte um die roten Fässer ist spektakulär und aktuell. Es geht um Tarnung und Verschiebung von Giftmüll, ein dubioser Vorgang, der von den cleveren Großstadtkindern Schritt für Schritt erhellt und aufgeklärt wird. Die Kinder entwickeln sich, im Gegensatz zu den Erwachsenen, die eigentümlich hölzern bleiben oder überzeichnet sind: die patente Mutter Steffi Steinküller mit ihrem Glücksanspruch, der pensionierte Kriminalinspektor Kaminski mit seiner Liebe zur fernöstlichen Poesie, die trauernde Mutter Hensel, die in einer Szene völlig unmotiviert herumalbert. Die Umweltgangster haben Comicformat: Otto Schlange, vom Typ eine Mischung aus F. J. Strauß und Schalck-Golodkowski, gierig und clever; seine Kumpane, plump und dumm; Schlanges Freundin, eine Barbiepuppe im Ostformat. Gut und Böse sind deutlich visualisiert. Der Film zeigt klar, wem die Sympathie gilt: den Kindern und dem jungen Russen Anatoli. Im Laufe des Films gewinnen diese Figuren Konturen und die Kinder wachsen zu kleinen Persönlichkeiten heran, mit Stärken und Schwächen.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 69-2/1997 - Interview - "Für einen Kinderfilm muss außergewöhnlich intensive Verleiharbeit geleistet werden"
KJK 66-2/1996 - Interview - "Es war eine große Freude zu beobachten, welche Kraft in den kleinen Menschen steckt"

 

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